Aus Liebe zum Bruder in den Krieg ziehen

Der Spielfilm „Nur ein Augenblick“ erzählt von der Suche nach Identität zwischen den Kulturen, aber auch von der Liebe einer Frau

Aus Liebe zum Bruder in den Krieg ziehen
Der syrische Student Karim (Mehdi Meskar) lebt seit Jahren in Hamburg, wo seine Freundin Lilly (Emily Cox) ein Kind erwartet. Als er aber davon erfährt, dass sein in Syrien lebender Bruder in Gefahr ist, muss er eine Entscheidung treffen. Foto: Sören Schult

Das Gefühl eines Lebens „zwischen zwei Welten“ bei Menschen mit Migrationshintergrund, die sich durch einen vollends in Deutschland integrierten Lebensvollzug auszeichnen, ohne jedoch gleichzeitig auf (Bluts-)Bande in der „alten Heimat“ verzichten zu wollen oder zu können, hat kürzlich die mit ihren mongolischen Elternin der DDR aufgewachsene Drehbuchautorin und Regisseurin Uisenma Borchu in ihrem Spielfilm „Schwarze Milch“ (DT vom 23. Juli) anhand der Geschichte zweier Schwestern glänzend verdeutlicht.

Hin- und hergerissen zwischen neuer und alter Heimat

Vom Aufeinandertreffen zweier Kulturen in einer Extremsituation erzählt etwa das Spielfilmdebüt „Im Feuer“ (DT vom 20. Februar) der deutsch-griechischen Regisseurin Daphne Charizani. Dessen Protagonistin, die gebürtige Kurdin Rodja, lebt lange in Deutschland, und verpflichtet sich für die Bundeswehr. Als ihre Mutter aus dem Irak flieht, aber ihre Schwester dort vermisst wird, meldet sich Rodja zu einem Auslandseinsatz. Daphne Charizani gelingt es, Rodjas Zwiespalt zwischen ihrer Herkunft und ihrem (neuen) Land mit der unbedingten Schwesterliebe sowie mit der Liebe zu ihrer Mutter zu verknüpfen. Auch der nun im regulären Kinoprogramm startende Spielfilm „Nur ein Augenblick“ von Randa Chahoud handelt von einem jungen Menschen, der in Deutschland lebt, aber von den Ereignissen in seinem Heimatland eingeholt wird: Der syrische Student Karim (Mehdi Meskar) lebt seit einigen Jahren in Hamburg mit seiner Freundin Lilly (Emily Cox), die ein Kind erwartet.

Karim muss sich entscheiden

Als seine Eltern endlich Syrien verlassen und über die Türkei nach Deutschland reisen können, entscheidet sich sein älterer Bruder Jassir (Tariq Al-Saies) in letzter Minute, in Syrien zu bleiben, um gegen das Regime zu kämpfen. Nun fliegt Karim kurzerhand in die Türkei, um zur syrischen Grenze zu gelangen. Dort bekommt er heraus, dass sein Bruder in ein berüchtigtes Foltergefängnis verschleppt wurde, das nun die Rebellen stürmen wollen. In einem Augenblick muss sich nun Karim entscheiden, ob er zurück nach Hamburg fährt oder bleibt. Zu „Nur ein Augenblick“ führt Drehbuchautorin und Regisseurin Randa Chahoud, Tochter eines syrischen Toxikologen und einer deutschen Politikwissenschaftlerin, aus: „2012 habe ich einen Libyer kennengelernt, der in Berlin studierte, als sein Bruder von Gaddafis Armee verhaftet wurde. Er hat daraufhin alles aufs Spiel gesetzt – seine Beziehung, sein Studium, sein Leben – und ist als Rebell gegen Gaddafi in den Krieg gezogen.“

Allerdings erzählt der Film auch von der unbedingten Liebe einer jungen Frau, die alles in Bewegung setzt, um ihren geliebten Mann zu finden.

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