Berlin

Mutter und Tochter versöhnen sich

"Pieces of April" (2003) von Peter Hedges - Teil 5 der Serie Familienfilme zeigt den Wert des Zusammenhalts.

Fimtipp: "Pieces of April" - Filmszene mit Katie Holms
April (Katie Holms) war schon immer das schwarze Schaf der Familie Burns. Seit einiger Zeit lebt sie in einem schäbigen Mietshaus in New York. Zur Versöhnung mit ihrer sterbenskranken Mutter hat sie ihre Familie zum Thanksgiving eingeladen. Foto: IN

Die Punkerin April (Katie Holmes) hat mit ihrer Mittelschicht-Familie gebrochen und ist aus der Provinz ganz weit weg in das große New York gezogen, wo sie mit ihrem Freund Bobby (Derek Luke) in einem winzigen Apartment eines verwahrlosten Mietshauses wohnt. Weil die Mutter Joy (Patricia Clarkson) an Brustkrebs erkrankt ist und offensichtlich nicht mehr lange zu leben hat, sucht Aprils Vater Jim (Oliver Platt) die Versöhnung zwischen Mutter und Tochter. Deshalb haben sich die Eltern, die zwei jüngeren Geschwister und auch die an Alzheimer leidende Oma zum Truthahnessen am Thanksgiving-Tag angekündigt.

Das schwarze Schaf der Familie

April gibt sich auch Mühe. Nur der Ofen streikt, und die junge Frau klappert das ganze Mietshaus ab auf der Suche nach einem ihrer neuen Nachbarn, der ihr für ein paar Stunden seinen Ofen leiht. Dadurch lernt sie eine ganze Reihe seltsamer, aber auch liebenswürdiger Menschen kennen. Von ihrem Freund Bobby kann sie auch keine große Hilfe erwarten, da er nicht nur einen Anzug für den Anlass kaufen muss, sondern auch erfährt, dass ein mysteriöser Mensch auf der Suche nach ihm ist. Parallel dazu verfolgt der Film, wie sich die Familie auf die weite Reise nach New York macht, ohne dass keiner von ihnen eigentlich rechte Lust dazu hätte, das schwarze Schaf der Familie zu besuchen. Irgendwann einmal stellt etwa die Mutter empört fest, dass sie nicht eine einzige positive Erinnerung an Aprils Kindheit besitzt. Peter Hedges hatte bereits als Drehbuchautor mit „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ (1993) und „About a Boy oder: Der Tag der toten Ente“ (2002) große Erfolge gefeiert, ehe er mit „Pieces of April – Ein Tag mit April Burns“ sein Regiedebüt lieferte. Später folgten „Dan – Mitten im Leben“ (2007), „Das wundersame Leben von Timothy Green“ (2012) und zuletzt „Ben is Back“ (DT vom 10.1.2019).

Mit Digitalkamera gedreht, zeichnet Hedges in „Pieces of April“ mit viel Liebe zum Detail und mit feinem Gespür für ironischen Humor, die mit tragischen Momenten hervorragend verknüpft werden, einen Tag im Leben einer jungen New Yorkerin und deren Familie. Der Regisseur schildert darüber hinaus die multikulturelle Welt von Aprils Nachbarn: Das gutmütige, sich stets streitende schwarze Ehepaar, den Pedanten mit Schoßhündchen und nagelneuer Küche oder auch die chinesische Familie, die kein Wort Englisch versteht. So besteht der Film aus der Parallelmontage von zwei Teilen. Spielt sich der eine so gut wie ausschließlich in dem Mietshaus ab, so ist der andere Teil ein Road Movie.

Famos geschnittener Film

Aus den wenigen Mitteln, die ihm offenbar zur Verfügung standen, machte Regisseur Peter Hedges eine echte Tugend: Wirken die Video-Bilder grobkörnig und die Handkamera hin und wieder verwackelt, umso sorgfältiger widmete er sich der Parallelmontage – der famose Schnitt hat entscheidenden Anteil am stimmigen Rhythmus von „Pieces of April“, wozu auch die mit schöner Musik unterlegten „Schlussbilder“ gehören. Größtenteils lebt der Film von der großartigen Besetzung. Insbesondere Patricia Clarkson, die für diese Rolle für den Oscar nominiert wurde, und Katie Holmes verkörpern Mutter und Tochter mit großer Authentizität. Mit den bestens besetzten Nebenrollen in den skurrilen Charakteren könnte „Pieces of April“ allerdings beinahe auch als Ensemblefilm bezeichnet werden.

Am Beispiel von April und ihrer Mutter verdeutlicht „Pieces of April“, dass es für eine Versöhnung nie zu spät ist. Darüber hinaus transportiert der Regisseur hier Werte wie Ehrlichkeit, Zusammenhalt und gegenseitige Achtung in der Familie. Hedges' Regiedebüt ist deshalb vor allem ein wirklich bewegender Film, der auf ungewöhnliche, dafür aber glaubwürdigere Weise als die üblichen Hollywood-Schnulzen Familienwerte und Solidarität feiert.