Würzburg

Frauen am Rande der Gesellschaft

„Der Glanz der Unsichtbaren“ erzählt unaufgeregt und mit einer Prise Humor davon, obdachlosen Frauen eine Lebensperspektive zu geben.

Garcías Filmtipp: "Der Glanz des Unsichtbaren"
Manu (Corinne Masiero), Audrey (Audrey Lamy), Angélique (Déborah Lukumuena) und Hélène (Noémie Lvovsky, von links) versuchen, den obdachlosen Frauen in der nordfranzösischen Tagesstätte eine Perspektive für ihr Leben zu geben. Foto: Piffl Medien

In einer nordfranzösischen Stadt drängen sich Frauen in der Kälte vor dem Eingangstor zu einer Tagesstätte zusammen. Angélique (Déborah Lukumuena) erinnert sie daran, dass „L’Énvol“ erst um acht Uhr ihre Tür öffnet. Die obdachlosen Frauen dürfen sich zwar hier tagsüber aufhalten, aber abends müssen sie wieder hinaus, etwa um in einem Obdachlosenheim die Nacht zu verbringen.

Frauen, die Beruf oder Familie verloren haben

Zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen Angélique und Audrey (Audrey Lamy) sowie mit der Freiwilligen Hélène (Noémie Lvovsky) versucht die Leiterin der kommunalen Einrichtung Manu (Corinne Masiero), den Frauen eine Perspektive zu geben, ihnen bei Bewerbungen zu helfen. Sie organisieren Workshops und, als die Tagesstätte geschlossen werden soll, verwandeln sie gesetzwidrig ein leer stehendes Gebäude in eine Unterkunft, wo die obdachlosen Frauen übernachten können.

 

Basierend auf dem Buch „Sur la route des invisibles: Femmes dans la rue“ von Claire Lajeunie erzählt Drehbuchautor und Regisseur Louis-Julien Petit unaufgeregt von Frauen, die meistens einen Beruf, vielleicht auch eine Familie verloren haben, um auf der Straße zu landen.

Weit entfernt von galliger Sozialkritik

Auch wenn Petit das harte Leben dieser größtenteils vor sich hinvegetierenden Frauen realistisch zeigt – die mit aller Härte durchgeführte Zwangsräumung eines Schlaflagers durch die Polizei verdeutlicht dies – ist sein Film weit entfernt von der galligen Sozialkritik eines Ken Loach. Louis-Julien Petit setzt eher auf kleine Gesten, etwa auf Catherines (Marie-Christine Orry) Fähigkeit, überall einzuschlafen, auch mitten in einem Gespräch, oder auf die burschikose Aufrichtigkeit von Chantal (Adolpha von Meerhaeghe). Der freundliche Blick des Regisseurs wird durch humorvolle Momente unterstrichen.

Besondere Authentizität verleiht dem Film der Umstand, dass die meisten Rollen der wohnungslosen Frauen mit Laiendarstellerinnen besetzt wurden. Es handelt sich laut Petit um Frauen, „die die Wohnungslosigkeit aus eigener Erfahrung kannten, und ihre Situation mittlerweile verändert hatten.“