Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 1. August

Regelmäßig blickt die "Tagespost" in die internationale Presse und stellt ihren Lesern interessante Inhalte vor. In dieser Woche geht es unter anderem um Boris Johnson und indische Abtreibungspolitik.

Zeitschriftenregal
Regelmäßig blickt die "Tagespost" in die internationale Presse und stellt ihren Lesern interessante Inhalte vor. Foto: Lukas Schulze (dpa)

Bischof fordert zur traditionellen Zelebrationsrichtung auf

Titelblatt der aktuellen Ausgabe des Catholic Herald.
Titelblatt der aktuellen Ausgabe des Catholic Herald.

Im Catholic Herald berichtet Aaron Benavides über den von Bischof James S. Wall, dem seit 2009 der US-Diözese Gallup vorstehenden Oberhirten, soeben veröffentlichten Hirtenbrief, in dem er seine Priester ermutigt, die Heilige Messe ad orientem zu feiern. Außerdem verkündete er, dass sonntags fortan eine Messe in der Kathedrale in Zelebrationsrichtung Osten zelebriert werde.

In dem Brief schreibt der Bischof, er halte es für „pastoral, Messen sowohl ad orientem als auch versus populum anzubieten, damit wir mit den mannigfaltigen Schätzen der Kirche und ihrer andächtigen Geschichte gänzlich in Kontakt gebracht werden können“. Wall versuche damit, „die Schatzkammer des Patrimoniums der Kirche zu öffnen“, damit alle gemeinsam eine der ältesten Weisen erfahren könnten, in der die Kirche schon immer gebetet hat – „angefangen von Jesus“ bis hin in unsere Tage. Die Zelebrationsrichtung gen Osten, sei „eine der ältesten und stimmigsten Gebräuche im Leben der Kirche“. Der Gottesdienst versus populum sei hingegen „extrem neu im Leben der Kirche, und auch wenn er heute eine gültige Option ist, muss er jedoch noch immer als neuartig aufgefasst werden“, so Bischof Wall weiter.


Johnson und der Brexit

Ist Boris Johnson ein „Clown oder ein Staatsmann“, fragt Mathieu Bock-Côté im Figaro. Johnsons „die nach britischen Maßstäben regelrecht exzentrische Persönlichkeit“ des neuen Premierministers erleichtere den Medien deren Kritik an ihm. Man präsentiere ihn als einen „Tölpel“ und „traurigen Clown, der sich in die Politik verirrt hat.

Vor gerade erst einigen Wochen war die internationale Presse, wie man sich erinnert, von einem banalen Ehestreit zwischen Boris Johnson und seiner Lebensgefährtin fasziniert – ein Streit, wie er täglich millionenfach vorkommt.“ Sein Privatleben sei einer permanenten Überwachung ausgesetzt, als wenn ein Politiker, der die Dogmen des politisch Korrekten überschreitet, von Natur aus niederträchtig sei. Zum Referendum über den Brexit im Jahr 2016 schreibt Bock-Côté: „Seit drei Jahren möchte man uns einreden, dass die Briten ihre Entscheidung bedauerten, als ob diese nur das Ergebnis einer törichten Wahl ohne intellektuelles Fundament sein konnte. Anders ausgedrückt: Ein wirklich aufgeklärter und informierter Geist könnte gar nicht für die Wiederherstellung der nationalen Souveränität stimmen. Dennoch hat man bei den letzten Europawahlen festgestellt, dass sich die Briten massiv dafür eingesetzt haben, ihren Brexit zu retten, indem sie die Brexit-Partei von Nigel Farage an die Spitze wählten. Es ist jetzt an Boris Johnson, mit der Hinhaltetaktik von Theresa May zu brechen und einer der anspruchsvollsten politischen Entscheidungen unserer Zeit gerecht zu werden. Dann wird man sehen, ob er, der für einen Clown gehalten wurde, ein echter Staatsmann werden kann.“


Keine Mädchengeburten mehr

Laut Catholic Herald hat ein nördlicher indischer Bezirk eine Untersuchung in einer Region gestartet, in der die Geburtenrate weiblicher Säuglinge dramatisch gesunken ist. Offizielle Zahlen hätten ergeben, „dass von 216 Babys, die in den vergangenen drei Monaten in 132 Dörfern geboren wurden, kein einziges ein Mädchen war“. Für einige Experten in dem Gebiet sei der Grund dafür eindeutig: Dies könne nicht nur ein Zufall sein, es „weise deutlich darauf hin, dass hier gezielte Abtreibungen von Mädchen stattfinden“, sagte ein Sozialarbeiter. Ein Bezirksrichter stellte fest, dass man Gegenden ausgemacht habe, wo die Anzahl von Mädchengeburten bei Null oder im einstelligen Bereich liege.

Obwohl seit 1994 in Indien geschlechtsselektive Abtreibungen verboten sind, bestehe nach Aussagen einiger Experten diese Praxis weiterhin, weil Söhne nach Ansicht der Eltern finanziell mehr zum Familieneinkommen beitragen könnten als Töchter, und weil Hochzeitsbräuche fordern, dass die Eltern von Mädchen eine erhebliche Mitgift bezahlen müssen. 2015 gaben Regierungsvertreter an, dass „in Indien täglich nicht weniger als 2 000 Mädchen durch Abtreibung und Kindestötung umgebracht werden“.


Hohe Suizidrate unter Polizisten

Sorgen bereitet dem Figaro die hohe Anzahl an Suiziden unter Polizisten. Im Lauf einer einzigen Woche nahmen sich fünf französische Ordnungshüter das Leben. Seit Januar hat das Land damit 44 durch eigene Hand getötete Polizeibeamte zu beklagen. Da sich alle fünf Tage ein Polizist das Leben nimmt, erlebe die Polizei derzeit, „das finsterste Jahr ihrer Geschichte“, wie die Gewerkschaft Alliance Police National beunruhigt feststellt. Gewerkschaftsvertreter seien nun im Innenministerium empfangen worden, wo sie ein Weißbuch einreichten, in dem sie 50 Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zum konkreten Kampf gegen die hohe Suizidrate unter Polizisten vorlegen.


Konservatismus als Schönheitsmakel

Titelblatt der aktuellen Ausgabe der National Review.
Titelblatt der aktuellen Ausgabe der National Review.

Wegen ihrer konservativen Ansichten wurde einer Schönheitskönigin in den USA einen Tag nach ihrer Wahl zur „Miss Michigan“ der Titel aberkannt. Der National Review meldet, dass Kathy Zhu, die sogar Aussicht auf den nationalen Miss-Titel hatte, entthront wurde, nachdem Vertreter des Schönheitswettbewerbs in ihren Beiträgen für soziale Netzwerke sogenanntes „wrongthink“ (falsches Denken) entdeckt hatten und ihre Beiträge als „beleidigend, unsensibel und unangemessen“ werteten.

Zhu ist eine bekannte konservative Politik-Kommentatorin und Unterstützerin von Donald Trump. Ihrem Instagram- und Twitter Account folgen 80.000 Menschen. Zwei nunmehr gelöschte Tweets, die Zhu noch immer verteidigt, hätten eine Kontroverse ausgelöst. So hatte sie geschrieben, sie habe „abgelehnt, einen Hidschab anzuprobieren“. Hintergrund: 2018 ging die Studentin an der University of Michigan zu einem Informationsstand einer muslimischen Studentenvereinigung auf dem Campus, die gerade den Weltkopftuchtag feierte. Als sie aufgefordert wurde, einen Hidschab anzuprobieren, lehnte sie dies ab. Laut USA Today twitterte sie daraufhin: „Ihr wollt mir also erzählen, dass das nur ein modisches Accessoire und keine religiöse Angelegenheit sei? Oder versucht ihr nur, Frauen daran zu gewöhnen, unter dem Islam unterdrückt zu werden?“

In einem zweiten Tweet, der ihr – die in China geboren wurde und mit fünf Jahren in die USA auswanderte – als Rassismus ausgelegt wurde, schrieb sie nun: „Wusstet ihr, dass die Mehrheit der schwarzen Todesopfer durch andere Schwarze verursacht wird? Löst eure Probleme in eurer eigenen Community, bevor ihr andere beschuldigt“.

DT/KS