Würzburg

Erlösung von der eigenen Vergangenheit

Das Leben noch einmal neu beginnen: „Nach der Hochzeit“ (2006) – Teil 9 der Serie Familienfilme.

"Nach der Hochzeit" (2006)
Jacob (Mads Mikkelsen) führt in Indien ein Waisenhaus. Als er wegen einer Spende von einem Geschäftsmann nach Kopenhagen gerufen wird, begegnet er überraschend seiner Jugendliebe Helene (Sidse Babett Knudsen) wieder. Foto: IN

In „Nach der Hochzeit“ („Efter Brylluppet“) verfilmte Susanne Bier im Jahre 2006 zum dritten Mal ein Drehbuch von Anders Thomas Jensen. Wie in den meisten seiner Drehbücher entwirft der dänische Autor erneut vom Schicksal gezeichnete Figuren auf der Suche nach Erlösung von der Vergangenheit.

Im Mittelpunkt von „Nach der Hochzeit“ steht Jacob (Mads Mikkelsen), der seit zwei Jahrzehnten in Indien lebt, wo er ein Waisenhaus leitet. Als ein reicher dänischer Geschäftsmann eine großzügige Spende in Aussicht stellt, knüpft er sie an eine Bedingung: Jacob muss den Spendenvertrag in Dänemark persönlich unterschreiben. So lernt der widerwillig in sein Heimatland reisende Jacob den Selfmademan Jorgen (Rolf Lassgaard) kennen, der sich allerdings nicht sonderlich bemüht, die Angelegenheit schnell unter Dach und Fach zu bringen.

Stattdessen lädt er Jacob zur Hochzeit seiner Tochter Anna (Stine Fischer Christensen) ein, wo Jacob überraschenderweise auf seine Jugendliebe Helene (Sidse Babett Knudsen) trifft. Nach dem in warmen Farben und Panoramablicken fotografierten Prolog in Indien überwiegen Bilder aus der Handkamera und Großaufnahmen der Figuren, die eine emotionale Nähe zu ihnen schafft.

Allgemein gültige menschliche Fragen

Die zurückhaltende Filmmusik unterstreicht die intensiven Gefühle dieser Menschen aus Fleisch und Blut. Arbeitet das Drehbuch die Charaktere fein heraus, so steht die Inszenierung Susanne Biers ganz im Dienst der Darstellung. Die hervorragende Schauspielkunst der drei Hauptakteure, allen voran von Mads Mikkelsen, verleiht „Nach der Hochzeit“ große Glaubwürdigkeit. Aber auch Rolf Lassgaard gelingt es als Jorgen, ohne jegliche Melodramatik eine emotionale Tiefe offenzulegen, die der Zuschauer dem herrischen Geschäftsmann anfangs kaum zugetraut hätte.

Dem Gespann Bier-Jensen gelingt es mit kräftiger Unterstützung des Kameramannes Morten Soborg, allgemein gültige menschliche Fragen aufzuwerfen: Wie der Mensch eine belastende Vergangenheit bewältigen, wie er von der Schuld erlöst werden kann, um ein neues Leben zu beginnen. Regisseurin Susanne Bier schafft es mit scheinbarer Leichtigkeit und entlässt den Zuschauer mit erneuerter Hoffnung.

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