Passau

Mit Kunst Coronaopfern helfen

Eine Aktion von Künstlerseelsorger Monsignore Bernhard Kirchgessner unterstützt Familien in Italien.

"Kunst hilft"
Der deutsche Maler Sebastian Gessenharter hat seinen "Saulus" für die Kunst-Aktion gespendet. Foto: Aktion „Kunst hilft“

Wie alle Krisen zeigt auch die Corona-Pandemie an den Rändern die größte Wirkung. Und das heißt: In vielen bringt sie das Beste hervor. Ein strahlkräftiges Beispiel dafür ist die Aktion „Kunst hilft – campagnia un aiuto dall'arte“ des Passauer Künstlerseelsorgers Monsignore Bernhard Kirchgessner. Als Ende Februar die ersten Veranstaltungen abgesagt werden mussten, darunter auch die Kreuzwegausstellung des aus Fara d'Adda stammenden Fotographen Gioacomo Nuzzo, war Kirchgessner klar, dass man den Schwestern und Brüdern in Italien helfen müsse. Denn sie waren ja nicht nur besonders stark von der Pandemie betroffen, sie hatten schon zuvor unter der Flüchtlingskrise gelitten, der Italien als Außengrenzenland der EU mehr als andere Staaten ausgesetzt war, ohne die erhoffte Unterstützung der Gemeinschaft zu erhalten.

Der italienischen Kunstszene eng verbunden

Die Kontakte Kirchgessners nach Italien haben eine lange Tradition. Seit 1993 kommt der Passauer Priester nach Bergamo und Brescia. Die gastfreundlichen Lombarden sind ihm in all den Jahren sehr ans Herz gewachsen und er hat viele Kontakte mit Künstlern geknüpft. Besonders einer hat es ihm angetan: Giacomo Manzu, der aus Bergamo stammende Bildhauer, der die „porta della morte“ an St. Peter in Rom in Bronze gegossen hat und von dem auch die Porta dell'Amore am Salzburger Dom stammt. Kirchgessner besuchte die inzwischen verstorbene Witwe des Künstlers in Ardea bei Rom und lernte weitere Werke Manzus kennen, die in ihm den Wunsch weckten, seine wunderbare Kunst möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

Die erste Gelegenheit dazu ergab sich, als Bischof Wilhelm Schraml Kirchgessner 2002 zum ersten Künstlerseelsorger des Bistums Passau ernannte. Im von Alois Brunner geleiteten „Museum am Dom“, wurde im Jahr 2004 die Manzu-Kollektion der Galleria d'arte moderna e contemporanea der Accademia Carrara aus Bergamo einem breiten und hochinteressierten Publikum präsentiert. 2018 konnte er neuerlich Werke einer Privatsammlung des großen Bergamaskers in Passau zeigen. Dank der Dolmetscherin Giulia Forcella ergaben sich Kontakte zur lombardischem Künstlerszene, die in der Folge zu zahlreichen Ausstellungen, wie beispielsweise zum Projekt „Das Antlitz Christi in der zeitgenössischen Kunst“ im Jahr 2008 führte und Werke aus der „collezione Paolo VI“ aus Brescia mit denen zeitgenössischer Künstler konfrontierte.

Dass in all den Jahren des Kontaktes zur italienischen Kunstszene nicht nur fachliche, sondern auch menschliche Verbindungen entstanden waren, zeigte sich nun in der Krise. Kirchgessner war klar, dass er seine Freunde auf jeden Fall unterstützen wollte. Zunächst bildete er eine deutsche und italienische Whatsapp-Gruppe, in der er täglich einen geistlichen Impuls mit einem Kunstwerk postete. Und auch auf Facebook ist Kirchgessner aktiv, um den Menschen in Italien durch künstlerische und spirituelle Impulse zu helfen. Denn dort postet er an den Sonn- und Feiertagen auch die Predigt in deutscher und italienischer Sprache.

Kunstwerke spenden, um mit dem Erlös Familien zu helfen

Neben der geistig/geistlichen Unterstützung wollte Kirchgessner aber auch materielle Hilfe leisten. Nachdem nahezu täglich neue Schreckensnachrichten von den Freunden aus Bergamo kamen, beschloss er an einem Sonntagabend im März, an dem allein dort 300 Menschen an Corona starben, die Hilfsaktion „Aktion Kunst hilft – campagnia un aiuto dall'arte“ zu starten. Er bat befreundete Künstler, ihm Kunstwerke zur Verfügung zu stellen, deren Verkaufserlös durch die Corona-Pandemie besonders betroffenen Familien helfen soll. Damit das Geld auch wirklich da ankommt, wo Hilfe am meisten nottut, nahm Kirchgessner mit dem Bischof von Bergamo, Monsignore Beschi, Kontakt auf. Und auch der Bergamasker Oberhirte Francesco Beschi und der Passauer Bischof Stefan Oster gaben dem Hilfsprojekt ihren Segen. Das Projekt wird sowohl von deutschen als auch von italienischen Kunstschaffenden unterstützt.

Die ersten Künstler, die seiner Bitte folgten, waren fünf Lombarden: Giuliano Gaigher aus Treviglio, Armando Fettolini aus Vigano, Giacomo Nuzzo aus Fara d'Adda, Luciano Pea und Nicola Zaccaria aus Brescia und der Trentiner Bruno Lucchi aus Levico terme. In Deutschland brachte das Engagement von Hubert Huber den Durchbruch. Der Vorsitzende des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern startete einen Aufruf an die Verbandsmitglieder und das Ergebnis war überwältigend: 45 Künstler spendeten Werke verschiedenster Art. Von der Skulptur bis zur Malerei ist ein breites Spektrum zeitgenössischer Kunst dabei. Dazu kam ein Privatsammler, der sich von 40 Kunstwerken trennt. Die Homepage des Bistums Passau, www.bistum-passau.de machte die Aktion bekannt und auch die lokale Presse engagierte sich für die gute Sache.

12 000 Euro in fünf Wochen

Inzwischen konnten bereits 26 Werke veräußert werden, unter anderem Kunstwerke von Giacomo Manzu, Michel Ciry, Stararchitekt Norman Foster und anderen. Auch Spender beteiligten sich an der Aktion, sodass innerhalb von fünf Wochen 12 000 Euro zusammenkamen. Am Pfingstdienstag konnte Monsignore Kirchgessner 10 000 Euro an die Caritas Bergamo überweisen, wofür sich Don Nozzo im Namen des Bischofs herzlich bedankte. Um in Sachen Coronahilfe transparent vorzugehen, hat die Diözese Bergamo klare Richtlinien mit genauer Vergabepraxis speziell für jene Familien erstellt, die von der Krise besonders schwer getroffen wurden und denen so gemäß dem Motto „Die Diözese Papst Benedikt XVI. hilft der Diözese Papst Johannes XXIII.“ unter die Arme gegriffen werden kann.

Die Aktion soll nun unter dem Motto „Die Diözese Papst Benedikt XVI. hilft der Diözese Papst Paul VI.“ fortgesetzt werden. Der Erlös aus den Verkäufen im Juni geht an die Caritas der Nachbardiözese Brescia, die wie Bergamo im norditalienischen Pandemiezentrum liegt. Die aktuellen Angebote sind jeweils auf der Bistumshomepage einsehbar. Kunst ist existenziell, weil sie in kristallisierter Form zum Ausdruck bringt, was die Menschen einer Epoche oder einer bestimmten Zeitspanne in der Geschichte bewegt. Sie ist immer auch Teil eines Beziehungsgeschehens, das über das konkrete Werk hinausweisend Menschen miteinander verbindet. In der Aktion „Kunst hilft“ kommt dies in beispielhafter Weise zum Ausdruck. Denn sie unterstützt Menschen in Not ebenso wie die Künstler selbst, die sich auf die Zeit freuen, in der ihre Werke wieder öffentlich präsentiert werden können.

Auch im Bistum Passau sind die aufgeschobenen Ausstellungspläne nicht aufgehoben. Im kommenden Jahr wird die wegen der Pandemie verschobene Kreuzwegausstellung von Giacomo Nuzzo „La Santa Crus“ in Passau nachgeholt und Bruno Lucchi wird im Exerzitien- und Bildungshaus Spectrum Kirche auf Mariahilf, das Monsignore Bernhard Kirchgessner seit 2002 leitet, die Ausstellung zu den Weihnachtsevangelien gestalten.

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