Berlin

Geschäfte auf Kosten der Gesundheit

Basierend auf wahren Ereignissen erzählt der ARD-Spielfilm „Was wir wussten - Risiko Pille“ von den Risiken der Antibabypille.

„Was wir wussten – Risiko Pille“
Dr. Carsten Gellhaus (Stephan Kampwirth, links) soll die Marktzulassung einer neuen Antibabypille vorantreiben. Bald kommen ihm jedoch Zweifel. Foto: ARD

Die „Antibabypille“ wird heutzutage, mehr als fünfzig Jahren nach deren Einführung, laut dem „Pillenreport 2015“ der Techniker Krankenkasse in Deutschland von sechs bis sieben Millionen Frauen eingenommen. Zu Risiken und Nebenwirkungen wird meistens kaum etwas gesagt. So zitiert der Pillenreport eine Frau, die aufgrund der Pille eine Lungenembolie erlitt, mit folgenden Worten: „Mir hat damals keiner was von einem erhöhten Risiko gesagt, im Gegenteil. Meine Pille wurde mir von meinem Arzt als besonders schonend und niedrig dosiert verkauft. Auch aus dem Beipackzettel war eine erhöhte Thrombosegefahr nicht zu entnehmen.“ Der „Pillenreport 2015“ räumt darüber hinaus ein: „Es sind bereits zahlreiche Präparate zur oralen hormonellen Kontrazeption auf dem Markt, und es bestehen noch Unsicherheiten bezüglich des Thromboserisikos der verschiedenen Präparate im Vergleich zueinander.“

Unumstritten ist es aber, dass die „neueren und moderneren Präparate der 3. und 4. Generation“ ein erhöhtes Risiko darstellen – Der „Pillenreport“ verweist auf das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, das im März 2014 beschieden habe, „dass in den Fachinformationen für einige Pillen der 3. und 4. Generation auf das größere Thromboserisiko hingewiesen werden muss“. Dennoch werden sie „wesentlich häufiger verordnet“ als die Pillen der sogenannten 1. und 2. Generation. Der Grund: „Neue Arzneimittel [können] zu höheren Preisen vermarktet werden.“

Risiken, Nebenwirkungen und der geschäftliche Erfolg

Basierend auf wahren Ereignissen verdeutlicht der Spielfilm „Was wir wussten – Risiko Pille“, den die ARD am Mittwochabend ausstrahlt, die Markteinführung einer solchen Antibabypille: Zur Markteinführung einer neuen Antibabypille namens „Bellacara“, die ein Pharmakonzern entwickelt hat, gehört nicht nur der Antrag auf Zulassung, den Dr. Carsten Gellhaus (Stephan Kampwirth) vor dem von den Behörden gesetzten Termin abschließen, sondern auch eine Studie über Risiken und Nebenwirkungen, die Heiko Ottenbruch (Oliver Fleischer) durchführen soll.

Die Gruppenleiterin Sabine Krüger (Nina Kronjäger) interessiert jedoch nur die Werbekampagne, die „Bellacara“ vor allem als „Lifestyle-Produkt“ vermitteln soll. Das bedeutet, dass neben der verhütenden Wirkung des Präparats insbesondere „Beauty“-Aspekte – eine reine Haut, eine schönere Figur und tolle Haare – der Zielgruppe der 11- bis 20-Jährigen durch altersgemäße Werbung vermittelt werden sollen. Dazu werden auch die Social-Media-Stars Mimi und Maja (Lena und Lisa Mantler) engagiert.

Nach zähen 30 Minuten, in denen die Beziehungen der fiktionalen Figuren ausgebreitet werden, kommt das Drehbuch von Eva und Volker A. Zahn zum entscheidenden Punkt: Dem Gewissenskonflikt, den Carsten Gellhaus spürt, als er vom erhöhten Tromboserisiko von „Bellacara“ erfährt. Seine Versuche, dem Verdacht nachzugehen, zumal nachdem er die Pille bei seiner 16-jährigen Tochter findet, stoßen jedoch auf den erbitterten Widerstand der Gruppenleiterin, die lediglich an den geschäftlichen Erfolg denkt.

Für die „wahren Ereignisse“ stehen die fünf Frauen, die am Ende des Filmes mit Namen genannt werden: Die schwarz-weißen Porträts erwähnen ihr Alter und die Krankheit, die sie durch die Einnahme der betreffenden Pille erlitten haben. Erwähnt wird darüber hinaus, dass zum Zeitpunkt der Dreharbeiten vor deutschen Gerichten mehrere Schadensersatzklagen anhängig seien, sowie dass in den Vereinigten Staaten das Pharmaunternehmen „bisher 2, 1 Milliarden Dollar an 10 700 betroffene Frauen ausgezahlt“ habe.

„Was wir wussten – Risiko Pille“. Regie: Isa Prahl. Mittwoch, 23. Oktober, 20.15 Uhr im Ersten.