Berlin

Das feministische Unotopia lehrt das Fürchten

Das „Organ“ der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen, „UN Women“ kämpft kaum erkennbar gegen wirklich existentielle Bedrohungen der Frauen. Vielmehr entsteht der Eindruck, man befasse sich in dieser teuren Organisation mehr mit die Durchsetzung linksideologischer Utopien gut situierter Menschen aus den westlichen Industrienationen. Und wie immer zeigt sich, dass „gut gemeint“ das Gegenteil von „gut gemacht“ ist: Genitalverstümmelung, Prostitution oder auch Frauenhandel, Femizid und geschlechtsabhängige Tötung Ungeborener werden kaum thematisiert.

UN Woman: "Equiterra", Ruby Taylor
Equiterra: Was für "UN Women" das Paradies auf Erden ist, ist für Christen eine Dystopie. Die UN zeigt offenkundig ihren Wandel von kriegsächtender Völkerliga hin zum linken Gesinnungsclub. Man darf sich von der beschönigenden Sprache nicht täuschen lassen: Seit Jahren betreibt d... Foto: UN Women

Auf den ersten Blick ähnelt es einem Wimmelbild. „Equiterra“ ist eine Utopie, das als naives Kinderbild erscheint, gekleidet in buntes Gewand und mit viel positiver Energie. Auf den zweiten Blick entpuppt sich das von der UN-Organisation „UN Women“ gesponserte Idealbild der Post-COVID-Gesellschaft jedoch als Fantasie mit ideologischer Schlagseite. „Equiterra“ soll die Gleichstellung der Geschlechter in einer besseren Welt zeichnen – doch in Wirklichkeit wird linke und linksextreme Ideologie transportiert, mal mehr, mal weniger subtil. Da gibt es eine Recyclinganlage für „Toxische Maskulinität“, wo Pakete mit der Aufschrift „Sexistische Witze“ zu Slogans wie „Wir respektieren alle Geschlechter“ umgewandelt werden.

„Ein ‚Zentrum für reproduktive Gesundheit‘,
wie Abtreibungskliniken politisch korrekt heißen,
gehört obligatorisch dazu“

Eine Kinderbetreuungsstätte lässt keinen Blick auf die Kinder im Inneren zu, sondern nur auf die erfolgreichen Geschäftsfrauen in der Businessetage darüber. Ein lesbisches Hochzeitspaar posiert auf einem Plakat, zwei Frauen halten Händchen, die eine davon schwanger, woanders spazieren Schwule. Ganze zwei Mutter-Vater-Kind-Kombinationen sind auf dem Entwurf zu finden, wobei einmal der Vater, einmal das Kind körperlich eingeschränkt ist. Ein „Zentrum für reproduktive Gesundheit“, wie Abtreibungskliniken politisch korrekt heißen, gehört obligatorisch dazu. UN Women schreibt: „Freiheit ist eines der Leitprinzipien von Equiterra.“ Dazu gehörte auch: Freiheit, seine Identität zu wählen, die Freiheit zu entscheiden, wie viele Kinder man hat und die Freiheit, „Kontrolle über den eigenen Körper“ zu besitzen.

Das Szenario hatte UN Women – offiziell: Einheit der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen – bereits im März 2020 ausgearbeitet. Die Organisation empfand die Weihnachtszeit als passende Gelegenheit, um die eigene Idee neuerlich zu lancieren. Die ideologische Schlagseite der Organisation kommt jedoch nicht nur bei „Equiterra“ zum Zuge. So empfiehlt der Twitteraccount von „UN Women“ nicht nur „gegenseitigen Respekt“, sondern auch die Ablehnung der Zweigeschlechtlichkeit. Weder scheinen die Unsicherheiten, die gerade jungen Frauen und Mädchen in der Toilettenfrage drohen, eine Rolle zu spielen – noch die Fairness im Sport, wenn etwa im Rugby die Verletzungsgefahr 30 Prozent höher liegt, weil „Transfrauen“ mitspielen. „UN Women“ zeichnet ein Idealismus aus, der die Schlange im Paradies als Bereicherung versteht.

Der Kurs ist linksfeministisch 

Nicht weibliche Stimmen, sondern „feministische Stimmen“ sollen gehört werden, nicht nur Gewalt gegen Frauen, sondern jede Art „toxischer Maskulinität“ gilt es auszurotten. Bei so viel Aktivismus könnte man darauf hoffen, dass ein Schwerpunkt von „UN Women“ sich auf die arabische und afrikanische Welt richtete, wo Übergriffe auf Frauen und Mädchen zum Alltag gehören, ob bei Kinderehe, weiblicher Beschneidung oder Vergewaltigung. Doch was „UN Women“ wirklich wichtig ist, zeigt eine Liste der „zehn entscheidenden Momente“ für Frauen im Jahr 2020. Die größten Erfolge: in den USA gibt es mit Kamala Harris eine Vizepräsidentin, in Schottland sind Tampons kostenlos, das „Kind des Jahres“ ist ein Mädchen, Neuseeland beruft eine Frau in das Amt des Außenministers und der Chemienobelpreis geht an zwei Frauen.

Wenn dies tatsächlich die drängendsten Probleme von Frauenrechtlern sind – warum war dann die Berufung von Amy Coney Barrett zur Richterin am Supreme Court kein „defining moment“? Indem UN Women vor allem die linksliberalen Diskurse der Ersten Welt zur Priorität erhebt, wirkt sie merkwürdig eurozentrisch. Andere Kulturkreise werden fast nur nach diesen Maßstäben bewertet. So erscheint Sierra Leone in der Liste, aber nicht etwa, weil es endlich Erfolge gegen die zu fast achtzig Prozent verbreitete Genitalverstümmelung gibt, sondern weil Fußballspielerinnen und Fußballspieler gleich bezahlt werden. Stattdessen wird die freie Tamponverteilung in Schottland als entscheidender Schritt im „globalen Kampf gegen period poverty“ gefeiert, so, als wären die Highlands ein Nebengebirge des Kilimandscharo mit ähnlichen Problemen. „Empowerment“, also Ermächtigung der Frauen, scheint den Organisatoren wichtiger zu sein als die fundamentale Sicherheit von Frauen an Leib und Leben.

Wo echter Mut gefordert wäre, versagt UN Women 

Damit desavouiert UN Women das eigentliche Ziel. Symbolhandlungen mögen Schlagzeilen machen, aber sie stellen die berechtigte Frage, ob es in den Krisenländern der Frauenrechtsfrage keine größeren Fortschritte mehr gibt. Es ist nicht ohne bittere Ironie, dass sich laut der Schwesterorganisation UNICEF mehr Männer als Frauen für das Ende der weiblichen Beschneidung in Sierra Leone aussprechen. Laut UN Women sei bisher sei in keinem Land „gender equality“ erreicht worden. Machohaftes Nachpfeifen ist demnach ein ebenso großer Verhinderungsgrund für Gleichstellung wie das mangelhafte Frauenwahlrecht in Saudi-Arabien. Man macht es sich einfach. Vielleicht, weil die UN weiß, wen man ohne Konsequenz anklagen kann. Quoten, Diskussionen über „Gender Pay Gap“ und bunte Wimmelbilder tun weniger weh als das Eintreten für Menschenrechte in den Diktaturen dieser Welt. Internationale Zusammenarbeit beschränkt sich damit auf den Elfenbeinturm.

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