Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 08.01.2020

Prognosen für das nächste Jahrzehnt - Rückblick ins Jahr 2019 - Abtreibungsorganisation in Schulen - Eine gute Nachricht.

L´Homme Nouveau, Ausgabe Januar 2020
Die Geschichte entwickelt sich nicht unvermeidbar in eine Richtung: Im Homme Nouveau wird die Wahl von Boris Johnson zum Premierminister kommentiert. Foto: L'Homme Nouveau

Prognosen für das nächste Jahrzehnt

Im Catholic Herald macht sich Luke Coppen Gedanken, was Katholiken in den kommenden zehn Jahren zu erwarten hätten. Wenn sich der Trend fortsetze, werde die Kirche um etwa 15 Millionen jährlich weltweit wachsen und am Ende der Zwanzigerjahre die Gesamtzahl von etwa 1,4 Milliarden Katholiken erreicht haben. Das größte Wachstum werde dabei in Afrika und Lateinamerika zu verzeichnen sein, in Asien kämen jedes Jahr etwa zwei Millionen mehr Katholiken hinzu. Die Rangliste der zehn Länder mit den meisten Katholiken werde sich vermutlich verändern. Kongo werde in der Rangliste stark aufsteigen, während Italien, Frankreich und Spanien abrutschten. Gleichzeitig werde die antichristliche Verfolgung vermutlich weiter steigen, so Coppen. Nach Angaben von Open Doors werden jährlich etwa 4 000 Christen wegen ihres Glaubens ermordet, 2 600 werden ohne Verfahren inhaftiert und 1 200 Kirchengebäude attackiert. Von Ägypten bis Indonesien werden christliche Minderheiten weiterhin Verfolgung erleiden, außerdem sei zu erwarten, dass „die religiöse Freiheit in China und Indien weiter zurückgehen wird“. Coppen prognostiziert darüber hinaus, dass die außerordentliche Form des Ritus der katholischen Kirche sich weiter ausbreitet. So habe sich gezeigt, dass diese an Beliebtheit zugenommen habe, „insbesondere unter den Millennials, seitdem Benedikt XVI. sie 2007 mit dem Motu proprio „Summorum pontificum“ freigestellt hat. 2006 gab es in den Vereinigten Staaten 220 reguläre traditionelle lateinische Messen. Bis 2016 waren diese auf ungefähr 450 angewachsen. Mehrere religiöse Gemeinschaften, die die Alte Messe feiern, blühen offenbar auf.“

Rückblick ins Jahr 2019

Olivier Babeau zufolge habe 2019 die Polarisierung der Welt zugenommen. Im Figaro schildert er seine Beobachtungen. Vor allem die Demokratie sieht er von allen Seiten bedrängt. Es sei „ein Kennzeichen unserer Zeit, dass die Vergrößerungsgläser der sozialen Netzwerke die Fakten verzerren – kein einziges Thema kann ohne Leidenschaft behandelt werden, der Stellenwert der Wissenschaft verliert zunehmend an Bedeutung. Die Kluft zwischen den von den Medien transportierten Darstellungen und der Realität macht betroffen.“ Paradox sei zudem, dass „die Anweisung zum Umsturz aller Regeln, der im Mai 68 die Oberhand gewann, sich heute zunehmend in eine neue Form des Puritanismus verwandelt“. Statt Emanzipation gebe es nun „neue Verbote, Anathemata und Strafen, die nicht weniger scharf als die von damals sind. Die progressiven Scheiterhaufen stehen denen der bürgerlichen Gesellschaft in nichts nach. Man muss es immer wieder sagen, der progressive Katechismus funktioniert genau wie alle Formen des Fundamentalismus: die Überzeugung, der einzig wahre Glaube und die Endphase der Moralgeschichte zu sein, die absolute Intoleranz gegenüber jeglicher Infragestellung, die im Namen des Guten ausgeübte Gewalt und die Förderung eines binären und manichäischen Weltbildes.“

Als Ausweg daraus erinnert er an Oscar Wilde, der sagte: „Wenn die Leute mir zustimmen, habe ich stets das Gefühl, dass ich Unrecht habe“. Für den Essayisten Gilles-William Goldnadel sind für das Jahr 2019 zwei Ereignisse besonders bezeichnend: „Das Phänomen Greta Thunberg, das karikaturhaft die zunehmende Stärke des autoritären Klima-Linksextremismus charakterisiert, der sich mit einem, allen totalitären Ideologien eigenen, Jugendwahn kreuzt. Und der Imperialismus der Diktatur der iranischen Mullahs, der in Europa auf keinerlei kritische Haltung stößt.“

Abtreibungsorganisation in Schulen

Der National Catholic Register berichtet über ein neues Programm der Behörden von Los Angeles, in „Well-Being Centers“ an 50 weiterführenden Schulen Mitarbeiter von Planned Parenthood (PP) einzusetzen. Damit solle sichergestellt werden, dass die „gesamte Palette“ an „sexual services“ den Schülern streng vertraulich zur Verfügung stehe. Dem Familienplanungsprogramm „Title X“ zufolge können Schüler ab zwölf Jahren die Dienste von PP ohne Wissen ihrer Eltern in Anspruch nehmen: „Doch Planned Parenthood an öffentlichen Schulen einzuführen und den Schülern zu erlauben, den Unterricht zu verlassen, um diese Zentren aufzusuchen, ist ein weiterer gefährlicher Schritt, die Eltern aus dem Leben ihrer Kinder auszuschließen“, schreibt Mary Rose Short im Register. Sie zitiert Monica Leal Cline, Geschäftsführerin der Organisation „It Takes a Family“, die zuvor zehn Jahre lang als „sex educator“ für PP tätig war: „Zu den Dingen, die Planned Parenthood stets sagte, gehörte, dass Eltern für ihren Dienst ein Hindernis seien.“ Sie hätten erkannt, dass Eltern „naturgemäß ihre Kinder beschützen und sie von einer Umgebung fernhalten wollen, die sie gefährde“. So sei PP bewusst: „Wenn Eltern erfahren, dass ein Kind auf die Dienste von Planned Parenthood zurückgreift, werden sie es davon abhalten und es selbst unterrichten, was bedeutet, dass Planned Parenthood einen Kunden verliert. Daher will PP nicht, dass die Eltern mit einbezogen werden.“

In der von der Gesundheitsbehörde herausgegebenen Presseerklärung hob die Geschäftsführerin von Planned Parenthood Los Angeles die möglich werdende Geheimhaltung hervor, wenn Schüler in diese neuen Zentren an der Schule kommen könnten, „und niemandem erklären müssen, selbst nicht ihren Eltern, wohin sie gehen. Sie sagte, dass, wenn Schüler das Schulgelände verließen, bedeute dies, dass sie eine Zeit lang dem Unterricht fernblieben und anderen ihren Verbleib erklären müssten, was Hürden sind, die für Teens eine große Rolle spielen.“ Durch die „Well-Being Centers“ versuche PP „zum primären Vertrauten in Bezug auf Fragen der Sexualität zu werden“, stellt Astrid Bennett Gutierrez von der Pro-Life-Organisation VIDA fest: „Nur wenige Eltern kennen die Agenda von Planned Parenthood, ihre Kinder zu indoktrinieren, Abtreibung und Verhütung als etwas Gutes und Unvermeidbares anzunehmen. Eltern müssen an Planned Parenthood eine klare Botschaft senden, dass sie in ihren Schulen und Gemeinden nicht willkommen sind.“

Eine gute Nachricht

Philippe Maxence kommentiert im Homme Nouveau die Wahl von Boris Johnson zum Premierminister: „Die damit verbundene gute Nachricht liegt darin, dass der Sieg Johnsons beweist, dass sich die Geschichte nicht unvermeidbar in eine bestimmte Richtung entwickelt. Das Morgen wird nicht im Voraus diktiert. Es ist möglich, den Lauf der Dinge wieder in die Hand zu nehmen und ihnen eine andere Richtung zu geben. In einem Wort: die Dinge wiederaufzubauen.“

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