Film zum Dichter Jochen Klepper

Jochen Klepper (1903–1942) arbeitete als christlicher Schriftsteller, Journalist und Dichter in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Evangelischen Gesangbuch stehen 13 seiner Lieder, im katholischen sechs. Ende 1942 scheiterte die Ausreise seiner jüdischen Frau Johanna und seiner ebenfalls jüdischen Stieftochter Renate aus dem ehemaligen Deutschen Reich. Von Adolf Eichmann vor die Goebbelsche Alternative Beruf oder Ehe gestellt, traf Jochen Klepper eine unerhörte Entscheidung, die freilich mit ihm tausende Deutsche in Mischehe teilten. In ihrer Angst vor Trennung, Ungewissheit und Folter begingen die Eheleute gemeinsam Suizid.

Hildegard Klepper veröffentlichte nach Kriegsende die Tagebücher ihres Bruders Jochen. Daraus verfasste Benjamin Martins das Drehbuch für den Spielfilm „Schattenstunde“. Beginnend mit der letzten Begegnung zwischen Klepper und SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann am 10. Dezember 1942, als Eichmann den Ausreiseantrag für Johanna Klepper und deren Tochter Renate ablehnte, verwebt das Drehbuch die letzten Gespräche der Familie mit Tagebucheinträgen Kleppers. Die filmische Aufarbeitung der Tagebucheinträge Jochen Kleppers bietet einen tiefen Einblick in eine dunkle Epoche der deutschen Geschichte.

In Speyer fiel kürzlich die letzte Klappe zu Benjamin Martins Langfilmdebüt. Laut der Produktionsfirma übertrage Regisseur Martins die Einschränkung des Lebens Jochen Kleppers im Dritten Reich dadurch auf die Leinwand, dass diese nicht im Ganzen bespielt werde. Sie bleibe an den Seiten schwarz, so dass der Film in den Kinos als Quadrat zu sehen sein werde. Und auch im Film selbst bleibe sich der Regisseur in seiner Symbolik treu. Denn der Wohnraum der Familie Klepper, der im Verlauf des Films immer kleiner und enger werde, zeige sich dem Zuschauer ebenfalls als Quadrat.

Der Kinostart von „Schattenstunde“, dem Langspielfilmdebüt von Benjamin Martins, ist für 2020 im Verleih von Missing Films geplant. J.G.