Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 19. September

Rémi Brague im Streitgespräch über den Islam - Japan und die Arbeitsmigration - Französische Bischöfe nehmen Macron beim Wort - Unverletzliches Beichtsiegel

Internationale Zeitschriftenschau

Rémi Brague im Streitgespräch über den Islam

Das linke Nachrichtenmagazin L'Obs veröffentlicht Auszüge aus dem soeben erschienenen Band „La Controverse“, in dem sich zwei Philosophen kontrovers über den Islam unterhalten: Rémi Brague und Souleymane Bachir Diagne. Der senegalesische Professor für Französisch an der Columbia University beklagt eine zunehmende „Islamophobie“ bei denjenigen, die sich für eine Abschaffung der „politischen Korrektheit“ stark machten. Brague kontert, die Formulierung „PC“ sei „ein Wort, dessen Ziel es ist, das Denken zu verhindern. Als Philosophen mögen wir diese Art Einschüchterung nicht.“ Denn in die Schublade „Islamophobie“ würden ganz unterschiedliche Haltungen gepackt, etwa „rassistische Dummheit“, was „tatsächlich unter die Gürtellinie geht“. Es gebe aber auch Menschen wie ihn – Brague – „die meinen, dass die islamische Zivilisation zur Weltkultur viel weniger beigetragen habe, als es von manchen Medien vermittelt wird“. Außerdem sei der Ausdruck „Phobie“ der Psychiatrie entlehnt. Doch die Menschen, die Araber nicht mögen, betrachte er „nicht als geistesgestört, sondern als dumm“. Denn manche Menschen „verwechseln Araber mit Muslimen“: „Das ist lustig, wenn man weiß, dass die Araber nur etwa zehn Prozent der muslimischen Bevölkerung weltweit ausmachen, und dass nicht alle Araber Muslime sind: sie sind Christen oder Jesiden – wenn es denn noch welche davon gibt.“ Diagne schätzt zudem „die Aussage von Papst Franziskus, der kürzlich sagte: ,Wenn ich von muslimischer Gewalt spräche, müsste ich auch von katholischer Gewalt sprechen‘“, worauf Brague erwidert: „Das war eine Dummheit seitens des Papstes.“ Doch Diagne verteidigt Franziskus: „Der Papst kennt sich in der Geschichte der Religionen perfekt aus“. „Da bin ich mir nicht so sicher…“, entgegnet Brague.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Stellung der Frauen im Islam. Brague beklagt die vom Koran erlaubte Polygamie. In Afrika, so betont er, „sagt man oft, dass man eine Frau heiraten kann, plus zwei, plus drei, plus vier; das sind dann zehn und nicht vier. Außerdem muss man die unterschiedlichen sozialen Stellungen unterscheiden: die Ehefrau bedeutet die legitime Gattin. Die Anzahl der Konkubinen ist hingegen nicht beschränkt.“ Brague konfrontiert seinen Gesprächspartner mit weiteren Aussagen aus dem Koran. Diagne hält dagegen, dass der Islam äußerst vielfältig sei, dass es keine Texte im Islam gebe, die etwa den Ehrenmord an jungen Frauen rechtfertigten. Und was die Anzahl der Ehefrauen angehe: „Es gibt keine Verpflichtung, vier zu haben. Es handelt sich dabei nur um eine Duldung.“ „Doch solange diese Regel existiert“, insistiert Brague, „hat sie Konsequenzen – zum Beispiel in Frankreich. Der Staat hat sich entschieden, die Augen davor zu verschließen, doch die Polygamie existiert heute in Frankreich. Einen Unterschied zwischen der Religion und den sich von ihr inspirieren lassenden konkreten Gesellschaften zu machen, ist völlig legitim, darf aber nicht dazu führen, die Regel mit der Ausnahme zu entschuldigen.“

Japan und die Arbeitsmigration

Das Wall Street Journal berichtet, dass Japan künftig vermehrt ausländische Arbeitsmigranten ins Land kommen lassen wolle, allerdings unter strengen Auflagen. Mit den strikten Regeln wolle man „die politischen und gesellschaftlichen Wirren abfangen, die die Migration in die USA und nach Europa gebracht hat. In vielen Fällen können ausländische Arbeitskräfte in Japan keine Angehörigen mitbringen, und sie können auch nicht länger als fünf Jahre bleiben. Die meisten Programme fordern japanische Sprachkenntnisse.“ Es wäre eine Katastrophe, sagte Oppositionsführer Tamaki, „wenn wir am Ende die gleichen Probleme wie die USA und Europa bekämen“.

Französische Bischöfe nehmen Macron beim Wort

Im April 2018 appellierte der französische Staatspräsident im Pariser College des Bernardins an die Katholiken, sich politisch zu engagieren. Damals sagte Macron vor Vertretern der Kirche Frankreichs: „Eine Kirche, die behaupten würde, sich für die Fragen der Zeit nicht zu interessieren, ginge nicht bis an die Grenzen ihrer Berufung.“ Macrons Appell geriet nicht in Vergessenheit, wie Hugues Lefevre in Famille Chrétienne schreibt: „Die Bischöfe nehmen den Staatschef beim Wort und haben sich eben dieses College des Bernadins ausgewählt, um ihren Standpunkt zur vorgeschlagenen Neufassung des Bioethik-Gesetzes zum Ausdruck zu bringen, bevor dieses am 24. September erneut ins Parlament geht.“ So werden der Erzbischof von Reims und Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz sowie die Erzbischöfe von Rennes und Paris das Wort ergreifen, „um gemeinsam mit weiteren Experten ihre Befürchtungen erneut zu bekräftigen“. Erzbischof d'Ornellas von Rennes und zugleich Beauftragter der Arbeitsgruppe „Bioethik“ der Bischofskonferenz hatte die Neufassung bei seiner Anhörung vor der Nationalversammlung bereits im August an der Seite des Rabbiners von Frankreich und des Vorsitzenden der protestantischen Föderation Frankreichs „klar und deutlich angeprangert“.

Unverletzliches Beichtsiegel

„Unter keinen Umständen können Priester das Beichtsiegel verletzen“, betonte Erzbischof Porteous von Hobart in Tasmanien. Priester seiner Erzdiözese „werden kein Gesetz befolgen, das von ihnen fordere, das Beichtsiegel zu verletzen, um mutmaßlichen Kindesmissbrauch zu melden“, wie der Catholic Herald mitteilt. Vorangegangen war die Verabschiedung eines Gesetzes, durch das Geistliche zum Melden von Kindesmissbrauch verpflichtet werden. Tasmanier, die Kenntnis von einer solchen Straftat hätten, müssten diese bei der Polizei melden oder eine Gefängnisstrafe fürchten. Porteous merkte an: „Ich glaube, das tasmanische Gesetz wird den Schutz von Kindern oder gefährdeten Personen nicht stärken, sondern den gegenteiligen Effekt haben – weil die Täter aus Angst vor einer Anzeige schwere Sünden vermutlich weniger beichten werden.“ Außerdem werde damit Priestern die Möglichkeit genommen, „Täter zu einer Selbstanzeige bei der Polizei zu ermutigen“.

Priester und alle, die für die Kirche arbeiteten, „verstehen ihre Verpflichtung gegenüber dem Gesetz, eine Anzeige in Bezug auf sexuellen Kindesmissbrauch zu erstatten“, so der Oberhirte weiter, „Priester können jedoch nicht ein Gesetz erfüllen, das von ihnen fordert, ihr Bekenntnis zur immerwährenden Lehre der Kirche über die Unverletzlichkeit des sakramentalen Siegels zu brechen. Als Erzbischof ist es meine Pflicht, die katholische Lehre diesbezüglich aufrechtzuerhalten.“

DT/KS