Frankfurt am Main

Buchmarkt unter Druck

Für christliche Bücher wird es schwieriger - Dennoch gab es auf der Buchmesse Glanzlichter.

Frankfurter Buchmesse
In Polen werden noch wertvolle Bibeln angefertigt - hier ihre Präsentation bei der Frankfurter Buchmesse. Foto: dpa

In den Buchhandlungen werden die Regale mit christlichen Titeln, ob spirituelle oder theologische, stets kleiner und kleiner. Vielfach sind sie bereits ganz verschwunden und durch Esoterik ersetzt worden. Wenn sich ein Buch mit Glaube oder Kirche befasst, handelt es sich meist um eine Anklageschrift, eine Anleitung zum Aufbegehren, eine Krisenbeschreibung oder eine Krisenbeschwörung.

Ursache dafür ist auch die stetig voranschreitende Konzentration auf dem Buchmarkt. Inhabergeführte Buchhandlungen werden von den Buchhandelsketten Thalia und Osiander übernommen. Ziel der Ketten ist es, mit möglichst wenigen Titeln hohe Umsätze zu erzielen. Darum wird die Breite des Angebotes stetig reduziert. Hinzu kommt eine ebenso rasante Verlagskonzentration. Ursprünglich eigenständige christliche Verlage sind ganz verschwunden oder fristen ein Nischendasein in Großverlagen. Trotzdem gab es auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse eine Fülle von bemerkenswerten Neuerscheinungen. Auf einige kann hier wenigstens kurz hingewiesen werden. Da gilt es zunächst auf die unglaubliche Erfolgsgeschichte der YOUCAT-Bewegung aufmerksam zu machen. Am Anfang stand die jugendgerechte Aufbereitung des Katechismus zum You(th) Cat(echism), dann kam die YOUCAT-Bibel und nun ist der YOUCAT-Glaubenskurs auf dem Markt: In sechsundzwanzig Kapiteln werden die zentralen Glaubensinhalte dargestellt. Firmkurs und Kommunionkurs haben bereits gigantische Auflagen erzielt.

Neuerscheinungen zu Newman, Ignatius und Debrel

Für die Glaubensvertiefung Erwachsener empfiehlt sich Kardinal Newman. Zur Heiligsprechung ist in vierter verbesserter Auflage die Biographie „John Henry Newman. Der Geopferte“ von Ida Friederike Görres erschienen (Patris Verlag). Newmans Denken ist die Antwort auf den Liberalismus und seine Persönlichkeit ist Maßstab kirchlicher Gesinnung auf dem kommenden „Synodalen Weg“. Ebenfalls im Patris Verlag ist in Neuauflage das von Günter Biemer erstellte Jahreslesebuch mit Newman-Texten „Dem Licht folgen“ herausgekommen. In der verdienstvollen Reihe „Ignatianische Impulse“ liegt von Hans Schaller eine kleine Auswahl aus den insgesamt siebentausend Briefen vor, die der heilige Ignatius von Loyola verfasst hat: Hans Schaller: „Aus Rom - euer Ignatius!“ Darin werden die Persönlichkeit und die Seelsorge des Ordensgründers exemplarisch ansichtig (Echter Verlag). Wer durch das Bändchen für Ignatius eingenommen wurde, der kann sich in die Theologie seines Hauptwerkes, das Exerzitienbüchlein, vertiefen.

Werner Löser hat die im Hintergrund stehende Theologie herausgearbeitet: „Schritte auf dem Weg. Theologische Gedanken zum Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola“ (Echter Verlag). Die Biographie eines Märtyrers unserer Zeit hat Cesare G. Zucconi geschrieben: „Jerzy Popieluszko 1947–1984. Das Martyrium eines Priesters im kommunistischen Polen.“ Als Unterstützer der ersten freien polnischen Gewerkschaftsbewegung wurde der Priester von zwei Geheimdienstoffizieren ermordet. Im Jahr 2010 fand die Seligsprechung statt. Zur bevorstehenden Seligsprechung der Künstlerin, Sozialarbeiterin und Mystikerin Madeleine Delbrel ist eine Biographie erschienen: Gilles Francois und Bernard Pitaud: „Madelaine Delbrel. Die Biographie“ Verlag Neue Stadt). In Dialogform erschließt der Neutestamentler Gerhard Lohfink das Leben und Wirken und die Lehre von Jesus Christus: „Das Geheimnis des Galiläers“ (Verlag Herder).

Exegese und Philosophie

Erstmals in deutscher Sprache liegt „Maria Magdalena. Von der Liebe im Übermaß“ von Kardinal Carlo Maria Martini (verstorben 2012) vor. Angesichts der Verwirrung, die Kinofilme und Bücher über Maria Magdalena verbreiten, kann es nur helfen, sich von einem so bedeutenden Exegeten und spirituellen Autor die wahre Botschaft des Evangeliums erschließen zu lassen. In Neubearbeitung liegt die Einführung: „Das Buch der Bücher“ von Christoph Dohmen und Thomas Hieke vor. Entstehung und Inhalt aller Bücher der Bibel werden zusammengefasst (Verlag Friedrich Pustet). Eine neue künstlerisch anspruchsvolle Kinderbibel hat das Katholische Bibelwerk ediert. Die Texte verfasste Georg Langenhorst und die stets mit aktualisierenden bis ironischen Details versehenen Illustrationen stammen von Tobias Krejtschi.

In einer Neuausgabe ist nun das Schlüsselwerk zum Verständnis des Denkens von Romano Guardini wieder zugänglich: „Der Gegensatz. Versuch zu einer Philosophie des Lebendig-Konkreten“ (Grünewald/Schöningh). Alle Bereiche des menschlichen Lebens werden in eindrucksvoller Weise in diese Gesamtdeutung einbezogen. Im Dezember letzten Jahres verstarb der Philosoph Robert Spaemann. Eines seiner Hauptwerke hat sein Verlag nun in einer broschierten Ausgabe wieder zugänglich gemacht: „Personen. Versuch über den Unterschied zwischen ,etwas‘ und ,jemand‘“ (Verlag Klett-Cotta).

Bildbände und Führer zu sakraler Architektur

Seit die Kathedrale Notre Dame in Paris einer vernichtenden Brandkatastrophe nur knapp entgangen ist, hat die gotische, aber auch die neugotische Architektur erheblich an Aufmerksamkeit gewonnen. Zwei großartig Bildbände sind hier anzuzeigen. Zunächst: Jürgen Kaiser: „Macht und Herrlichkeit. Die großen Kathedralen am Rhein“ (Greven Verlag Köln). Dieser bisher beispiellose Überblick des Fotografen Florian Monheim führt von Konstanz, Basel, Freiburg, Straßburg, zum weltweit größten romanischen Dom in Speyer, über Worms, Oppenheim und Mainz zum Kölner Dom. Während nur weniger Jahrzehnte sind für die gotischen Kirchen naturalistische steinerne Pflanzendarstellungen geschaffen worden. Darüber hat Frank Richter den herrlichen Bildband „Die Pflanzenwelt der gotischen Kathedralen“ verfasst (Einführungspreis bis 31.12.2019, Imhof Verlag). Durch die genaue Identifizierung und Bestimmung wird für eine weitergehende Symboldeutung der Boden bereitet.

Eine Brücke zum modernen Kirchenbau schlägt der großformatige farbige Bildband „Sakralbauten der Architektenfamilie Böhm“. Fotografiert von Hartmut Junker mit Texten von Stefanie Lieb. Dominikus Böhm, sein Sohn Gottfried und die Enkel Peter und Paul übten einen starken Einfluss auf den modernen Kirchenbau in Deutschland aus. Für jeden Pilger auf dem Jakobsweg ist es ein unvergessliches Erlebnis, wenn er in der Kathedrale von Santiago de Compostela vor dem „Portico de la Gloria“ steht. Dieses dreiteilige Portal, vollendet 1188, gehört zu den bedeutendsten romanischen Kunstwerken in ganz Europa. Jetzt haben Rudolf Hagmann und Wolfgang Schneller einen handlichen Führer herausgegeben: „Himmelweit offen. Ein spiritueller Führer durch das Portico de la Gloria der Kathedrale von Santiago de Compostela“ (Kunstverlag Josef Fink). Von beiden Verfassern erscheint noch in diesem Jahr im selben Verlag ein kleiner Führer durch die ganze Kirche: „Ankommen und erwartet werden. Ein spiritueller Rundgang um und in die Kathedrale von Santiago de Compostela.“