Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 14. November 2019

Spanische Regierung und Vatikan - „Mea Culpa“ eines Gender-Professors - Emotionserkennung in China? - Keine Kommunion für die Abtreibungsbefürworter

Internationale Zeitschriftenschau

Spanische Regierung und Vatikan

Die in Spanien regierenden Sozialisten haben versprochen, sich von vielen Vereinbarungen mit dem Vatikan loszusagen und die Finanzkontrollen der katholischen Kirche zu verschärfen, falls sie die am vergangenen Sonntag stattgefundenen Parlamentswahlen gewonnen haben sollten, wie The Tablet mitteilt.

„Mea Culpa“ eines Gender-Professors

Le Point veröffentlicht das Bekenntnis eines kanadischen Kulturhistorikers und Fachmanns für „Gender Studies“, der an einer öffentlichen Universität im kanadischen Ontario lehrt. Christopher Dummitt, Autor zahlreicher Forschungsarbeiten zum Thema „Gender“, bekennt darin, dass er „alles von A bis Z erfunden“ habe. Die Gender-Forschung sei in den neunziger Jahren an den nordamerikanischen Geschichtsfakultäten das „Nonplusultra“ gewesen, wobei die größte Personalausstattung – nach 2007 und 2015 durchgeführten Untersuchungen der Vereinigung amerikanischer Historiker – in der Frauen- und Gendergeschichte zu verzeichnen war. Fazit aller diesbezüglichen Forschung war: „Praktisch alle Identitäten sind nur eine soziale Konstruktion“.

Damals seien „viele Leute nicht meiner Meinung gewesen“, schreibt Dummitt: „Praktisch alle Menschen, die diesen universitären Theorien nicht ausgesetzt waren, konnten kaum glauben, dass das Geschlecht im Großen und Ganzen nur eine gesellschaftliche Konstruktion sei – so sehr widersprach das dem gesunden Menschenverstand.“ Doch heute habe sich sein „großer Einfall“ auf der ganzen Welt verbreitet: „In den Debatten über Transgenderrechte sowie in den Gesetzen, die jeden mit Sanktionen bedrohen, der zu verstehen gibt, dass das Geschlecht eine biologische Realität sein könnte. Für viele Aktivisten kommt eine solche Ansicht einer Hassrede gleich.“ Verteidige man heute die Position der meisten seiner damaligen Gegner, dass es „nur zwei Geschlechter gibt, wie es die Biologen seit Beginn ihrer Wissenschaft wissen, werden die Superprogressiven Sie bezichtigen, die Identität von Transpersonen zu leugnen und damit einem anderen Menschen einen ontologischen Schaden zufügen zu wollen“. Die „kulturelle Wende“ sei in dieser Hinsicht, „in Ausmaß und Geschwindigkeit atemberaubend“. Deshalb möchte er nun sein „Mea culpa“ aussprechen. Er sei nicht der einzige gewesen, der alles erfunden habe: „Das haben alle getan (und tun es noch immer): So läuft es im Bereich der Genderstudien.“

Emotionserkennung in China?

Ein Journalistenteam publizierte in The Financial Times einen beängstigenden Artikel mit der Überschrift: „Emotionserkennung ergänzt die Liste chinesischer Überwachungsinstrumente“. Darin heißt es: „Nach der Gesichtserkennung bereiten Sie sich auf eine Emotionserkennung vor. Das war das Schlagwort zur Verbrechensprävention, das in dieser Woche auf Chinas größter, in der südlichen Hightechmetropole Shenzhen veranstalteten, Überwachungs-Tech-Expo in aller Munde war. Die Technologie, so erfuhren wir, die auf Flughäfen und Bahnhöfen eingesetzt wird, um Tatverdächtige zu identifizieren, ist die neueste Entwicklung bei den Systemen zur Vorhersage von Verbrechen auf dem weltweit größten Überwachungsmarkt, der bereits auf Gesichts- und Gangerkennung, auf Eye-Tracking (Blickerfassung) und Analyse von Menschenmengen baut.“ Die Emotionserkennung könne laut einem Polizeiexperten in China „Tatverdächtige durch die Analyse ihres Seelenzustands rasch ausfindig machen“.

Keine Kommunion für die Abtreibungsbefürworter

„Die Wiederkehr der Kommunionkriege“ titelt Jordan Bloom im Catholic Herald. Im Vordergrund steht dabei die Verweigerung der Kommunion an den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden durch Pater Morey. Biden „befürwortet Abtreibungen, was ihn außerhalb der kirchlichen Lehre stellt“, wie Morey konstatiert. Biden ist der einzige Katholik, der sich bei den Demokraten um die Präsidentschaftswahl bewirbt. Doch er unterstütze auch die Finanzierung von Abtreibungen aus Bundesmitteln.

Außerdem enthalte seine Agenda „weitere beunruhigende Vorschläge“. So wolle er „die Bundesförderung für Planned Parenthood, den größten Anbieter der Nation für Abtreibungen, wiederherstellen und er verspricht, das Justizministerium auf Staaten anzusetzen, die Abtreibungen begrenzt haben. Zudem ist er ein Unterstützer von Homosexuellen- und Transgenderrechten und nahm 2016 eine gleichgeschlechtliche Trauung vor“. Die Grundlage für die Verweigerung der Kommunion an Politiker, die Abtreibung unterstützen, sei Kanon 915 des CIC, demzufolge zur Kommunion diejenigen nicht zugelassen werden dürfen, „die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren“.

Die Frage sei nun, so Bloom weiter, „ob die öffentliche Unterstützung von Abtreibungen schwer sündhaft ist und ob ein Politiker wie Biden hartnäckig bei seiner Unterstützung bleibt“. Mehrere prominente Katholiken hätten in den letzten Wochen dargelegt, dass dem so sei. Pater Thomas Petri, OP, akademischer Dekan der Päpstlichen Fakultät der Unbefleckten Empfängnis des Studienhauses der Dominikaner in Washington, schrieb: „Der Grund dafür, dass die Kirche diese Personen von der heiligen Kommunion ausschließen kann, liegt ja gerade darin, dass ihre Sünde nicht nur schwer, sondern auch öffentlich (das heißt ,manifest‘) ist, und dass sie hartnäckig daran festhalten. Eine solche Person lebt nicht mehr in Gemeinschaft mit der Kirche, so dass die Zulassung dieser Person zum Empfang der heiligen Kommunion ebenfalls eine Lüge wäre.“. Im Jahr 2004 hatte die Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten die Entscheidung über die Zulassung von abtreibungsbefürwortenden Politikern zur Kommunion zwar den einzelnen Bischöfen überlassen: „Dennoch sandte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger kurz vor dem Treffen einen Brief, in dem er mitteilte, dass die Kommunion verweigert werden sollte.“ Und obwohl „Biden insistierte, dass Papst Franziskus ihm die Kommunion gereicht habe, sollten wir daraus nicht schließen, dass der Papst anderer Meinung als Pater Morey sei.

Vor seiner Wahl zum Papst war Franziskus der Entwurfsverfasser des „Aparecida-Dokuments – ein Plan für die Neuevangelisierung in Lateinamerika. Im Text heißt es: „Wir müssen die ,eucharistische Kohärenz‘ aufrechterhalten, das heißt, uns darüber im Klaren sein, dass man nicht die Heilige Kommunion empfangen und zugleich in Worten und Werken gegen die Gebote handeln kann, insbesondere, wenn Abtreibung, Euthanasie und weitere schwere Verbrechen gegen das Leben und die Familie gefördert werden. Diese Verantwortung lastet besonders auf Gesetzgebern, Regierungschefs und medizinischen Fachkräften.“ KS

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