Berlin

Ein Antichrist zu Beginn des Jahres?

Die Netflix-Serie „Messiah“ weckt Widerspruch bei Christen und Muslimen wegen der Verunglimpfung ihres Glaubens.

Netflix-Serie „Messiah“
Ein junger Mann (Mehdi Dehbi, links), der sich „der zurückgekehrte Jesus“ oder auch „Das Wort“ nennt, und von vielen als Messias angesehen wird, erhält Unterstützung vom Baptisten-„Reverend“ Felix Iguero (John Ortiz). Foto: Netflix

Zu Jahresbeginn stellte die Streaming-Plattform Netflix eine Serie ein, die bereits in den ersten Tagen Widerspruch geweckt hat: Die aus zehn Folgen bestehende Serie „Messiah“ handelt von einem jungen Mann (Mehdi Dehbi), der unvermittelt in Damaskus zu der Zeit als Prediger auftritt, als der IS nach dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte die Stadt belagert. Die CIA-Agentin Eva Geller (Michelle Monaghan) soll herausfinden, wer der Mann ist, der sich selbst „der zurückgekehrte Isa (Jesus)“ oder „Milah“ (Das Wort) nennt, der von seinen Anhängern aber als „Al-Massih“ (Messias) bezeichnet wird.

Ist er ein Betrüger, der gar mit Terroristen in Verbindung steht und die politische Weltordnung zerstören will? Oder aber ein Prophet, der wirkliche Wunder vollbringt, wie seine Anhänger behaupten? Letzteres glaubt ausgerechnet der texanische Baptisten-Prediger Felix Iguero (John Ortiz), der sich in seinen Dienst stellt. Damit sind die drei Protagonisten unter einer Vielzahl an Figuren genannt, deren Handlungen und Schicksale die Serie miteinander verknüpft. Damit geht aber auch ein ständiger Szenenwechsel, ein andauerndes Hin- und Herwechseln zwischen den einzelnen Handlungssträngen einher, das den Erzählfluss hemmt. Selten gelingt dadurch eine überzeugende Parallelmontage wie die drei Stränge verknüpfende in der 9. Folge. Dass die Autoren im biografischen Hintergrund einiger Figuren falsche Fährten legen, sorgt eher für Verwirrung, anstatt Thriller-mäßige Spannung zu erzeugen.

Schwerer wiegt aber, dass „Messiah“ überhaupt keine metaphorische Lesart zulässt. Im Kern läuft die Serie auf die Frage hinaus, ob die außergewöhnlichen Taten des jungen Mannes – er geht etwa einmal übers Wasser – reale Wunder oder vielmehr Zaubertricks sind. Wobei CIA-Agentin Eva Geller genauso von einem bestimmten Glauben angetrieben wird wie Reverend Felix Iguero oder andere Anhänger von „Al-Massih“. Nur eben, dass sie fest daran glaubt, dass dieser Glaube falsch ist.

Netflix erregt erneut Anstoß mit religiösen Themen

Gegen die Serie hat es bereits Proteste von Menschen gegeben, die durch sie ihre Religion verunglimpft sehen. In einer Online-Petition auf „change.org“, die bereits von etwa 5 000 Menschen unterschrieben wurde, heißt es, die Serie basiere „auf islamischen Erzählungen der Ankunft von Dajjal“, dem Antichristen, der sich selbst – wie der Protagonist der Serie – Al Massih ad-Dajjal nennt. Die Petition prangert die „langsame Aufdeckung von böser und anti-islamischer Propaganda“ in der Serie an. So heißt es, vor dem Serienstart habe The Royal Film Commission von Jordanien Netflix gebeten, die Serie in ihrem Land nicht online gehen zu lassen. Allerdings sagte ein Netflix-Sprecher, eine solche offizielle Anfrage hätten sie nicht bekommen.

An den Antichristen glauben allerdings nicht nur Muslime. Dass ausgerechnet ein christlicher Prediger die rechte Hand Al Massihs wird, hat ebenfalls Zuschauer verstört. Deshalb wundert es nicht, dass sich unter den Unterzeichnern der Petition sowohl eine Katholikin aus dem US-amerikanischen Staat New York als auch ein Muslim aus Pakistan befinden.

Nachdem Netflix ausgerechnet zu Weihnachten den blasphemischen Film „Die erste Versuchung Christi“ (DT vom 19.12.2009) auf die Online-Plattform einstellte, fragt es sich, warum der Streaming-Dienst das neue Jahr mit einer Serie beginnt, die bei vielen Menschen aus religiösen Gründen Anstoß erregt.

„Messiah“. Erste Staffel mit zehn Folgen, insgesamt ca. 450 Minuten, „Netflix“