Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 21. November 2019

„Generationenkonflikt“ in den Redaktionsstuben - Gesprächskultur - „Explodierende“ Anzahl der Diebstähle in Paris - Schöpfer und Schöpfung

City Journal
City Journal Foto: IN

„Generationenkonflikt“ in den Redaktionsstuben

Einst verteidigten Pressevertreter in den USA das First Amendment (das die Meinungsfreiheit garantiert), doch sie unterstützten nunmehr zunehmend die Einschränkung von Meinungsäußerungen, wie John Tierney, Wissenschaftskolumnist der New York Times, in einem Essay für das City Journal darlegt. Unter jungen Journalisten, die Uni-Vorlesungen „über immer weiter gefasste ,Hassreden‘ aufgesaugt haben“, sei die Redefreiheit nicht mehr „unantastbar, und sie brechen schon lange bestehende Tabus, indem sie eine ,Löschkultur‘ in die Nachrichtenredaktionen bringen“.

Dort seien sie zwar noch nicht federführend, doch viele Redakteure reagierten auf sie wie „belagerte Hochschulpräsidenten, die Angst davor haben, als nicht genügend ,woke‘ zu erscheinen. Die meisten jungen und alten Berufsjournalisten legen zwar noch immer Lippenbekenntnisse zum First Amendment ab und glauben gewiss, dass es ihre eigene Arbeit schütze, doch sie sind in zunehmendem Maße bemüht, dass andere ,von der Bühne entfernt‘ und damit effektiv zum Schweigen gebracht werden.“

Diese zumeist jüngeren progressiven Journalisten „führen Kampagnen, damit konservative Journalisten gefeuert, von Twitter gesperrt und auf YouTube ,entmonetarisiert‘ werden. Sie verbrennen zwar keine Bücher, haben aber Amazon erfolgreich unter Druck gesetzt, den Verkauf von Titeln zu stoppen, die sie für anstößig halten. Sie ermutigen zu Werbeverboten, die darauf abzielen, weltanschauliche Rivalen aus dem Geschäft zu drängen. Nur ungern berichten sie offen über linke Zensur und Gewalt, selbst dann, wenn Journalistenkollegen angegriffen werden. Sie setzen die Ausdrucksweise von Konservativen mit Gewalt gleich“ und verharmlosten „die tatsächliche Gewalt von Linken“ als deren „Ausdrucksweise“. Das Ergebnis sei, wie der Chefredakteur der New York Times, Dean Baquet, es kürzlich nannte: „eine Generationskluft“ in den Nachrichtenredaktionen. Der progressive Aktivismus jüngerer Journalisten brächte ihre älteren Kollegen oftmals zur Verzweiflung. „Die Zeitung wird nun von 25-Jährigen mit dem Hauptfach Gender Studies geschrieben“, konstatierte eine altgediente Journalistin der Washington Post.

Gesprächskultur

„Erweitern wir das Overton-Fenster zur Belebung der öffentlichen Debatte“, fordert Olivier Babeau, Präsident des „Institut Sapiens“ sowie Professor für Managementwissenschaft in Bordeaux, im Figaro. Das Fenster wurde nach dem Vizepräsidenten einer amerikanischen Denkfabrik benannt – es bezeichnet den Rahmen an Ideen, die im öffentlichen Diskurs akzeptiert werden. Es erläutere, „dass politische Maßnahmen unmittelbar von den Diskursen abhängen, die als zulässig betrachtet werden“. Schon Orwell habe in „1984“ zu Recht festgestellt, „dass die diktatorischen Regimes in ständiger Sorge über Sprachmanipulationen waren. Die Worte zu verändern bedeutet, die Vorstellungen und damit die Meinungen zu verändern. Wenn ein Wort nicht mehr existiert, verschwindet die benannte Sache.“

Doch nicht nur autoritäre Regimes hätten den Bezug zwischen Sprache und Macht begriffen. Noam Chomsky sagte: „Kommunikation ist für die Demokratie das, was Gewalt für die Diktatur ist.“ Babeau stellt fest, dass ein zu kleines Overton-Fenster „die Äußerung alternativer Gedanken in schriftlichen Diskursen von vorneherein verbietet“. Die daraus resultierende politische Korrektheit sei „vor allem ein besonders wirksames Instrument zur Beendigung von Diskursen. Sie nötigt dazu, Phänomene, die man ansprechen möchte, auf andere Weise – positiver oder negativer Art – zu benennen.“

Der Figaro publizierte zudem einen Aufruf von 100 Hochschullehrern, Intellektuellen und Essayisten zum Schutz der Meinungsfreiheit. Hintergrund ist die Zunahme von Gewaltakten an Universitäten. In den letzten Monaten wurden von französischen Unis fünf Veranstaltungen nach Drohungen diverser Lobbygruppen islamistischer, LGBT-, feministischer, „antirassistischer“ oder extrem linker Provenienz abgesagt.

Der Appell warnt: „Jedes Mal, wenn die Universitäten diesen Drohungen nachgeben, entehren und verraten sie ihre Mission. Tatsächlich besteht ihre Rolle ja darin, einen Raum der Auseinandersetzung mit Ideen anzubieten, der das Denken fördert, und nicht einen Raum, in dem sich der intellektuelle Konformismus als Herr und Gebieter durchsetzt. Außerdem müssen sie die Herausbildung des kritischen Geistes fördern, was stets die Analyse aller Informationen in einer Diskussion voraussetzt, um sich seine eigenen Überzeugungen zu bilden. Es ist dieser kritische Geist, der den Widerstand gegenüber dem Dogmatismus ermöglicht, diesem Gedankenkrebs, der jede neue Erkenntnis verhindert und den Menschen versklavt.“

„Explodierende“ Anzahl der Diebstähle in Paris

Das sei kein Anstieg mehr, „es ist eine Explosion“. Die Tageszeitung Le Parisien nennt die neuesten Zahlen für die in diesem Jahr begangenen Diebstähle in Pariser Metro und S-Bahn. Die vom Verkehrsunternehmen der Hauptstadt „Ile-de-France Mobilités“ jüngst erhobenen Statistiken zeigen, dass die Anzahl der Diebstähle in den zehn ersten Monaten dieses Jahres um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen seien. Die Täter konzentrierten sich auf die von den Touristen frequentierten Linien, wie die Linien 2, 6, 8 oder 9. Valérie Pécresse, Präsidentin des Regionalrats der Ile-de-France, prangert in diesem Zusammenhang die Abschaffung von 350 von ehemals 1 350 Polizeiwachen seit 2015 an und fordert die Wiederaufstockung der weggefallenen Stellen.

Schöpfer und Schöpfung

Homme Nouveau hat den niederländischen Weihbischof von Hertogenbosch zu seinen Bedenken gegenüber der Amazonas-Synode befragt. Robert Mutsaerts: „Wir müssen uns um die Erde kümmern, die uns anvertraut wurde, aber vor allem lassen wir uns dabei natürlich von der Ehrfurcht dem Schöpfer und nicht der Schöpfung gegenüber leiten. Hier aber scheint es sich umgekehrt zu verhalten.“ Er spreche zwar nicht wörtlich von Idolatrie, von Götzenverehrung, aber es gebe „solche Texte, die in Richtung von Ökologie, ,Mutter Erde‘ und Klima gehen“. Der Hintergrund all dessen schienen Mythen zu sein, doch er wisse nicht, „was dies wohl mit unserem Glauben zu tun haben könnte“. Gegenstände wie die Pachamamas hätten „nichts in einer Kirche zu suchen. Und ganz gewiss nicht in der Liturgie.“ Wir müssten „evangelisieren. Wir müssen die Kulturen christianisieren.“ Es scheine indes, dass „die Offenbarung Christi allmählich von der Ökologie ersetzt wird“. KS

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