Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 22. August

In der Internationalen Zeitschriftenschau geht es in dieser Woche um Bischöfe in Frankreich, die Masern und eingefrorene Embryonen.

Internationale zeitschriftenschau

Bischöfliche Orientierung heute

In einem Interview mit dem Magazin L'Incorrect äußert sich Bischof Bernard Ginoux über aktuelle Probleme der katholischen Kirche. Der Oberhirte der Diözese Montauban wurde als „Bischof der Gelbwesten“ bekannt, weil er sich in seinem Bistum mit den Demonstranten traf. Zudem hatte er 2018 der Landjugendbewegung „Mouvement rural de la jeunesse chrétienne“ (MRJC), die Abtreibung als ein Grundrecht betrachtet, als einziger Bischof seine Unterstützung entzogen. Viele seiner Mitbrüder im Bischofsamt hätten ihn zwar darin bestärkt, „aber sie haben es nicht in der Öffentlichkeit getan, vielleicht, weil sie es sich nicht mit den jungen Leuten dieser Bewegung verscherzen wollten. Ich jedoch meine, dass eine katholische Bewegung, die öffentlich Standpunkte vertritt, die der Lehre der Kirche bei so ernsten Themen wie der Abtreibung widersprechen, nicht mehr der katholischen Kirche angehören und seitens der Diözesen nicht mehr finanziert werden kann.“

Der MRJC organisierte ferner Bildungsveranstaltungen in Partnerschaft mit den LGBT-Verbänden, „was objektiv skandalös ist“, so Ginoux weiter. Auf die Frage, warum so viele Menschen die Kirchen verlassen, betont der Bischof, dass man heute einen ausgeprägten Individualismus lebe, was zu sozialer Vereinsamung führe: „In den fünfziger Jahren gab es noch eine wirkliche Volksfrömmigkeit – Prozessionen, Wallfahrten, Andachten zu örtlichen Heiligen und Patronatsfeste. Das bestimmte den Rhythmus des Lebens und erhielt die sozialen Bindungen aufrecht.“ Man habe diese Menschen aufgrund eines zu stark betonten Intellektualismus seit den sechziger Jahren verloren. Aus der Pastoral der siebziger Jahre habe sich „eine Art Degenerierung“ entwickelt.

Zu Recht sprach Benedikt XVI., so Ginoux, die Krise von 1968 an: „Hier muss man den Abbau jeglicher Form von Autorität und Orientierungspunkten hinzufügen, wodurch es manchen labilen Jugendlichen unmöglich gemacht wurde, ein ausreichendes psychisches Gleichgewicht zu entwickeln, um sich in ihre sexuelle Identität und in eine väterliche oder mütterliche Aufgabe einordnen zu können“, betont Ginoux. Auf die Frage nach der Verunsicherung mancher Katholiken durch Äußerungen von Papst Franziskus in Bezug auf den Islam, „die nicht mit dem übereinstimmen, was sie im Alltag erleben“, gibt der Bischof zu bedenken: „In Bezug auf den Islam wie auch bei politischen Fragen muss der Katholik nicht dieser oder jener Position des Heiligen Vaters folgen. Man muss die Katholiken im Hinblick auf den Papst von Komplexen befreien. Es geht nicht darum, ihm den Respekt zu verweigern, sondern um die Feststellung, dass die Realität unserer Ghettos in Europa ein echtes Problem darstellt und die Bevölkerung beunruhigt.“

Störung einer Messe

„Die älteren weißen Gemeindemitglieder brüllten ihren schwarzafrikanischen Priester nieder, nachdem er unerlaubte Neuerungen aus der Liturgie abgeschafft hatte“, schreibt der Catholic Herald und beruft sich auf eine Meldung der Catholic News Agency. Auf einem von der Tageszeitung „The Oregonian“ ins Internet gestellten Video ist zu erkennen, wie während der Wandlung weiß gekleidete, vornehmlich ältere Damen Transparente in die Kirche „St. Francis“ der Erzdiözese Portland tragen und versuchen, ihren Pfarrer Father George Kuforiji zu übertönen. Anderen Kirchgängern ist diese Störung der heiligen Messe sichtlich unangenehm. Die Proteste richteten sich Berichten zufolge gegen die Entscheidung von Father Kuforiji, „unerlaubte Veränderungen an der Liturgie, die in der Pfarrei im Laufe der vergangenen Jahre üblich geworden waren, zu entfernen und ein Schild am Eingang der Kirche mit der Aufschrift „Immigrants & Refugees welcome“ abzunehmen. Father Kuforiji ist selbst Einwanderer aus Nigeria, der 2015 geweiht wurde und 2018 als Pfarrer von „St. Francis of Assisi“ eingesetzt wurde. Davor war die Pfarrei für ihre „progressive Liturgie“ bekannt, die auch „Folk-Music“ während der heiligen Messe einbezog.

Pfarrer Kuforiji bestand darauf, während der Messe von der Kirche anerkannte liturgische Texte zu verwenden: „Diese Texte bezeichnen Gott als ,He‘, ,Lord‘ oder ,King‘ anstelle der genderneutralen Ausdrücke ,God‘ und ,Creator‘, die bei der Pfarrliturgie zu gebräuchlichen Ersatzbezeichnungen geworden waren.“ Nach der Messe trat eine Pfarrangehörige an den Ambo: „Wir werden missbraucht. Wir werden in der katholischen Kirche durch diesen Priester und durch diesen Erzbischof [gemeint ist Erzbischof Sample von Portland] missbraucht.“

Dreimal so viele Masernfälle wie 2018

Die Masernfälle haben seit 2006 ihren Höchststand erreicht. Das meldet das British Medical Journal unter Berufung auf den jüngsten Vorbericht der Weltgesundheitsorganisation. Demnach hätten sich bis heute fast dreimal so viele Menschen mit der gefährlichen Infektionskrankheit angesteckt wie im selben Zeitraum im vergangenen Jahr. Vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2019 meldeten 182 Länder 364.808 Masernfälle im Gegensatz zu von 181 Ländern gemeldeten 129.239 Fällen im gleichen Zeitraum im Jahr 2018: „Die WHO warnt davor, dass die aktuellen Epidemien die Gesundheitssysteme belasten und in vielen Teilen der Welt zu schweren Erkrankungen, zu Behinderungen und zu Todesfällen führen.“

Millionen „verwaister“ eingefrorener Embryonen in den USA

Dem Catholic Herald zufolge befruchten In-vitro-Fertilisationskliniken weit mehr Eizellen als nötig und frieren die „nicht benötigten“ Embryos auf unbestimmte Zeit ein. Die Zahl der „verwaisten“ menschlichen Embryonen könnten in den USA in die Millionen gehen und viele Fertilitätsexperten schwiegen sich über das Dilemma des Umgangs mit diesen Embryos aus. Laut Christine Allen, einer Fertilitätsmedizinerin, die die Unternehmungsberatung „Elite IVF“ betreibt, befruchten die meisten Fertilitätskliniken mehr Eizellen, als sie für die Durchführung einer In-vitro-Befruchtung benötigen: „Manchen Frauen werden 40, 50 oder 60 Eizellen während eines Zyklus entnommen und der Embryologe bekommt von seinem Arzt den Auftrag, sie alle zu befruchten – es wird aber nicht gefragt, ob die Patientin überhaupt so viele befruchtet haben möchte. Keiner bekommt 30 Kinder“, erklärte Allen gegenüber „NBC News“.

Einige Fertilitätsmediziner äußerten gegenüber NBC News, dass „viele Kliniken die Embryos als verwaist betrachten, wenn Patientinnen aufhören, die Lagerkosten zu bezahlen und auch nicht mehr auf die Versuche der Klinik reagieren, sie zu kontaktieren“. Die Lagerkosten für eingefrorene Embryos belaufen sich je Klinik auf etwa 500 Dollar bis 1 000 Dollar jährlich.

DT/KS