Berlin

Dramatiker Rolf Hochhuth verstorben

Ohne den Welterfolg seines Theaterstücks über Papst Pius XII. hätte wohl nie jemand von ihm Kenntnis genommen. Nun ist der Dramatiker Rolf Hochhuth im Alter von 89 Jahren verstorben.

Dramatiker Rolf Hochhuth gestorben
Der Dramatiker Rolf Hochhuth 2017 bei einer Sitzung des Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses zu den Kudammbühnen teil. Hochhuth starb am am Mittwoch im Alter von 89 Jahren in Berlin. Foto: Britta Pedersen (ZB)

Rolf Hochhuth war ein „One trick pony“. So nennt man im Tingeltangel jene Artisten, die zwar bloß eine einzige echte Zugnummer beherrschen, doch damit ihr Publikum über einen sehr langen Zeitraum in den Bann zu schlagen verstehen. Hochhuths Nummer war die Attitüde des unbestechlichen Aufklärers, die zelebrierte er bis zuletzt. Sein „Trick“ war „Der Stellvertreter“, ein in der Papierform unlesbares Theaterstück, das, vom kommunistischen Regisseur Erwin Piscator straff aufs Wesentliche zusammengekürzt und von ihm selbst im Februar 1963 in West-Berlin inszeniert, in kürzester Zeit die Bühnen der Welt erobert hat. Hochhuth selbst nannte es „ein christliches Trauerspiel“. Das Stück ist rund um den Globus zum Kassenschlager geworden. 

Er meinte, Pius XII. habe es vorgezogen, zu schweigen

Doch warum war „Der Stellvertreter“ ein Welterfolg? Nun, Hochhuth meinte herausgefunden zu haben, dass Papst Pius XII. den Holocaust hätte verhindern können. Ein großes, ein donnerndes, ein spektakuläres Wort von diesem Papst gesprochen, hatte den Völkermord an den europäischen Juden gestoppt. Doch dieser Papst habe es vorgezogen, das entscheidende Wort nicht zu sprechen. Pius XII. habe es vorgezogen zu schweigen.

So jedenfalls lautet die Fama über diesen Theatercoup. Ohne den niemand auch nur je von Rolf Hochhuth groß Kenntnis genommen hätte. Zwar hat der Mann noch eine ganze Reihe anderer ebenso halbseidene dokumentarisch Stücke verfasst. Doch ohne den Welterfolg seines Erstlings hätte kein Hahn danach gekräht. Zur historischen Wahrheit gehört: Hochhuth wollte antikatholische Propaganda betreiben. Darum hat er nur die Quellen verwendet hat, die zu seiner Schweigethesen passen.

Hochhuth wollte antikatholische Propaganda betreiben

Pius XII. war bis zu seinem Tode 1958 außerordentlich beliebt, auch in Israel. Das hat sich nach dem „Stellvertreter“ grundlegend geändert. Nach dem „Stellvertreter“ konnte endlich all jene ihr Mütchen kühlen, die westlich und östlich des Eisernen Vorhangs schon immer mit dem Vatikan abrechnen wollten. Hilfreich war dabei leider auch, dass viele innerhalb der nachkonziliaren Kirche wenig Interesse daran hatten, die positive Erinnerung an Pius XII. wachzuhalten. Galt der Pacelli-Papst doch im Denken, Handeln und Habitus als ein Mann von gestern. Rolf Hochhuth ist am 13. Mai im Alter von 89 Jahren gestorben.

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