Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 18. Juli

In der Internationalen Presseschau blickt die Tagespost auf interessante Beiträge in Zeitschriften aus aller Welt. In dieser Woche geht es um Transhumanismus, Kindererziehung und den Klimawandel.

Ein Mann vor einem Zeitschriftenregal
In der Internationalen Presseschau blickt die Tagespost auf interessante Beiträge in Zeitschriften aus aller Welt. Foto: Lukas Schulze (dpa)

Wie Transplantation und Transhumanismus zusammenhängen

Das Titelblatt der "L'Homme Nouveau"
In der aktuellen Ausgabe der "L'Homme Nouveau" schreibt Jean-Michel Beaussant über den Zusammenhang von Trannsplantation...

In L'Homme Nouveau präsentiert Jean-Michel Beaussant eine interessante Analogie. Der Ausdruck „Transplantation“, der 2005 vom künftigen Papst Benedikt XVI. in Bezug auf Europas Identitätskrise angewandt wurde, evozierte bereits den Migrationsprozess, wie Kardinal Sarah kommentiert. Die Formulierung lasse uns gleichfalls an den „Transhumanismus“ mit seinen programmierten Implantationen von Organen, Prothesen und Computern denken, um den Menschen zu „erweitern“ und damit umzuwandeln und die menschliche Natur angeblich zu ihrem Nutzen zu entfremden.

Bei der von der globalisierungsfreundlichen Ideologie gepriesenen Migrationstransplantation von allogenen Bevölkerungsgruppen geht es analog darum, die Menschheit durch eine Leugnung der naturgegebenen Realität von Nationen, Kulturen, Völkern und ihrer Traditionen umzuwandeln und zu entfremden. Das Wunschbild des Menschen als Maschine (homme-machine) wird mit dem polykulturellen, ja sogar transkulturellen, globalisierten Hirngespinst ohne jegliche Grenzen ergänzt. Kardinal Sarah sagte in einem Interview für ,Valeurs actuelles‘: „Es ist besser, den Menschen dabei zu helfen, sich in ihrem Land zu entfalten, als sie zu ermutigen, in ein Europa voller Dekadenz zu kommen. Es ist eine falsche Auslegung, wenn man Gottes Wort benutzt, um die Migration zu fördern. Gott hat diese Zerrissenheit niemals gewollt.“


 

Schädliche Strafe?

Der Präsident der Denkfabrik „Institut Sapiens“, Olivier Babeau, kommentiert in Valeurs Actuelles das Verbot erzieherischer Gewalt in Frankreich, das Anfang Juli Gesetz wurde. Nichts sei, so Babeau, empörender als Gewalt gegenüber Kindern. Natürlich müsse „gegenüber jedem Minderjährigen leibliche und emotionale Sicherheit gewahrt sein“. Darf man dennoch meinen, „dass das Gesetz über ,das Verbot der Tracht Prügel‘ unnötig und sogar gefährlich ist? Das Verbot der Prügelstrafe ist nur ein Schritt in einem grundsätzlicheren Kampf gegen jegliche Form der Autorität zugunsten der des Staates. Denn schon morgen kann alles als ,normale Erziehungsgewalt‘ bezeichnet werden“. Nach einem Artikel der Huffington Post gehöre für den Verfasser des Blogs „Enfances épanouies“ dazu, seine Kinder zum Anziehen zu zwingen, wenn es kalt sei, oder sie streng anzusehen.

Das aktuelle Titelblatt der "Valeurs Actuelles"
In der aktuellen Ausgabe der "Valeurs Actuelles" kommntiert Olivier Babeau das Verbot erzieherischer Gewalt in Frankreic...

Nach Ansicht von Babeau sei dies jedoch ein „scharfer Widerspruch“: „Man soll das Kind wie einen Erwachsenen en miniature behandeln, was es aber nicht ist. Erziehen bedeutet, zur Freiheit anzuregen, es bedeutet aber auch, für ein Wesen verantwortlich zu sein, das noch nicht fähig zur Freiheit ist. Die Vorstellung, Erziehung sei allein durch vernünftigen Dialog möglich, ist zwar von einer philosophischen Warte aus sehr verführerisch, doch für die Eltern stößt sie leider an ihre Grenzen, wenn die Laune eines Kindes es beispielsweise in Gefahr bringt. Welches Elternteil hat zum Wohl seines Nachwuchses noch nie auf emotionale Erpressung oder physischen Zwang zurückgegriffen? Demnächst werden sich alle Eltern strafbar machen. Das Gesetz geht von der irenischen Erziehungsvorstellung eines Rousseau aus, von dem man weiß, dass er seine Kinder selbst immer verlassen hat – was eine entsetzliche Form der Gewalt ist. Das Kind, so Rousseau, ist von Natur aus gut und soll nicht geführt werden. In ihrem Essay ,Die Krise in der Erziehung‘ betont Hannah Arendt, dass jede neue Generation mit einer Horde Barbaren verglichen werden kann, die unsere Zivilisation überrollt. Wie sollte man nicht beunruhigt sein über die Koinzidenz zunehmender Gewalt unter Jugendlichen, der wachsenden Not der Lehrer, die Ordnung in der Klasse aufrechtzuerhalten mit einer Pädagogik, die allein schon die Vorstellung von Disziplin für ein Verbrechen hält? Die Übereinstimmung zwischen dem Fortschrittswahn und der Abnahme der elementarsten Regeln in Bezug auf Respekt und Benehmen ist bestürzend. Von jungen Menschen nichts mehr einzufordern und ihnen nicht mehr zu ermöglichen, im vorgegebenen Rahmen aufzuwachsen – genau das ist die eigentliche Gewalt, die man heute den Kindern antut, wenn man sich weigert, sie zu zivilisieren.“

Im Figaro ist das neue Gesetz Gegenstand einer lebhaften Debatte. Nach Ansicht der Philosophin Anne-Sophie Chazaud „infantilisiere“ das Gesetz Eltern und Kinder, „während die Gesellschaft doch einer Wiederherstellung der Autorität bedarf“. Sie erinnert daran, dass Frankreich nun das 56. Land wird, das nach dem Vorbild Schwedens elterliche Gewalt verbietet. In dem Staat gebe es nur wenige Menschen, die das Schweigen brechen, „um die katastrophalen Auswirkungen dieses Systems anprangern, das die Eltern und die Erziehungsautorität sanktioniert“. So habe der schwedische Psychiater David Eberhard, „der mutige Autor von ,Kinder an der Macht – Die monströsen Auswüchse liberaler Erziehung‘“ betont: Je mehr Schwedens verwöhnte Kinder zu kleinen Königen werden, umso launischer und unfähiger werden sie, mit den Frustrationen des Erwachsenenalters umzugehen. Eine online-Umfrage des Figaro ergab übrigens eine Mehrheit von 85 Prozent der Leser, die das neue Gesetz ablehnen.


 

Verrückte Klimagegner?

Auch wenn die ökologische Krise eine Realität sei, rechtfertige sie keinen „malthusianischen Diskurs“. Das meint der Arzt Laurent Alexandre im Figaro. Alle „Anzeichen für einen grünen Totalitarismus“ entfalteten sich derzeit vor unseren Augen: „eine massive Propaganda und Manipulation der Jugend, Rückgang der Freiheiten, die Psychiatrisierung der Gegner und fortan die passive ökologische Euthanasie der Unnützen. Die Prediger der ökokatastrophischen Apokalyse instrumentalisieren Greta Thunberg, um den jungen Menschen eine gigantische Reduzierung ihrer Freiheiten aufzuzwingen, indem sie sie davon überzeugen, dass sie in der Hölle der Klimaerwärmung brennten, wenn sie nicht einer mittelalterlichen grünen Diktatur zustimmten.“

Um die Welt vor der Katastrophe zu retten, müsse man jene zum Schweigen bringen, die nicht an ein rasches Ende der Welt glaubten. So habe der Astrophysiker Barrau erklärt: „Kein normaler vernünftiger Mensch zweifelt an der Katastrophe.“ Doch Barrau sollte lieber vorsichtig mit seiner Wortwahl sein, denn dies waren auch die Worte, die die Administration Breschnew benutzte, um in der UdSSR die Opponenten des Systems „in der Psychiatrie zu internieren“. Schließlich seien die Gegner der Ökologen, so Alexandre, nicht unbedingt krank. „Muss ich mich umerziehen lassen“, fragt er, „weil ich überzeugt bin, dass die militante Fred Vargas unrecht hat, wenn sie jeglichem Realismus zum Trotz verkündet, dass bei 1,5 Grad mehr die Hälfte der Menschheit an der Klimaerwärmung sterben werde und sechs Milliarden Menschen bei mehr als zwei Grad?“

DT/KS