Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 17.Oktober

Radikalisierung im öffentlichen Dienst - Offene Grenzen und Sozialstaat - Meisterwerke in Gefahr - Teure Wind- und Sonnenenergie

Radikalisierung im öffentlichen Dienst

In den Beiträgen französischer Politikmagazine dominiert derzeit der Schock über das Attentat eines bei der Polizei als Verwaltungsbeamter angestellten Muslims, der im Pariser Polizeipräsidium vier Kollegen erstach. L'Express, Le Point und Valeurs actuelles widmen ihre Titelgeschichte dem Versagen des Staates angesichts des Vordringens islamistischer Attentäter bis in die sensibelsten Sicherheitsbereiche der Nation.

Valeurs actuelles beleuchtet unter der Überschrift „Der Islamismus – der tote Winkel der fünfjährigen Amtszeit“ Macrons, wie Fakten zum Vorschein gekommen seien, „die immer offener die Radikalisierung eines Teils der Muslime zeigen“. Dies seien Indikatoren, die Macron kaum berücksichtige. Ein weiterer Artikel befasst sich mit der „großen Verblendung“ und der anfänglichen „Leugnung“ eines islamistischen Motivs für die Bluttat in Paris sowie mit den „mangelhaften Diskussionsansätzen in Bezug auf die Einwanderung, die nicht nur die Kompetenz des Innenministers infrage stellen“.

Le Point erörtert die Brisanz radikalisierter Staatsbeamter und zitiert Wilfried Fonk, Nationalsekretär der Justiz-Gewerkschaft: So sei etwa „das Vorhandensein von Gefängnisaufsehern, die der Radikalisierung verdächtigt werden, kein Hirngespinst, sondern eine konkrete Realität. Zwischen 30 und 35 Fälle von Bediensteten wurden ausfindig gemacht, von denen man weiß, dass sie in strengen religiösen Bewegungen eine Entwicklung durchgemacht haben, doch die Verwaltung gibt sich schweigsam“. Die Radikalisierung eines Militärangehörigen sei „der Albtraum der Nachrichtendienste“, wie Guerric Poncet schreibt. So gebe der französische Verteidigungsminister zu, „dass die Verteidigung nicht frei ist von Personen, die den Weg des religiösen Extremismus gehen“.

L'Express warnt, dass kein Bereich des Öffentlichen Dienstes verschont bleibe. So seien von den etwa 80 000 Arbeitskräften, die Zutritt zum Sperrbereich des Pariser Flughafens Charles de Gaulle haben, zwar nur 80 Personen aufgrund einer möglichen Radikalisierung „Gegenstand einer regelmäßigen Überwachung“: Doch „dies sind immer noch zu viele Fälle. In strategischen Bereichen sollte es überhaupt keinen einzigen Fall geben. Selbst bei einer Handvoll an Fällen läuft es einem eiskalt den Rücken herunter“, wie der Abgeordnete der Republikaner, Eric Diard, anmerkt.

Offene Grenzen und Sozialstaat

Mit dem Zitat „Afrika ist ein Wartezimmer mit 1, 3 Milliarden Einwohnern vor den Toren Europas“ überschreibt der Figaro ein Interview mit dem Afrika-Spezialisten Stephen Smith, Autor von „Nach Europa! Das junge Afrika auf dem Weg zum alten Kontinent“. Smith analysiert in dem Gespräch die sozialen, politischen und kulturellen Aspekte dessen, was die größte europäische Herausforderung des 21. Jahrhunderts sein könnte. 40 Prozent der Afrikaner erklärten, auswandern zu wollen, ein Viertel davon nach Europa. Momentan hätten nur 150 Millionen von ihnen die finanziellen Mittel dazu. Doch „im Jahr 2050, wenn es in Afrika 2, 4 Milliarden Einwohner geben wird, werden es viermal so viele sein. Offensichtlich wird Europa nicht alle Bewerber aufnehmen können“.

Die Europäer sollten sich über den Zusammenhang bewusst werden, „der zwischen der Kontrolle ihrer Grenzen nach außen und dem Sozialstaat im Inneren“ bestünde. Es sei kein Zufall, „dass die USA, das Einwanderungsland par excellence, nur ein sehr niedriges Niveau an sozialem Schutz bieten. Das ist ihr Regulierungsinstrument, um die dynamischsten Menschen anzuziehen“. Europa hingegen, das nur sieben Prozent der Weltbevölkerung stelle, „wendet noch immer die Hälfte dessen auf, was auf globaler Ebene in Sozialleistungen investiert wird. Als Nachbar Afrikas, wo all das fehlt, was Europa bietet, kann der Kontinent nicht seine Grenzen öffnen und zugleich sein Niveau an sozialer Sicherheit aufrechterhalten. Die Vorstellung, dass das ,junge Afrika‘ kommen wird, um den alten Kontinent zu beleben, ist ein Irrtum. Die Wirtschaft der Zukunft wird keine Arbeitsplätze für die Mehrzahl der afrikanischen Immigranten schaffen, die indessen massive Unterstützung bei der Integration benötigen werden – die zweite Generation manchmal sogar noch mehr als die erste.“

Meisterwerke in Gefahr

Zahlreiche Kirchengebäude mit einzigartigen Kunstwerken sind Famille Chrétienne zufolge in großer Gefahr. Eine Studie des „Observatoire du patrimoine religieux“ zeige, dass ein Zehntel aller französischen Kirchen in einem „höchst bemitleidenswerten Zustand“ seien. 500 Kirchen davon seien bereits Ruinen. Seit dem Laizismus-Gesetz von 1905 gehörten etwa 50 000 Kirchen in Frankreich den Kommunen. Doch diese hätten kein Geld zum Unterhalt. Für Stéphane Bern, der von Macron mit dem Schutz des Patrimoniums beauftragt wurde, ist dies ein Grund, „die Touristen Eintritt in die Kathedralen bezahlen zu lassen – wie in einem Museum“.

Teure Wind- und Sonnenenergie

„Das Problem mit den ,erneuerbaren‘ Energien“ thematisiert der National Review. Dazu zählt Benjamin Zycher die weitaus geringere Stromausbeute durch Wind- und Sonnenkraftanlagen (nur etwa höchstens 30 bis 40 Prozent gegenüber 85 bis 90 Prozent für die aus Kohle, Gas und Kernkraft gewonnene Energie). Zudem schätze das „Institute for Energy Research“, dass „Windenergie etwa doppelt so teuer wie die konventionelle, aus Erdgas gewonnene Energie, und Solarenergie fast dreimal so teuer ist. Die allgegenwärtigen Behauptungen, dass Wind- und Sonnenenergie heute wettbewerbsfähig seien, ignorieren die enormen Kosten für die Back-up-Stromversorgung und die sehr viel längeren Stromleitungen sowie die Auswirkungen von massiven Subventionen und garantierten Marktanteilen“. Die zusätzlichen jährlichen Kosten würden in den USA dadurch um etwa 434 Milliarden Dollar steigen, das sind mehr als 3 400 Dollar jährlich pro Haushalt.

Auch die Umweltfolgen durch eine vermehrte Nutzung von Wind- und Sonnenenergie seien beträchtlich: „Der Produktionsprozess für Windturbinen benötigt – neben dem enormen Einsatz von Stahl, Beton sowie weiterer technischer Werkstoffe – beträchtliche Mengen von toxischen Schwermetallen wie Neodym und Dysprosium für die Magneten. Diese Metalle werden überwiegend in China abgebaut, wo Umweltkontrollen lasch gehandhabt werden, um es vorsichtig auszudrücken.“ Zudem müsse beim Betreiben von Windkraft- und Solaranlagen die Zerstörung der Tierwelt berücksichtigt werden, „da große Mengen an Vögeln durch Windturbinen und durch die in Solarparks herrschende sengende Hitze getötet werden“. KS