Berlin

Missglückter Start als Streaming-Dienst

Mit „Apple TV+“ möchte Apple auf dem Markt der Online-Plattformen mitmischen. Das Angebot ist aber bislang mager und eher mittelmäßig.

Apple
Apple hat viel in den neuen Streamingdienst „Apple TV+“ investiert. Das inhaltliche Angebot überzeugt bisher jedoch nicht. Foto: Peter Kneffel (dpa)

Seit November kann der neue Apple-Streamingdienst „Apple TV+“ in Deutschland empfangen werden. Für 4,99 Euro im Monat steht auf jedem Endgerät des Technologieriesen der Apple TV+-„Content“ zur Verfügung. Worin besteht aber dieser Inhalt? Wird er den großen Plattformen „Netflix“, „Amazon“, „HBO“ Konkurrenz machen können? Jedenfalls lässt sich Apple diesen Gang einiges kosten – laut „Financial Times“ sechs Milliarden Dollar.

Bereits im März 2019 wurde die neue Plattform vorgestellt. Zusammen mit Apple-Chef Tim Cook erschienen etliche Hollywood-Stars und -Filmemacher, die für einzelne Projekte gewonnen werden konnten: Neben den Regisseuren Steven Spielberg und J. J. Abrams waren es insbesondere auch Jennifer Aniston und Reese Witherspoon. Zum Anfangsangebot „AppleTV+“ gehört denn auch die Serie, in der die zwei Schauspielerinnen die Hauptrollen spielen. Die zehnteilige Serie „The Morning Show“ gilt als Flaggschiff der neuen Plattform. Allerdings wurde sie von der Kritik bislang mit wenig Begeisterung aufgenommen – zu Recht. Denn die Story von der routinierten, frustrierten Nachrichtensprecherin, die sich gegen eine aufstrebende jüngere Kollegin wehren muss, erinnert etwa an den Spielfilm „Late Night – Die Show ihres Lebens“ (DT vom 29.08.2019). Interessant bei „The Morning Show“ nimmt sich allerdings die Frage nach einem seriösen Journalismus aus, der vom Entertainment zurückgedrängt wird.

Durch einen Virus sind die Menschen blind geworden

Die vorwiegend weibliche Sicht hat die Serie mit der ebenfalls zum Startangebot gehörenden Science-Fiction-Fantasie „For all Mankind – Der Wettlauf geht weiter“ gemeinsam. Sie geht von der Vorstellung aus, dass 1969 die Sowjetunion als erste Weltraummacht den Mond erreicht, woraufhin die NASA beschließt, Frauen auf den Mond zu bringen. Frauen spielen darüber hinaus die Hauptrolle in der Fantasy-Serie „See – Reich der Blinden“. Die Dystopie spielt sich in einer weit entfernten Zukunft ab: Nachdem ein verheerendes Virus die Weltbevölkerung zum größten Teil ausgelöscht hat, sind die Überlebenden und ihre Nachkommen blind.

Einen Schritt weiter macht „Dickinson“, die zehnteilige Filmbiografie der US-amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (1830–1886). Darin nimmt die angebliche lesbische Beziehung der von Hailee Steinfeld dargestellten Dichterin zu ihrer Schwägerin Sue einen breiten Raum ein. Die Existenz einer solchen Beziehung ist allerdings nicht unumstritten. Einerseits spricht sich Seth Perlow von der Georgetown University in „Los Angeles Review of Books“ dafür aus: Beweise seien zwar nach Dickinsons Tod „aus Eifersucht, ,Homophobie‘ und Angst vor einem Skandal“ vernichtet worden. Die Briefe der Dichterin an ihre Jugendfreundin und Schwägerin sprächen aber eine eindeutige Sprache. Dem hält die Literaturkritikerin Gisela Trahms entgegen, Dickinsons Gedicht „Wilde Nächte“ beziehe sich auf einen verheirateten Pfarrer Charles Wadsworth, den Emily 1858 in Philadelphia predigen hörte.

Zum „Apple TV+“-Startangebot gehört die vom bekannten Regisseur M. Night Shyamalan produzierte Mystery/Horror-Serie mit dem Titel „Servant — Glaube nicht, was du siehst“. Shyamalan führt bei zwei der zehn Folgen – von denen bislang acht eingestellt wurden – auch Regie. Darüber hinaus bietet die neue Plattform die Jugendserie „Vier Freunde und die Geisterhand“ („Ghostwriters“), die ebenfalls im „Mystery“-Bereich angesiedelt ist, und entfernt an den großen „Netflix“-Erfolg „Stranger Things“ erinnert. An Kinder im Vorschulalter wenden sich die an „Sesamstraße“ angelehnte Serie „Helpsters – Das Monsterquartett“ sowie die auf den berühmten Charakteren von Charles M. Schulz basierende Cartoon-Serie „Snoopy im All“. Der Dokumentarfilm „Die Elefantenmutter“ und das Buchmagazin „Oprah's Book Club“ mit der in den Vereinigten Staaten sehr bekannten Schauspielerin und Moderatorin Oprah Winfrey vervollständigen das Angebot.

Die Konkurrenz für Apple ist erdrückend groß

Apple hat sich offensichtlich darauf konzentriert, eher auf Qualität als auf Quantität zu setzen. Die anfängliche Begeisterung ist jedoch einer gewissen Ernüchterung, ja Enttäuschung gewichen. Obwohl die bislang produzierten Serien in Sachen Bildqualität, Ausstattung und Staraufgebot stimmen, können sie sich mit den bekannten „Netflix“-Serien kaum messen. Vielleicht ist es etwas zu früh, um ein endgültiges Urteil abzugeben. Eins steht jedoch fest: Sobald Disney Plus mit dem ganzen Filmkatalog von Disney, Pixar, Star Wars und Marvel weltweit an den Start geht, wird es für „Apple TV+“ auf dem Markt der Streaming-Dienste noch enger.

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