Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 12. September

Arabische Milliardäre in Granada - Bevölkerungsaustausch erwartet - Keine Gedenkmünze für Enid Blyton - Unwandelbare menschliche Natur - Frühere Klimaprophetien

Aus den Zeitschriften

Arabische Milliardäre in Granada

1792 fiel durch die christliche Reconquista mit der Provinz Granada die letzte arabische Bastion in Spanien. Heute zieht es Milliardäre vom arabisch-persischen Golf erneut dorthin, wie L'Express (No 3557, 09/2019) zu berichten weiß: „In Andalusien sind die Luxusvillen, die landwirtschaftlichen Flächen sowie die von Scheichen, religiösen Oberhäuptern oder Politikern zurückgekauften Paläste kaum noch zu zählen. So hat der Emir von Katar für 15,2 Millionen Euro die 6 000 m2 einer der berühmtesten herrschaftlichen Immobilien im ältesten Stadtviertel von Granada – in Albaicin – erworben. Der Zeitung El Pais zufolge nimmt die örtliche Bevölkerung dieses Verlangen nach Immobilien derzeit mit Wohlwollen auf.“ Und freue sich über die steigende Anzahl von Touristen.

Bevölkerungsaustausch erwartet

The Guardian berichtet über das Zusammentreffen mitteleuropäischer Regierungschefs auf dem Demographiegipfel Anfang September in Budapest. Bei der Konferenz „hielt Viktor Orbán es für vorstellbar, dass Ungarn mit einer Bevölkerung von etwas weniger als zehn Millionen, die infolge niedriger Geburtenraten und der Auswanderung von Ungarn in westlichere EU-Staaten schrumpft, einfach verschwinden könnte“. Er sagte, dass „andere europäische Politiker Immigration für die Lösung halten, doch er dies strikt ablehne“. So betonte er: „Wenn Europa in Zukunft nicht mehr von Europäern bevölkert wird, und davon gehen wir aus, dann sprechen wir von einem Bevölkerungsaustausch, bei dem die Bevölkerung der Europäer durch andere Bevölkerungen ausgetauscht wird.“ Es gebe, so der ungarische Staatschef weiter, „politische Kräfte in Europa, die einen Bevölkerungsaustausch aus ideologischen oder anderen Gründen wünschen“. Diese Äußerungen wurden von einem der Ehrengäste auf dem Gipfel unterstützt, vom ehemaligen australischen Premierminister Tony Abbott, der Orbáns „politischen Mut, sich der politischen Korrektheit zu widersetzen“ begrüßte. Der Guardian schreibt: „Abbott sagte, dass nicht der Klimawandel, sondern aussterbende Bevölkerungsgruppen die größte Bedrohung für die westliche Zivilisation seien, und er keilte gegen Prinz Harry und Meghan Markle wegen ihrer jüngsten Bemerkungen aus, dass sie aufgrund der Auswirkungen auf die Umwelt nicht mehr als zwei Kinder haben wollten.“ Ungarns Staatsministerin für Familie, Jugend und internationale Angelegenheiten Katalin Novák hob hervor: „Europa ist zum Kontinent des leeren Kinderbetts geworden, wohingegen man in Asien und Afrika mit entgegengesetzten demographischen Herausforderungen konfrontiert ist.“

Der zweitägige Gipfel wurde auch vom tschechischen Premierminister Andrej Babiš und vom serbischen Präsidenten Aleksandar Vuèic besucht, die beide die Erhöhung der Geburtenzahlen als Priorität für die langfristige Entwicklung ihrer Länder bezeichneten. „Das serbische Volk kennt eine Redewendung für negatives Bevölkerungswachstum: die weiße Flagge“, sagte Vuèic.

Keine Gedenkmünze für Enid Blyton

1968 verstarb die Schriftstellerin Enid Blyton, eine der erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen der Welt. Anlässlich ihres 50. Todestages wurde der Vorschlag, eine Gedenkmünze zu ihren Ehren prägen zu lassen, von der „Royal Mint“, der Münzprägeanstalt des Vereinigten Königreichs abgelehnt. Begründung: Blyton sei als „eine rassistische, sexistische, homophobe und nicht besonders angesehene Schriftstellerin bekannt“. Dies berichtet die Daily Mail (25/08/2019) unter Bezugnahme auf Dokumente, durch die der Beschluss eines Meetings des Beirats der „Royal Mint“ aus dem Jahr 2016 öffentlich wurde.

Unwandelbare menschliche Natur

Im Gespräch mit dem Figaro (06/09/2019) schlägt Jean-Michel Delacomptée, der über sein neuestes Werk „La Bruyere – Portrait de nous“ spricht, einen Bogen zwischen der Botschaft des Moralisten La Bruyere aus dem 17. Jahrhundert und der heutigen Zeit. Mit seinen Kurzessays („Die Charaktere“) beleuchtete La Bruyere die „Sitten seiner Zeit“ äußerst kritisch. „Für ihn ging es darum“, so Delacomptée, „seinen Zeitgenossen ihre Fehler und Laster offenzulegen, damit sie sie korrigieren“. Drei Jahrhunderte später, so stellt der Autor fest, habe sich der Mensch nicht verändert. Schon La Bruyere erkenne es „als Faktum, dass das Herz des Menschen sich niemals ändert und niemals ändern wird. Die menschliche Natur ist das, was sie ist – unwandelbar. Gott hat den Mann (und die Frau) mit seinen Mängeln und Tugenden erschaffen, ohne dass irgendeine Macht seine Natur ändern könnte. Was sich hingegen ändern kann, das sind die Verhaltensweisen.“ Woraus sich die „Aufgabe des Moralisten“ ergebe, den Menschen zu ihrer Umgestaltung „einen Spiegel vorzuhalten, der die raue Realität der Dinge widerspiegelt“.

Frühere Klimaprophetien

„Während wir in den 75 Jahren unseres Jahrhunderts unter den außergewöhnlichen Bedingungen für ein gemäßigtes Klima lebten, scheint Entscheidendes heute darauf hinzuweisen, dass wir einer flächendeckenden Abkühlung entgegengehen. Allerdings sind sich die Klimatologen hinsichtlich der Ursache und der Dauer dieses Trends zur Abkühlung nicht einig. Wenn sich das Klima ebenso dauerhaft verändert, wie es die pessimistischsten von ihnen vorhersagen, werden die Konsequenzen katastrophal.“ Dieses Zitat stammt aus einem Artikel von „Newsweek“ aus dem Jahr 1975. Erneut abgedruckt wurde es im französischen Geopolitik-Magazin Conflits (No 23, 9/2019) im Rahmen einer Reportage über 70er-Jahre-Prophezeiungen einer angeblich unmittelbar bevorstehenden Kältezeit. Den damaligen Ankündigungen zufolge sei die klimatische Abkühlung „vom Menschen verursacht und im Jahr 2 000 werde die Welt eine neue Eiszeit erleben. Es besteht dringender Handlungsbedarf, und diese schwere Aufgabe fällt den Politikern zu“.

Auch das so „seriöse Time Magazine hatte seine Leser über die kommende Abkühlung bereits gewarnt. Das war 1972. Erwähnt wurden Wissenschaftler, die eine Zunahme der Polkappen und eine Temperaturabnahme seit 1940 festgestellt hatten. Es gibt eine globale Abkühlung, betonte das Magazin, und wir stehen vor einer neuen Eiszeit. Der Beweis: Zwischen 1945 und 1970 sind die Temperaturen immer weiter gesunken.“ Jean-Baptiste Noé führt in „Conflits“ weiter aus: „Journalisten und Wissenschaftler arbeiteten eng zusammen, um vor dieser gigantischen Abkühlung zu warnen.“ Im Jahr 1978 prophezeite die „Los Angeles Times“ die globale Abkühlung innerhalb der folgenden 30 Jahre.

DT/KS