Basel

Durch Gott legitimiert

„Gold & Ruhm“: Basel feiert das 1000-jährige Jubiläum des Münsters - mit einer Ausstellung wertvoller Weihegeschenke.

Westportal des Basler Münsters
Nahmen an der Einweihungsfeier des Münsters teil: Kunigunde und Heinrich II. am von 1270 bis 1285 errichteten Westportal des Basler Münsters. Foto: Thiede

Vor 1000 Jahren weihte Bischof Adalbero II. das Basler Münster. An der Feier nahmen Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde teil. Sie brachten wertvolle Weihegeschenke mit. Das prachtvollste von ihnen ist die „Goldene Altartafel“. Sie steht im Mittelpunkt einer glanzvollen kulturhistorischen Schau, die sich dem Münster, dem Kaiserpaar, den von ihnen geförderten Bischöfen und der Sakralkunst ihrer Zeit widmet. Die vom Historischen Museum Basel erarbeitete Ausstellung ist im Kunstmuseum zu sehen.

Der an den Domschulen von Freising, Hildesheim und Regensburg ausgebildete Heinrich II. (973–1024) war ein außerordentlich frommer Herrscher. Zunächst Herzog von Bayern, stieg er mit Unterstützung des Erzbischofs Willigis von Mainz und Bischof Bernwards von Hildesheim zum König des ostfränkischen Reiches auf und erlangte schließlich die Kaiserwürde. Sein Herrschaftsverständnis offenbart uns ein auf sein Geheiß in Regensburg geschaffenes Evangeliar, das die Biblioteca Apostolica Vaticana nach Basel ausgeliehen hat. Die aufgeschlagene Seite zeigt eine Malerei, in deren Mitte Heinrich II. thront. Die Bildbotschaft lautet, dass er seine Macht durch Gott legitimiert sieht und sich bei ihrer Ausübung von den christlichen Tugenden leiten lässt.

Wertvolle Leihgaben und kostbare Sakralkunst

Bei der Ausübung seiner Macht stützte er sich auf die Bischöfe. Sie werden uns anhand erlesener Leihgaben vorgestellt. Das aus dem Mainzer Dom- und Diözesanmuseum angereiste Sakramentar (um 1000), dessen aufgeschlagene Bildseite den mit dem Kopf nach unten gekreuzigten Petrus zeigt, gehört zu den bedeutendsten Werken der von Bischof Willigis veranlassten Buchproduktion. Die Kasel des Bischofs Bernward von Hildesheim (um 1000) ist eines der kostbarsten erhaltenen liturgischen Gewänder des 11. Jahrhunderts. Vakante Bischofsstühle besetzte Heinrich II. mit ihm getreuen Kandidaten. Unter ihnen befanden sich so bedeutende Persönlichkeiten wie die Erzbischöfe Poppo von Trier und Pilgrim von Köln sowie die Bischöfe Meinwerk von Paderborn und Thietmar von Merseburg.

Heinrich und Kunigunde sind auf der Goldenen Altartafel abgebildet, die sie 1019 als Geschenk anlässlich der Weihe des Basler Münsters darbrachten. Klein und unscheinbar kniet das Kaiserpaar in Unterwerfungspose zu Füßen Christi. Die aus Gold und vergoldetem Kupfer angefertigte, mit Perlen, Edelsteinen und antiken Steinschnitten geschmückte Tafel diente der Verkleidung der Altarfront an hohen kirchlichen Festtagen. Im mittleren Bildfeld steht der aus Gold getriebene Christus vor uns. Zu seiner Linken zeigen sich die Erzengel Gabriel und Raphael, zu seiner Rechten Erzengel Michael und der heilige Benedikt. Das Figurenpersonal passt nicht zum Hauptaltar des Münsters. Denn der war Maria und Johannes dem Täufer geweiht. Das lässt vermuten, das Kaiserpaar habe die Goldene Altartafel ursprünglich der Benediktinerabtei auf dem Bamberger Michaelsberg schenken wollen – und sie nur als ein Verlegenheitsgeschenk nach Basel gelangte. Als sich dort 1529 die Reformation durchsetzte, kam sie mit den anderen Münsterschätzen in der Sakristei unter Verschluss, wo sie die nächsten 300 Jahren blieben. Dann aber teilten die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft die Kostbarkeiten unter sich auf. Die von Basel-Landschaft versteigerte Goldene Altartafel gelangte über Umwege in den Besitz des Pariser Musée de Cluny.

Das ebenfalls verkaufte „Heinrichs-Kreuz“ ist als Leihgabe des Berliner Kunstgewerbemuseums zurück in Basel. Es ist keineswegs sicher, dass dieses Goldschmiedewerk ein Geschenk des Kaisers war. Aber es „bewahrt bis heute nicht nur die durch Heinrich II. nach Basel gestifteten Partikel vom Heiligen Kreuz, sondern auch Reliquien des in Basel besonders verehrten heiliggesprochenen Kaisers selbst“ auf, wie es im Katalog heißt. Auf Initiative des Bamberger Klerus sprach Papst Eugen III. 1147 Heinrich II. heilig, während die Heiligsprechung Kunigundes 1200 durch Papst Innozenz III. erfolgte. Zu Verehrungszentren des heiligen Paares mauserten sich neben Bamberg vor allem Regensburg, Merseburg und Paderborn, dessen Erzbischöfliches Diözesanmuseum die beiden ausdrucksvollen hölzernen Reliquienbüsten des Kaiserpaares (frühes 15. Jahrhundert) in die Schau geschickt hat.

Empfehlenswert ist im Museum Kleines Klingental auch die Ausstellung „Das Basler Münster – Ein Jahrtausendbau“.

Gold & Ruhm: Bis 19.1.2020 im Kunstmuseum Basel, St. Alban Graben 20.
Di.–Do. 10–18 Uhr, Mi. 10–20 Uhr. Eintritt: 26 CHF.
Internet: www.hmb.ch und www.kunstmuseumbasel.ch.
Der im Hirmer Verlag erschienene Katalog kostet 49,90 Euro.

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