Berlin

Vatersein will gelernt werden

„Der Geburtstag“: Ein deutsches Drama über einen Mann, der das Vatersein entdeckt.

Garcías Filmtipp: "Der Geburtstag"
Matthias (Mark Waschke) lebt von seiner Frau Anna (Anne Ratte-Polle) getrennt. Den siebten Geburtstag seines Sohnes Lukas (Kasimir Brause) will er aber nicht verpassen. Der Abend verläuft jedoch ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. Foto: W-film/Friede Clausz

Obwohl Matthias (Mark Waschke) von seiner Frau Anna (Anne Ratte-Polle) getrennt lebt, hat er versprochen, zur Geburtstagsparty seines Sohnes Lukas (Kasimir Brause) zu kommen. Allerdings ist der Teilzeit-Vater voll im Stress: Der Abgabetermin für seine Präsentation rückt immer näher. Privat setzt ihn außerdem seine neue Freundin Katharina (Anna Brüggemann) unter Druck, damit er zur Premiere ihres Theaterstücks erscheint.

Langsam versteht der Vater seinen Sohn

Als der Kindergeburtstag endlich vorbei ist, taucht das nächste Problem auf: Der kleine Julius (Finnlay Jan Berger) wird von seiner Mutter nicht abgeholt. Eigentlich will Matthias den Jungen einfach loswerden, aber es kommt immer wieder etwas dazwischen. Durch die gemeinsame Zeit mit Julius beginnt Matthias langsam, seinen eigenen Sohn zu verstehen, und erkennt, wie sehr er ihn vermisst.

 

Drehbuchautor und Regisseur Carlos A. Morelli erzählt die allgemein gültige Geschichte eines Mannes, der noch entdecken muss, was Vatersein bedeutet. Mark Waschke drückt hervorragend die Rat- und Sprachlosigkeit aus, die Matthias gegenüber seinem Sohn Lukas empfindet. Hervorzuheben ist aber auch die reife Leistung der zwei kleinen Kinderdarsteller.

Erinnerungen an den deutschen Expressionismus

Interessanter noch erweist sich aber die Ästhetik des Filmes, wie Carlos A. Morelli mit tatkräftiger Hilfe des Kameramanns Friede Clausz, der kürzlich im Dokumentarfilm „Another Reality“ sein Können unter Beweis stellte, „Der Geburtstag“ gestaltet. Die Schwarzweißbilder und insbesondere die Traumsequenz versetzen laut der Deutschen Film und Medienbewertung FBW bei der Verleihung des Prädikats „besonders wertvoll“ ins Wien aus „Der dritte Mann“.

Darüber hinaus erinnern die dunklen, leeren Straßen und die Art und Weise, wie die Wackelkamera Matthias filmt, als er in einen Strudel eigenartiger Ereignisse hineingezogen wird, an den deutschen Expressionismus und dessen Verfremdung in Woody Allens „Schatten und Nebel“ (1991). 

„Der Geburtstag“ läuft seit dem 25. Juni in den Bundesländern auf der großen Leinwand, in denen die Kinos wieder geöffnet sind. Parallel wird er als VoD (Video on Demand) unter der Adresse https://vimeo.com//ondemand/dergeburtstag gezeigt

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