Rom

Das Grabmal des Augustus wird Museum

Die Metamorphosen eines der größten Gräber der Antike: Das Mausoleum des Kaisers Augustus in Rom wird zum Museum umgebaut. Die Originalteile aus der Antike sind so besser zu sichern.

Baustelle Mausoleum
Noch ist hier eine Baustelle, bis März soll das Grabmal des Augustus in Rom zum Museum umgestaltet sein. Die Autorin ist überzeugt, dass das Ensemble so besser erhalten werden kann, als wenn nur die Ruine ungenutzt stehen bliebe. Foto: Wolf

Metamorphosen haben die alten Monumente und Gebäude der Antike viele erfahren und je radikaler dieser Verwandlungsprozess erfolgte, umso besser wurde das jeweilige Gebäude paradoxerweise oft erhalten, als gälte hier die Regel: je mehr ich mich verwandeln kann, umso größer ist meine Überlebenschance. Das hat zum Beispiel bei dem Kolosseum nicht funktionieren können, Versuche, es in eine Wollfabrik oder ähnliches zu recyceln, waren aufgrund des gigantischen Ausmaßes dieser Steinmasse zum Scheitern verurteilt.

Bei dem glorreichsten Monument der römischen Antike wurde diese Überlebens-Strategie allerdings kurz und gut angewandt: Das Pantheon wurde tout court von einem Tempel, wobei die genaue Funktion dieses magischen Anziehungspunktes der römischen Urbanistik bis heute nicht ganz geklärt zu sein scheint, schon 609 nach Christus zu der Kirche Santa Maria ad Martyres und in jüngerer Zeit auch zu einem Mausoleum.

Eine Abfolge unterschiedlicher Nutzung

Eine entgegengesetzte Gratwanderung machte das Mausoleum des Augustus, was sich langsam, ähnlich wie sein ,jüngerer Bruder‘, das Mausoleum Hadrians, weiter verwandelte. Diese spannende Geschichte hat einen Vorboten, der als Modell für das Mausoleum des Augustus gedient haben könnte; es ist eines der Embleme der Mutter aller Straßen, der Via Appia Antica und steht heute noch stolz und wachsam am Straßenrand: das Mausoleum der Cecilia Metella, das dem Mausoleum des Augustus circa 40 Jahre vorausgeht und eine ähnliche Struktur in kleineren Dimensionen aufweist. Später wurde es tatsächlich zu dem Wachtturm des Castrum Caetani, der befestigten Zoll-Enklave aus dem Mittelalter, die der Adelsfamilie der Caetani als Einnahmequelle durch auferlegte Wegegelder diente; auch eine Überlebensstrategie.

Das Mausoleum des Augustus ist mit seinem stolzen Gesamtdurchmesser von fast 90 Metern das größte aller Grabmäler der Antike und seine ursprüngliche Höhe wird heute auf mindestens 45 Meter geschätzt, von der ungefähr ein Drittel weiterhin sichtbar ist. Diese dominante Struktur, eine Art Meilenstein der römischen Geschichte und in unmittelbarer Nähe des Tibers, sollte die Solidität des neuen Kaiserreiches schon ankündigen.

Dieses Kaiserreich wurde in der Tat unmittelbar nach der Schlacht von Actium mit Oktavians Sieg über Marcus Antonius und Kleopatra definitiv möglich. Im Jahre 28 vor Christus, nur drei Jahre später, begann man mit dem Bau des Familiengrabes, auf Wunsch des späteren und ersten römischen Kaisers.

Auf Bronzetafeln waren die Taten des Kaisers zu lesen

Das Mausoleum ist wie einer etruskischer Tumulus vorstellbar, dessen Kammern allerdings nicht aus gewachsenem Stein herausgeschlagen sind. Von außen, so beschreibt es der Historiker und Geograph Strabon, war es ein gewaltiger Zylinder, über dem sich ein mit immergrünen Bäumen bepflanzter, kegelförmiger Erdhügel erhob, dessen Spitze eine goldbronzene Statue von Augustus bildete. Im Inneren war es einer Bienenwabe ähnlich, mit einer zentralen Grab-Cella für die Urnen. Rechts und links neben dem Haupteingang des Grabmals waren an Pfeilern die Bronzetafeln angebracht, mit den Res Gestae Divi Augusti, das heißt den Taten des vergöttlichten Augustus; es ist ein in der ersten Person geschriebener Rechenschaftsbericht des ersten römischen Kaisers, in dem er von seinem Leben, seinen Verdiensten und seinen Ehrungen erzählt.

Die originalen Bronzetafeln sind schon lange verloren gegangen. Augustus aber hatte Kopien dieses Propaganda-Dokumentes in die verschiedenen Provinzen entsandt, unter anderem nach Ankara, wo eine dieser Kopien wiederentdeckt wurde und heute die Grundlage des Textes darstellt, der an der seitlichen Mauer des Museums der Ara Pacis entlangläuft. Neben diesen beschrifteten Pfeilern standen am Eingang auch zwei Obelisken, von denen einer, viel später, auf den Platz hinter der Apsis der Basilika von Santa Maria Maggiore wanderte, während der zweite auf dem Quirinalsplatz zu finden ist, eingearbeitet in den Brunnen der Dioskuren.

Im modernen Rom auf den Spuren der Geschichte

Johann Wolfgang von Goethe redete so passend in seiner „Italienischen Reise“ von „dem sauren und traurigen Geschäft, das alte Rom aus dem neuen herauszuklauben ...“, was hier in Rom wirklich auf Schritt und Tritt passieren kann. Er fährt allerdings fort: „... aber man muss es denn doch tun und zuletzt eine unschätzbare Befriedigung hoffen“.

Als Augustus im Jahre 14 nach Christus, am 19. August in Nola, nicht weit von Neapel, in der damaligem Campania Felix starb, bewegte sich der Trauerzug bei Nacht über die Via Appia Antica gen Rom, um den Verwesungsprozess seines Leichnams zu verlangsamen, denn in Rom wurden es im Sommer schon immer bis zu fünfundvierzig Grad im Schatten.

Vielfältige Verwendung des Gemäuers

Augustus wurde nicht als erster des julisch-claudischen Hauses hier beigesetzt, und damit verbunden wird auch das Unglück in Erinnerung gerufen, das Kaiser Augustus hinsichtlich seiner Nachfolge widerfuhr: Sein Neffe und Schwiegersohn Marcellus, der Mann seiner Tochter Julia, starb schon 23 vor Christus. Er wurde hier als erster beigesetzt, ihm folgten Caius und Lucius, die beiden Söhne Agrippas, der zweite Schwiegersohn des Kaisers. Über ein Jahrhundert diente das Mausoleum als Grabstätte der Mitglieder der Kaiserfamilie und viele Angehörige der julisch-claudischen Dynastie sind heute klar oberhalb der schon erwähnten Res Gesta-Inschrift an der Außenseite des Museums der Ara Pacis auf einem Relief des Friedensaltars durch die Glasscheibe zu erkennen.

Das Mausoleum verwandelte sich im dreizehnten Jahrhundert zunächst in eine Festung der Adelsfamilie Colonna und sah im Jahre 1354 die makabre Hinrichtung von Cola di Rienzo durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Langsam degradierte das Grabmal in den folgenden Jahrhunderten zu einem künstlichen Steinbruch, das heißt, viel von dem Marmor wurde zu Kalk gebrannt und andere Bruchteile wurden anderswo eingebaut und wiederverwendet, bis die Adelsfamilie Soderini die Struktur im sechzehnten Jahrhundert als Garten in ihren nördlich angrenzenden Palast mit einbezog.

 

Es wurde noch abenteuerlicher, als das, was noch von dem Mausoleum übrig war, in den Besitz des portugiesischen Marquis Benedetto Correa de Sylva überging. Damals wurde aus dem verlassenen Garten ein Amphitheater, in dem ab 1780 Turniere, Feuerwerke und Jagdszenen mit Stieren und Büffeln inszeniert wurden. Eine spätere Überdachung erlaubte der Comune di Roma, 1907 das antike Mausoleum in einen Konzertsaal, das Auditorium Augusteum, zu verwandeln. Auf diese internationale Orchesterbühne traten über 28 Jahre 170 Dirigenten aus der ganzen Welt. Am 13. Mai 1936 endete diese musikalische Phase allerdings abrupt.

Wenn man auf dem Piazza Augusto Imperatore steht, wird man schnell der faschistischen Atmosphäre gewahr, deutlich durch Häuserfassaden zu erkennen, die an zwei Seiten auf dem Platz um das Mausoleum emporragen. Mussolini wollte in seiner Wahnvorstellung an das alte Kaiserreich anknüpfen und es durch einige urbanistische Eingriffe zelebrieren. Die „Freilegung“ des Augustus-Mausoleums ging einher mit der gewagten Bergung von Fragmenten des augusteischen Friedensaltars, der Ara Pacis.

Das faschistische Regime unter Mussolini beschloss, im Rahmen einer großen, von den eigenen imperialen Ansprüchen propagandistisch geprägten Ausstellung zum 2 000-jährigen Geburtstag des Kaisers Augustus (1937) den Altar erneut zu errichten. Was das Mausoleum des Augustus anbelangt, waren am 4. November 1934 folgende Worte Mussolinis in dem Sonntagsbeiblatt des „Corriere della Sera“ veröffentlich worden: „Cedo la parola al piccone“, das heißt: Ich überlasse das Wort der Spitzhacke. Diesem Piccone fielen durch die systematischen Abrisse alle Baustrukturen zum Opfer, die seit der ausgehenden Renaissance langsam um diesen Riesen-Zylinder entstanden waren. Über 500 Jahre früher waren unter Papst Sixtus IV. die Viertel der in Rom residierenden Gemeinden aus der Lombardei und aus Illyrien entstanden, deren Häuser bis an die Ruinen des Mausoleums reichten, um so die tragenden Mauern für sich zu nutzen. Zwei Kirchen in unmittelbarem Umkreis geben noch heute Zeugnis von dieser römischen Gastfreundschaft: die Basilika der Lombarden Sant'Ambrogio e Carlo und die Kirche der Illyrer, San Giacomo dei Croati.

Zurzeit wird die Innenarchitektur gebaut

Es heißt auch, dass Mussolini gesagt haben soll: Einige Jahre nach meinem Tod entfernt die Statue Augustus’ und stellt die meine auf. Es kam ganz anders. Im Jahr 2019 wurde die erste Phase der konservativen Restaurierungsarbeiten an dem Augustus-Mausoleum abgeschlossen, für die über vier Millionen Euro an öffentlichen Geldern zur Verfügung standen. Heute befindet sich das antike Monument in der zweiten Phase der baulichen Eingriffe und vielleicht in der letzten Metamorphose seiner selbst, das heißt die Verwandlung des Mausoleums in ein Museum.

14 000 Quadratmeter Mauerwerk wurden stabilisiert und restauriert, ein Abflusssystem für Regenwasser geschaffen, die Decken und die Treppenanlagen durch Eisenbalken konsolidiert. Ein moderner Mäzen, die Fondazione TIM, finanziert diese Musealisierungs-Phase und der erste Schritt in diese Richtung wurde bereits getan, indem die vielen Verbindungsräume im Inneren zugänglich gemacht wurden. Die Einrichtung des musealen Verlaufes mit der Geschichte des Monumentes in seiner nunmehr fast zweitausendjährigen Geschichte ist in Vorbereitung. In dieser Phase soll das Museum des Mausoleums ab März dieses Jahres Besuchern seine Tore öffnen.


Mausoleum des Augustus, Piazza Augusto Imperatore, Rom. Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 9.00–16.00

Einlass bis 15.00 Uhr. Montag geschlossen, mit Ausnahme von Ostermontag. Der Eintritt ist vom 1. März bis zum 21. April 2021 für alle Besucher kostenlos und bis zum 31. Dezember 2021 kostenlos nur für Besucher mit Wohnsitz in Rom. Dauer der Visite: 50 Minuten. Online-Vorbestellung ist notwendig unter www.mausoleodiaugusto.it

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