Würzburg

Globale Allianz

Post- und Transhumanisten geben dem Homo sapiens kaum noch eine Chance. Mit einer post-christlichen Ethik soll der neue Mensch geschaffen werden.

Artificial intelligence concept.
Wer im menschlichen Organismus nur Algorithmen sieht, überlässt den Menschen den großen Technologie-Konzernen wie Google. Damit verbunden ist auch eine Absage an die dem Menschen eigene Erkenntnisfähigkeit. Foto: Adobe Stock

Die Schöpfungsgeschichte der Genesis klärt darüber auf, dass und wie Gott vollkommen vernünftig handelt: „Gott sprach: Es werde Licht und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war.“ Allein durch Gottes Wort entsteht planvoll und Schritt für Schritt eine Welt, in der es naturgesetzmäßig zugeht.

Zum Selbstermächtigungswahn des Menschen gehört es, gottgleich werden zu wollen. Nachdem jeder Mensch durch den sündentilgenden Kreuzestod Jesu eine zweite Chance erhielt, durch die christliche Taufe und mithilfe der allein selig machenden katholischen Kirche ewiges himmlisches Leben erlangen zu können, lockt ihn Luzifer am Ausgang des Mittelalters mit der diabolischen Lüge „Enlightenment“, zu deutsch „Aufklärung“, erneut auf die falsche Bahn. Um ans Ziel zu gelangen, muss die katholische Kirche zerstört werden.

Aktuelle Angriffe von Neurowissenschaftlern

Welche geistigen Mittel dafür eingesetzt werden, beschreibt Norbert Clasen hellsichtig in seinem Buch „Im Garten des Unmenschlichen. Die Abkehr von der Vernunft im säkularen Europa und ihre Folgen“. Aus guten Gründen widmet sich Clasen dort ausführlich den aktuellen Angriffen von Neurowissenschaftlern, die den freien Willen des Menschen leugnen, in ihm bloß das Wirtstier für ein „egoistisches Gen“ sehen, und Erkenntnisse aus Physiologie, Psychologie, Medizin, Biologie, Informatik und Mathematik nutzen, um mit dem zielgerichteten Einsatz von Algorithmen den Menschen durch scheinbar allwissende Maschinen zu ersetzen.

Clasen schreibt dazu: „Es ist eine gewaltige Allianz, welche die Kultur des 21. Jahrhunderts auf ganz andere Grundlagen stellen will als auf die des christlichen Menschenbildes. Es ist die globale Ethik des post-christlichen Zeitalters, die die Rechte des Menschen nicht mehr aus einer von Gott geschaffenen Natur ableitet, sondern autonom setzt, und das Ziel einer positivistischen Wissenschaft, die endlich den Menschen zum Schöpfer machen will, dass er schließlich sogar einen neuen Übermenschen schaffen könnte, der den alten homo sapiens in der Stufenleiter der Evolution ablöst.“

Um zu begründen, warum dieser Weg – wie schon der uralte Biss in die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis – in die Irre führt, argumentiert Clasen in seinen ersten Kapiteln mit Thomas von Aquin, der erkannt hat, dass „die erste Funktion der Vernunft im Dienst des Glaubens dessen rationale Fundierung und der Erweis der ,praeambula fidei‘“ sei. Worunter jene „philosophischen Wahrheiten verstanden werden, die (nach Joseph Schumacher) so etwas wie die eine Vorhalle des Glaubens darstellen – „wie etwa das Dasein Gottes, die Unsterblichkeit der Geistseele oder die sittliche Verantwortung des Menschen“. Um danach in einem zweiten Abschnitt die „existenziellen Herausforderungen“ zu analysieren, die heute durch das dem Christentum entgegengesetzte Gottes- und Menschenbild des Islam entstanden sind.

Clasens letzter Abschnitt befasst sich „mit den seit Nietzsches Prognose des ,wissenschaftlichen Experiments Mensch‘ immer mehr aufkommenden geradezu apokalyptischen trans- und posthumanistischen Leitbildern, Utopien, Visionen, wie sie vor allem unter den wissenschaftlichen Eliten der westlichen Welt grassierend anzutreffen sind“.

Pseudowissenschaftlicher Irrsinn

Einer ihrer Wortführer ist der israelische Historiker Yuval Noah Harari. Dessen 2017 publiziertes Buch „Homo Deus. Eine Geschichte vom morgen“ propagiert zwar zunächst lediglich die altbekannte These, dass Wissenschaftler nach dem Öffnen der „Blackbox des Sapiens“ dort „weder eine Seele noch einen freien Willen, noch ein ,Ich‘, sondern nur Gene, Hormone und Nervenzellen (fanden), die den gleichen physikalischen und chemischen Gesetzen gehorchen wie der Rest der Wirklichkeit“.

Doch dieser offenkundige, allen wahrhaft vernünftigen Menschheitserfahrungen widersprechende pseudowissenschaftliche Irrsinn ist Handlungsgrundlage für Leute wie Raymond Kurzweil, der bei Google als „Director of Engineering“ eine Schlüsselposition besitzt. Für Kurzweil sind sogar menschliche Organismen nichts anderes als die Algorithmen und gleichen mithin jenen Algorithmen, mit denen Googles Computer die technische Welt und das Bewusstsein ihrer Nutzer verändert haben.

Aus der Perspektive der Trans- und Posthumanisten ist der Mensch lediglich eine Biomasse wie jedes andere nichtmenschliche Leben auch. Der Unterschied zwischen den beiden „Denkschulen“ besteht lediglich darin, dass die Transhumanisten dem Homo Sapiens noch eine letzte Zukunftschance einräumen, während die Posthumanisten davon überzeugt sind, dass der Mensch an sich schon in absehbarer Zeit durch superintelligente Maschinen ersetzt werden wird. Die dann, nach der vollständigen Übernahme der Erde, den blauen Planeten verlassen werden, um mit ihren „Bewusstseinsströmen“ gottgleich das Universum zu erobern.

Bonhoeffer zum Abschluss

Norbert Clasen schließt sein verdienstvolles Buch mit einem langen Zitat aus Dietrich Bonhoeffers „Ethik“. Dort heißt es: „Die Französische Revolution hat die neue geistige Einheit geschaffen. Sie besteht in der Befreiung des Menschen als ratio, als Masse, als Volk. Es zeigt sich – und es wird darin ein Grundgesetz der Geschichte deutlich – dass das Verlangen nach absoluter Freiheit des Menschen in die tiefste Knechtschaft führt. Der Herr der Maschine wird ihr Sklave, die Maschine wird der Feind des Menschen. Das Geschöpf wendet sich gegen seinen Schöpfer – seltsame Wiederholung des Sündenfalls! ... Die neue Einheit ist die abendländische Gottlosigkeit. Sie ist selbst Religion, und zwar aus Feindschaft gegen Gott. Mit dem Verlust seiner durch die Gestalt Jesu Christ geschaffenen Einheit steht das Abendland vor dem Nichts ... Es ist das Nichts als Gott.“

Christen wissen, wie sehr Luzifer den Menschen hasst. Die Abschaffung des Menschen durch den Menschen selbst zu befördern, dürfte darum wohl auch als das Schlusskapitel im satanischen Plan „Enlightenment“ gedacht sein.

Norbert Clasen: „Im Garten des Unmenschlichen. Die Abkehr von der Vernunft im säkularen Europa und ihre Folgen.“ Patrimonium-Verlag, Aachen 2018, 254 Seiten, EUR 14,80