Berlin

Die Unschuld, die Leben verändert

Der türkische Spielfilm „7. Kogustaki Mucize“ regt zum Nachdenken über Schuld und Vergebung, aber auch über die Elternschaft.

Garcías Filmtipp: „7. Kogustaki Mucize“
Der geistig behinderte Memo (Aras Bulut Iynemli) lebt glücklich mit seiner Mutter Fatma (Celile Toyon Uysal) und seiner kleinen Tochter Ova (Nisa Sofiya Aksongur), als er beschuldigt wird, ein Mädchen getötet zu haben. Foto: medium.com

Der südkoreanische Regisseur Lee Hwan-kyung  drehte 2013 einen Film mit dem internationalen Titel „Miracle in Cell No. 7“ („Wunder in der Zelle Nr. 7“), der zu seinem regelrechten Kassenschlager wurde. Darauf folgten Remakes in Indien, den Philippinen, Malaysia und auch in der Türkei. Netflix bietet auf seinem Streaming-Portal „7. Kogustaki Mucize“, die türkische Adaption von Lee Hwan-kyungs Film. 

Beschuldigt, die Tochter eines Offiziers getötet zu haben

Im Mittelpunkt steht der geistig behinderte junge Mann Memo (Aras Bulut Iynemli), der im April 1983 zusammen mit seiner Mutter Fatma (Celile Toyon Uysal) und seiner kleinen, naiven aber sehr intelligenten Tochter Ova (Nisa Sofiya Aksongur) lebt.

Memos glückliches Leben als Schafshirte, der jedes seiner Schafe mit Namen kennt, endet jäh, als er beschuldigt wird, die Tochter eines hohen Offiziers getötet zu haben. Obwohl Memo seine Unschuld beteuert – der Zuschauer kennt auch den wahren Hergang der Ereignisse –, wird der junge Mann zum Tode verurteilt. Bis zur Vollstreckung teilt er sich die Zelle Nummer 7 im Gefängnis mit einer Reihe Krimineller.

 

Obwohl der Film einerseits die Gewalt in türkischen Gefängnissen realistisch darstellt, andererseits in der Darstellung der Vater-Tochter-Beziehung an der Gefühlsduselei gerade noch vorbeischrammt, überzeugt „7. Kogustaki Mucize“ insgesamt dank der großartigen schauspielerischen Leistungen. Die Mischung aus realistischen und Fabelelementen, die an Frank Capra, aber auch an modernere Filme wie „I Am Sam“  (Jessie Nelson, 2001) erinnert, wird sowohl visuell als auch musikalisch unterstützt.

Der Film zeichnet sich durch tiefe Menschlichkeit aus

„7. Kogustaki Mucize“ zeichnet sich durch eine tiefe Menschlichkeit aus; bemerkenswert in dem Zusammenhang ist etwa, wie Memo durch sein frohes Wesen das Leben der anderen Zelleninsassen verändert. Der Film bietet aber auch eine Reflexion nicht nur über Gerechtigkeit, Schuld und Vergebung (ausdrücklich wird vom gläubigen Muslim Jesus zitiert: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“), sondern auch über Elternschaft: „Wer weiß hier besser als er, was Vatersein bedeutet?“.

„7. Kogustaki Mucize“, Regie: Mehmet Ada Öztekin, 132 Minuten, auf Netflix

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