Berlin

Ein Zeichen der Dankbarkeit

Die James-Simon-Galerie vollendet nach 180 Jahren die Berliner Museumsinsel. Eine gelungene Hommage an einen der größten Kunstmäzene der Stadtgeschichte.

Die James-Simon-Galerie in Berlin
Kolonnaden und Freitreppe in Weiß empfangen die Besucher der gerade eröffneten James-Simon-Galerie. Hier: Ansicht des Haupteingangs. Foto: Ute Zscharnt

Mit einem Festakt in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag und einem Publikumsfest für Erwachsene und Familien mit Kindern am Samstag wurde jetzt die James-Simon-Galerie eröffnet. Sie ist das zentrale Empfangsgebäude auf der Berliner Museumsinsel. Damit wird ein Projekt baulich vollendet, das 1841 begann, als König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen anordnete, das Gebiet hinter dem Alten Museum von Karl Friedrich Schinkel zu einer „Freistätte für Kunst und Wissenschaft“ umzubauen. Gleichzeitig stellt die James-Simon-Galerie den Schlussstein des „Masterplans Museumsinsel“ dar, den nach der Wiedervereinigung die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren Staatlichen Museen zu Berlin im Juni 1999 beschloss, und der den Neubau eines Besucher- und Infrastrukturgebäudes (Neues Eingangsgebäude) vorsieht.

Auf der einzigen Freifläche der Museumsinsel, einer Bruttogrundfläche von 10.900 Quadratmetern, entstand nach den Plänen von David Chipperfield Architects ein Bau mit 4.600 Quadratmetern Nutzfläche. „Die als Leitmotiv eingesetzten schlanken Stützen“, erläutert David Chipperfield, „erinnern an die berühmte Skizze Friedrich Wilhelms IV. zu seiner ,Kulturakropolis‘ Museumsinsel.“ Der so entstandene Kolonnadengang führe die historische, am Neuen Museum endende Stülerschen Kolonnade in zeitgenössischer Formensprache fort – wie der gesamte Bau bestehen die Stützen aus Sichtbeton mit Natursteinzuschlägen.

Zur Architektursprache der James-Simon-Galerie führt der Architekt aus: Sie „bedient sich vorgefundener Elemente der Museumsinsel, vor allem aus der Freiraumarchitektur, wie gebaute Topografie, Kolonnade und Freitreppe, und bezieht sich damit auf Schinkel, Stüler und die anderen Architekten, die hier gewirkt haben. Die Natursteinzuschläge im Betonwerkstein binden das neue Eingangsgebäude tonal in die Materialvielfalt der Kalkstein-, Sandstein- und Putzfassaden der Museumsinsel ein, während im Inneren glattgeschalter Ortbeton dominiert.“

Infrastruktur, an der kein Museum vorbeikommt

Obwohl das neue Empfangsgebäude im Untergeschoß eine großzügige Ausstellungsfläche anbietet, sollte die James-Simon-Galerie – so David Chipperfield bei der Eröffnungskonferenz – nicht ein weiteres Museum werden. Die James-Simon-Galerie biete vielmehr die Infrastruktur, „an der kein modernes Museum der Welt vorbeikommt“. Dazu gehört das zentrale Besucherzentrum mit Servicefunktionen für große Besuchergruppen, oder auch der von der Buchhandlung Walther König geführte Museumsshop mit rund 300 Quadratmetern und großer Bandbreite: von wissenschaftlichen Abhandlungen bis zu dem üblichen Museumskitsch.

Ein holzgetäfeltes Auditorium bietet Platz für rund 300 Personen. Dazu kommt das von der BMB-Gruppe geführte Café und Restaurant, dessen Inneneinrichtung von David Chipperfield Architects konzipiert wurde, und das unabhängig von den Museums-Öffnungszeiten Platz für rund 90 Personen in seinem Innenraum sowie für 80 Personen auf seiner direkt an der Spree gelegenen Sonnenterrasse bietet. Mit dem Neubau des Eingangsgebäudes, der James-Simon-Galerie, entstehen außerdem zwei neue Freiflächen: eine über die große Freitreppe zugängliche Hochterrasse an der Kupfergrabenseite und der Neue Hof.

Verbindende Promenade, gemeinschaftliche Flächen

Zur Vollendung des „Masterplans Museumsinsel“ fehlt allerdings noch die „Archäologische Promenade“, die künftig vier der fünf Museumsbauten der Museumsinsel Berlin vom Alten Museum bis zum Bode-Museum verbinden und die großen sammlungsverbindenden Themen der Kulturgeschichte mit Objekten aller auf der Museumsinsel beheimateten archäologischen Sammlungen präsentieren soll. Ein Zugang zur Archäologischen Promenade besteht auch im Untergeschoss der James-Simon-Galerie. Neben dem Zugang befindet sich ein 650 Quadratmeter großer Sonderausstellungsraum, die allen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin für Wechselausstellungen zur Verfügung steht. Zu Beginn und bis zum 30. August findet dort eine Sonderpräsentation zum Leben James Simons auf verschiedenen Leinwänden statt. Die James-Simon-Galerie ist zurzeit alleiniger Zugang zum Pergamonmuseum sowie einer von zwei Zugängen in das Neue Museum.

Die neue James-Simon-Galerie sei „der beste Ort, der diesen Namen tragen kann“, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger bei der Eröffnungs-Pressekonferenz. Denn die Namensgebung soll eine Hommage an den großen Berliner Mäzen sein. Der Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin, Michael Eissenhauer: „Zehn von den 16 Sammlungen der Staatlichen Museen Berlin enthalten insgesamt 10.000 von James Simon gestiftete Objekte. Ohne das großzügige bürgerschaftliche Engagement zahlloser Förderer, Mäzene und Kunstfreunde wären die Staatlichen Museen zu Berlin nicht das, was sie heute sind. James Simon steht dabei stellvertretend für die vielen jüdischen Mäzene, deren maßgebliches Wirken durch das nationalsozialistische Regime gewaltsam ausgelöscht wurde.“

Reichtum im Dienst der Kultur und der Armen

James Simon (1851–1932) wurde als Sohn jüdischer Eltern in Berlin geboren. Durch den Baumwollhandel, den sein Vater und sein Onkel eröffnet hatten, gewann die Familie einen immensen Reichtum. Die finanzielle Unabhängigkeit erlaubte es ihm, sich seiner Kunstleidenschaft zu widmen. Dank seiner engen Beziehung zu Wilhelm von Bode wurde James Simon zu dem bedeutendsten Kunstmäzen der Königlichen Museen. Er stiftete zunächst seine 500 Objekte umfassende Renaissance- und später etwa 350 Werke seiner Sammlung aus deutschen und niederländischen spätmittelalterlichen Holzplastiken. Simon gründete 1898 die „Deutsche Orientgesellschaft“ und finanzierte Grabungen in Mesopotamien, aber auch in Ägypten, wo 1912 die Nofretete-Büste aufgefunden wurde, die Simon der Ägyptischen Regierung abkaufte und nach Berlin brachte.

Aber neben der Kunstleidenschaft galt seine Aufmerksamkeit vor allem dem Gemeinwohl der Armen und Bedürftigen seiner Stadt. Laut Peter Raue, Vorsitzendem der James-Simon-Stiftung, verwendete er etwa ein Drittel seines beträchtlichen Einkommens für humanitäre Zwecke, etwa für die Errichtung des „Kinderschutzheimes Zehlendorf“. Deshalb trägt als Zeichen der Dankbarkeit das zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel Berlin den Namen James-Simon-Galerie.