Berlin

Normalfamilien werden in den Medien zur Ausnahme

Deutsche Filmförderung und US-Filmakademie pochen auf ethnische und sexuelle „Diversität“. Die traditionelle Familie führt im Film meist nur ein Nischendasein. Doch es gibt Ausnahmen.

Familie am Frühstückstisch
Als der von Robert de Niro dargestellte Großvater in das Haus seiner Tochter (Uma Thurman) einzieht, muss er sich nicht nur mit technischen Problemen abgeben. Denn der Enkel ist nicht bereit, ihm kampflos sein Zimmer zu überlassen. Foto: Euro Video

Die Frage, ob Filme die jeweiligen gesellschaftlichen Zustände abbilden, oder aber ob sie diese beeinflussen, indem sie eine Gesellschaft als „normal“ wiedergeben, die eher dem Wunschdenken der Filmemacher entspringen, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Wechselverhältnis. Eine solche Beeinflussung beabsichtigen indes Richtlinien, die „benachteiligte“ Gesellschaftsgruppen oder gar Ethnien positiv diskriminieren wollen. Etwa durch die Regeln, die kürzlich von der Filmakademie der Vereinigten Staaten für die Vergabe des Oscar-Hauptpreises erlassen wurden (DT vom 16. September), wird der Darstellung „unterrepräsentierter communities“ nachgeholfen.

Der Gesellschaft wird Nachhilfe erteilt; Minderheiten sind überrepräsentiert

Schaut man sich etwa deutsche Komödien der letzten Jahre daraufhin an, so fällt es auf, dass so gut wie keine ohne ein homosexuelles oder lesbisches Paar auskommt. Ein Grund dafür liegt offenkundig in der Vergabe von Fördermitteln. So schreibt die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein auf ihrer Homepage: „Wir denken, dass die Filmbranche Vorbild sein kann, um Vorurteile gegenüber marginalisierten Gruppen in unserer Gesellschaft abzubauen und ein selbstverständliches Miteinander zu befördern.“ Dafür werden Antragsteller „dazu verpflichtet, einen Fragenkatalog zur Diversität ihres geplanten Projektes zu beantworten“.

„Kommen bei den Figuren ,People of Color‘ vor?“

Neben den Fragen, ob die Geschlechter in der zu erzählenden Geschichte ausgeglichen repräsentiert seien, ob Figuren „mit einem unterprivilegierten sozioökonomischen Hintergrund“ oder aber „mit Behinderung“ dargestellt würden, fragt der Katalog zweierlei: „Kommen bei den Figuren ,People of Color‘ vor?“ und „Tauchen Figuren mit anderer als heterosexueller Orientierung auf?“ Es liegt auf der Hand, dass sich Drehbuchautoren und Regisseure, die zur Realisierung ihres Filmprojektes auf die Vergabe beträchtlicher Fördermittel angewiesen sind, solchen Verpflichtungen beugen, und deshalb etwa LGTBQ-Figuren größeren Raum geben – also in Wirklichkeit überrepräsentiert darstellen. Auf der Strecke bleibt dann die „traditionelle“ Familie, die allerdings in der wirklichen Welt immer noch den „Normalfall“ darstellt: In Deutschland leben 70 Prozent der minderjährigen Kinder bei ihren verheirateten Eltern. Eine solche Normalität spiegelt sich jedoch in immer weniger Filmen und Serien wider.

Zu den rühmlichen Ausnahmen gehört etwa der gerade auf DVD erschienene US-amerikanische Spielfilm „Immer Ärger mit Grandpa“, der von einem Witwer handelt, der alleine nicht mehr zurechtkommt, und deshalb von seiner Tochter zu sich und ihrer Familie geholt wird. Allerdings zeigt sich ihr 12-jähriger Sohn nicht so begeistert, dass er dem Großvater sein Zimmer überlassen soll, weshalb er gegen ihn einen „Kleinkrieg“ beginnt.

Eine natürliche Familie, wie sie 1984 noch bekannt war

Wohl deshalb, weil der Film auf dem 1984 erschienenen, preisgekrönten Kinderbuch „The War with Grandpa“ von Robert Kimmel Smith (1930–2020) basiert, zeigt er ein Familienbild, das in heutigen Filmen und Serien ein Nischendasein fristet: Ein glücklich verheiratetes Paar mit drei Kindern, das darüber hinaus den Opa nicht in ein Altersheim abschiebt, sondern in ihr Haus aufnimmt. Dass trotz Richtlinien der US-amerikanischen Filmakademie und der deutschen Filmförderung solche Filme weiterhin gedreht werden, lässt hoffen, dass die Filmwelt (noch) nicht den Draht zur Realität der meisten Menschen verloren hat.


Filmtipp: „Immer Ärger mit Grandpa“, Regie: Tim Hill, USA 2018, 94 Minuten. DVD, EAN 4009750203224, EUR 13,54

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