Melbourne

Serienbeschreibung: "Stateless" läuft auf Netflix

Die australische Serie „Stateless“ handelt von den unmenschlichen Bedingungen in Abschiebelagern des Landes, aber auch von Gewissensentscheidungen.

Garcias Filmtipp: "Stateless"
Die Australierin deutscher Abstammung Sofie Werner (Yvonne Strahovski) wird in einem Abschiebe-Camp unrechtmäßig festgehalten. Sie gibt ihre Identität nicht preis und möchte nach Deutschland abgeschoben werden. Foto: Netflix

Inspiriert von wahren Begebenheiten“, heißt es zu Beginn der australischen sechsteiligen Miniserie „Stateless“. Im Mittelpunkt der tatsächlichen Ereignisse steht eine deutsch-australische, ehemalige Flugbegleiterin, die sich in den Jahren 2004 und 2005 zehn Monate lang unrechtmäßig in Abschiebehaft in Australien befand. 

In den Fängen einer Psychosekte

In „Stateless“ heißt sie Sofie Werner (Yvonne Strahovski). Zu Beginn kommt sie Weihnachten zu ihren deutschen Eltern. Bei der Familienfeier auch dabei: ihre ältere, verheiratete Schwester Margot (Marta Dusseldorp), Mutter zweier Kinder. Die Stimmung ist gereizt, denn die Eltern und wohl auch die Schwester drängen Sofie, endlich zu heiraten. Auf der Suche nach sich selbst gerät sie in die Fänge einer Psychosekte, die sich als ein von Gordon (Dominic West) und Pat Masters (Cate Blanchett) geführtes Tanzstudio tarnt. 

Nach Australien

Gegengeschnitten zu Sofies Geschichte wird das Bemühen des afghanischen Lehrers Amir (Fayssal Bazzi), für sich und seine Familie Plätze in einem von Schleppern organisierten Boot zu ergattern, das sie nach Australien bringen soll. Als sich aber herausstellt, dass die Schlepper Betrüger sind, und es gar kein Boot gibt, muss sich Amir etwas einfallen lassen. Die zwei weiteren Hauptfiguren in der geschlossenen Miniserie (Limited Series) stehen auf der Gegenseite: Der einfache, seine kleine Familie liebende Cameron Sandford (Jai Courtney) heuert bei der Firma an, die für die Sicherheit bei dem Abschiebegefängnis zuständig ist, in dem sowohl Sofie als auch Amir landen. Dessen Leitung übernimmt Clare Kowitz (Asher Keddie) im Auftrag der Regierung.

„Stateless“ verknüpft die Geschichten der vier Hauptcharaktere sowie einiger Nebenfiguren miteinander in einer stimmigen, komplexen Handlung. Die Serienentwickler Tony Ayres, Cate Blanchett und Elise McCredie sowie die Regisseurinnen Emma Freeman und Jocelyn Moorhouse enthüllen in dramaturgisch klug eingesetzten Rückblenden nach und nach die Vorgeschichte von Sofie und Amir. Im Gegensatz zu manch anderen Filmen und Serien brauchen sie keine ausdrücklichen Hinweise auf die Zeit, in der „Stateless“ angesiedelt ist. Die aus heutiger Sicht altmodischen Handys reichen vollkommen aus: Es ist einfach die „Vor-Smartphone-Zeit“. 

Bedingungen im Lager

Die Miniserie verdeutlicht die menschenunwürdigen Bedingungen der Flüchtlings-Auffanglager Australiens, die als „Detention Center“, als Abschiebegefängnis, geführt werden. Davon zeugen nicht nur etwa die Geschichte von Amirs Familie, sondern auch weitere Figuren, etwa zwei tamilische Flüchtlinge, die auf dem Dach einer Baracke die Öffentlichkeit auf die Lebensbedingungen im Camp aufmerksam machen wollen, oder auch der alte Mann, der seit sieben Jahren neben dem gepackten Koffer auf einem Stuhl sitzt und auf die Entscheidung über sein Schicksal wartet. 

„Stateless“ rückt darüber hinaus immer wieder die Gewissensentscheidungen mancher Amtsträger in den Mittelpunkt. Und nicht zuletzt unterstreicht die Miniserie die Bedeutung der Familie einschließlich Geschwisterliebe. 

 


„Stateless“, sechsteilige Miniserie mit insgesamt 315 Minuten. Auf Netflix.

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