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Alexandre Dumas: Sein Arbeitsstil ist legendär

Vor 150 Jahren starb der französische Schriftsteller Alexandre Dumas. Er war ein Meister des abenteuerlichen Historienromans, der auch heute noch bekannt ist und gelesen oder sogar verfilmt wird.

Alexandre Dumas
Der international beliebte Schriftsteller Alexandre Dumas hatte seine Wurzeln im heutigen Haiti. Erst 2002 fand er seine letzte Ruhe im Pariser Panthéon. Foto: imago images, Fontaine PUBLICATION

Er war eine literarische Naturgewalt. Seine Lebensleistung beträgt mehr als 100 000 Druckseiten. Noch bemerkenswerter ist es, dass manche Werke dieses Vielschreibers bis heute international bekannt sind. „Die drei Musketiere“, „Der Graf von Monte Christo“ und „Der Mann mit der eisernen Maske“ haben Alexandre Dumas unsterblich gemacht. Mehr als 200 Filme basieren auf seinen Büchern. Vor 150 Jahren ist dieser Meister des abenteuerlichen Historienromans gestorben.

Es passt gut, dass Dumas' eigener Vater eine abenteuerliche Figur war. Denn der französische General Thomas-Alexandre Davy de la Pailleterie wurde 1762 in Saint-Domingue (heute Haiti) als Sohn der schwarzen Sklavin Marie-Cessette Dumas und eines adeligen französischen Plantagenbesitzers geboren. Von vier gemeinsamen Kindern verkauft der Vater drei. Nur Thomas-Alexandre, den jüngsten Sohn, den er verpfändet hat, kauft er im Alter von vierzehn Jahren frei und lässt ihn als legitimen Nachkommen zu sich nach Frankreich kommen.

Der Vater: Ruhmreich aber kaltgestellt

Thomas-Alexandreerhält eine aristokratische Erziehung und schlägt unter seinem Mutternamen „Dumas“ eine militärische Laufbahn ein. In Napoleons frühen Feldzügen erwirbt er sich Ruhm, wird aber aufgrund seiner unbeirrbaren republikanischen Überzeugungen kaltgestellt. Er lässt sich in Villers-Cotterets im Departement Aisne nieder, wo am 24. Juli 1802 sein Sohn Alexandre geboren wird. Vier Jahre später schon verstirbt der General.

Die Schulbildung des kleinen Alexandre bleibt in der Folge bescheiden, aber die Bibel, die antike Mythologie, Robinson Crusoe, Buffons Naturgeschichte und die „Geschichten aus 1001 Nächten“ prägen ihn nachhaltig. Ein Cousin verschafft ihm ein Seminaristenstipendium, doch Dumas büxt nach drei Tagen schon aus und beendet so seine mögliche Klerikerlaufbahn frühzeitig. Er wird Notariatsschreiber, wofür ihn seine schöne Handschrift qualifiziert. Mit achtzehn Jahren sieht er in Soisson zufällig den Hamlet in einer französischen Bühnenbearbeitung. Völlig enthusiasmiert beschließt Dumas, Schriftsteller zu werden.

1823 geht er nach Paris und arbeitet dort bis 1828 im Sekretariat des Herzogs von Orleans. Parallel dazu beginnt er seine Laufbahn als Dramatiker, bald aber auch als Roman- und Reiseschriftsteller. 1844 beginnt die Epoche von Dumas' „großen Romanen“ mit der Veröffentlichung der „Drei Musketiere“; wenig später erscheint „Der Graf von Monte Christo“.

Eine gute Gelegenheit, den Gläubigern zu entkommen

Er liebt es, seine Geschichten in der Vergangenheit anzusiedeln, doch um historische Akkuratesse geht es ihm dabei nicht unbedingt: „Ich beginne damit, mir eine Geschichte auszudenken. Ich versuche sie romantisch, zart und dramatisch zu machen und danach suche ich in der Geschichte nach einem passenden Rahmen.“

Dumas verdient sehr viel Geld; noch mehr gibt er allerdings aus. Als er sich ab 1851 zeitweise ins freiwillige Exil nach Brüssel begibt, ist das einerseits ein politischer Protest gegen den Staatsstreich, durch den sich Präsident Louis Bonaparte zu Kaiser Napoleon III. macht – andererseits ist es eine gute Gelegenheit, den Gläubigern zu entwischen. Im Laufe seines Lebens unterhält Dumas insgesamt mehr als vierzig Mätressen und versucht sich als Theaterbesitzer und Zeitungsherausgeber. Zusammen mit anderen Literaten ist er Mitglied in einem Klub von Haschischrauchern, der sich monatlich in einem Pariser Hotel trifft.

Der Meister der Stoffverwertung

Sein üppiges und abwechslungsreiches Leben hindert ihn allerdings nie an der Arbeit, die er notfalls in die Nacht verlegt. Er ist ein Meister der Stoffverwertung und arbeitet seine erfolgreichen Romane auch zu Theaterversionen um (die Existenz des Films, der seine Stoffe so liebt, hätte er sicher begrüßt). Sein rasanter Arbeitsstil ist legendär. Anlässlich einer Wette verfasst er einen Roman innerhalb von drei Tagen. Er selbst erklärt einmal seinem Sohn gegenüber spaßhaft, seine zahlreichen Werke aus Zeitmangel selbst nie vollständig gelesen zu haben.

Freilich, ganz alleine kann auch ein Dumas diese enorme Produktion nicht leisten. Es gibt einen Stab von Mitarbeitern, deren genauer Anteil an Dumas' Werken schon zu seinen Lebzeiten Stoff für einen Gerichtsprozess bietet. Dumas verleugnet seine Gehilfen nicht, kann aber immer plausibel machen, dass sein Arbeitsanteil der entscheidende ist. Auf diese Weise sichert er sich bis zuletzt einen Platz auf der Sonnenseite des Lebens.

Dumas litt unter rassistischen Anfeindungen

Allerdings können weder sein Adelstitel noch sein enormer Erfolg den Enkel einer schwarzen Sklavin vollständig vor rassistischen Anfeindungen schützen („Sie werden mich doch nicht mit diesem Neger vergleichen?“, fragt sein Kollege Balzac einmal entrüstet einen Zeitschriftenherausgeber). Die Karikaturisten behandeln ihn übel.

Am 5. Dezember 1870 stirbt Dumas in Puys im Hause seines gleichnamigen Sohnes, der heute noch durch seine „Kameliendame“ bekannt ist.

Erstaunliche Erfolge. Posthum

Doch die „Naturgewalt“ Alexandre Dumas erzielt noch posthum erstaunliche Erfolge. 2002 werden seine sterblichen Überreste ins Pariser Panthéon überführt. Präsident Chirac bekennt, wie sehr Dumas die Phantasie der Franzosen geprägt hat. Drei Jahre später schafft der Schriftsteller es noch einmal auf die aktuellen Bestsellerlisten, als der Literaturwissenschaftler Claude Schopp den 900 Seiten umfassenden Roman „Der Chevalier von Sainte-Hermine“ herausgibt, den Dumas nicht mehr ganz vollenden konnte. Schopp ergänzt die noch fehlenden drei Kapitel auf der Basis von Dumas' Notizen. Er wird damit zu Dumas' letztem literarischen Gehilfen, doch das Wesentliche hat, wie immer, Dumas selbst geleistet.

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