Ohne Gott geht es nicht

Fragestellung, die weit über das Theodizee-Problem hinausgeht: Zwei Philosophen streiten darüber, was eine gute Religion ist. Von Alexander Riebel

Geburtskirche in Bethlehem
Zwei Philosophen streiten darüber, was eine gute Religion ist. Das Bild zeigt die Geburtskirche in Bethlehem. Foto: Corinna Kern (dpa)

Sollen Philosophen die Frage beantworten, was eine gute Religion ist? Und wem nützt da eine die Religion befürwortende und eine ablehnende Antwort? Das unter Fachleuten viel beachtete Magazin „Philosophie Information“ hat diese Frage gestellt und sie ist nun auf dessen Internetseite beantwortet. Die beiden Philosophen Ansgar Beckermann, emeritierter Professor für Theoretische Philosophie an der Universität Bielefeld, und Holm Tetens, emeritierter Philosoph für Theoretische Philosophie an der Freien Universität Berlin, sind die Frage erwartungsgemäß aus philosophischen Überlegungen angegangen.

"Für mich, der ich mich als Philosoph und
Metaphysiker ernst nehme, ein gewichtiger Grund,
auf die Wahrheit des Theismus zu hoffen. Für den
Naturalismus gibt es in dieser Hinsicht keine Hoffnung“
Philosoph Holm Tetens

Damit machen sie die Güte, aber auch den Inhalt der Religion von der Philosophie abhängig, inwieweit dieser nämlich wünschenswert ist. Die Frage, ob eine Religion gut oder von Übel ist, geht weit über die Theodizee-Frage hinaus, die ja innerhalb der Religion erklärt wird – hier steht aber die Religion selbst zur Diskussion. Deren Sinn wird von Tetens positiv beantwortet und von Beckermann negativ – das Pro und Contra ist unbefriedigend, weil Entscheidendes nicht zur Sprache kommt, wie die Sicht des Gläubigen.

Beckermann kann Tetens Forderung nach einer positiven Antwort auf Sinnfragen nicht folgen, die die Religion beantworten soll. Aber kreist der Kern von Religion überhaupt um die Sinnfrage des Menschen, wie das Gespräch suggeriert, und besonders, wenn Tetens meint, Religion soll eine „anthropologisch positive Antwort“ geben? Doch bekennt sich Tetens zum Christentum, wenn er schreibt, die Gottesfrage sei ohne die Auferstehung nicht sinnvoll zu haben. Optimismus und Sinn seien nur durch die Annahme Gottes möglich, der Naturalismus könne dies nicht leisten. Tetens: „Für mich, der ich mich als Philosoph und Metaphysiker ernst nehme, ein gewichtiger Grund, auf die Wahrheit des Theismus zu hoffen. Für den Naturalismus gibt es in dieser Hinsicht keine Hoffnung.“

Vernünftige und freie Subjekte auch in rein natürlicher Welt

Auch wenn sich Beckermann nicht als „methodischen Atheisten“ sieht, folgt er Tetens nicht. Es sei nicht einzusehen, warum „Freiheit, Verantwortung, Scham und Reue nur real sein können, wenn es einen Gott gibt. Ich verstehe nicht, warum.“ Auch in einer rein natürlichen Welt gebe es „vernünftige, freie und selbstverantwortliche Subjekte“. Weil es Beckermanns Grundannahme ist, jede mögliche Welt, auch eine transzendente, müsse gut zu dem passen, was wir sonst über die Welt wissen, kann er auch mit Tetens Gedanken des Endzwecks wenig anfangen. Eine gute Religion sei daher keine Religion, weil keine mit der bekannten empirischen Welt übereinstimme. Selbst Objektivität will er nicht gelten lassen, weil man etwa nicht klären könne, ob Prostitution oder Vielehe moralisch erlaubt seien.

Die Philosophie hat schon bessere Zeiten erlebt und ihre empirische Ausprägung sollte von der Religion lieber die Finger lassen.

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