Würzburg

Gottesmutter Maria: Spirituelle Leuchtfeuer in der Corona-Krise

Wer die Heilige Schrift besonders in Bezug auf die Gottesmutter Maria rezipiert, erhält eine geistliche Vitaminbombe – besonders hilfreich in schwierigen Zeiten.

Muttergottes mit Jesuskind
Wie eine tragende Säule für die Kirche: Maria, hier dargestellt in der französischen Kathedrale Saint-Denis. Foto: Guillaume Poli (KNA)

Dass nicht nur im Neuen, sondern auch im Alten Testament von Maria die Rede sein könnte ist eine Sichtweise, die der historisch kritischen Exegese nicht standhält. Dennoch suchten und fanden Theologen, Ordenschristen und Laien in dessen Texten immer wieder Hinweise, die sie als Vorausdeutungen lasen und die ihr geistliches Leben zu nähren vermochten.

Starker Unterschied zum Ansatz heutiger Exegeten

Stefano Manelli hat in seiner biblischen Mariologie ein Kompendium all jener Schriftstellen erstellt, die im Laufe der Kirchengeschichte auf Maria bezogen worden sind. Mehr noch, er hat in akribischer Kleinarbeit all jene Deutungen zusammengetragen, die als spirituelle Leuchtfeuer im Laufe der Geschichte der Theologie die je dunklen Nächte des Glaubens erhellt haben.

In ihrer Mehrzahl sind dies Quellen, deren Ansatz im Umgang mit der Heiligen Schrift sich von dem heutiger Exegeten stark unterscheiden. Autor und Herausgeber sind sich bewusst, dass ein Buch wie dieses in der deutschen universitären Theologie kaum eine Chance hat, Teil des Curriculums zu werden. Dass sie die Edition einer deutschen Übersetzung der aktualisierten und erweiterten Fassung des italienischen, unterdessen auch ins Englische übersetzten Originals wagen scheint Teil einer Trendwende in der Theologie zu sein. Denn hier und da ist zu beobachten, dass die Einsicht Raum greift, dass eine rein intellektuelle, an historischen Begebenheiten, Textschichten und editorischen Detailfragen interessierte Exegese zu kurz greift. Denn sie beantwortet zwar eine Menge Sachfragen, lässt aber all jene leer zurück, die die Heilige Schrift auf der Suche nach Sinn zur Hand genommen haben. In seinem Geleitwort zur italienischen Ausgabe betont Paolo Pietragesa deshalb den Wert jener Form der Lektüre, die die Bibel auf der Suche nach geistlichen Zusammenhängen wie eine Landkarte für das innere Leben verwendet und so tiefere Bedeutungsebenen zu erschließen vermag.

Bibelstudiums in der Tradition der monastischen Theologie

Stefano Manellis Buch ist eine wegweisende Lektüre für all diejenigen, die sich diese Art des Bibelstudiums in der Tradition der monastischen Theologie zueigen machen möchten. Der Autor betont zu Recht den untrennbaren Zusammenhang von Heiliger Schrift, der Lehre der Kirche und der Feier der Liturgie. Er erläutert die marianischen Bilder und Symbole, die im Alten Testament zu finden sind wie etwa die Frau des Protoevangeliums im Lichte der Bulle „Ineffabile Deus“ oder die Verbindung zwischen der Allerseligsten Jungfrau Maria und der Weisheit.

Im zweiten Teil wechselt der Fokus von der Deutung jener Schriftstellen, in deren Tiefenstruktur sich Verbindungslinien zur neutestamentlichen Heilsgeschichte entdecken lassen hin zur Deutung konkreter Textstellen, in denen die Gottesmutter thematisiert wird. Entstanden ist ein inhaltlich dichter Band, den man immer wieder gerne zur Hand nimmt, um die eigene Relecture zu vertiefen und an die Spiritualitätsgeschichte rückzubinden.

Stefano Manelli: Biblische Mariologie. Mariologische Studien Band XXVII.
Pustet, Regensburg, 400 Seiten, ISBN 978-3-7917-3015-8, EUR 39,95

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