Berlin

Die kleine Schwester stört bei der Selbstverwirklichung

Das deutsche Drama „Idioten der Familie“ führt deutlich vor Augen, wie Egoismus den Zusammenhalt in der Familie zerstört.

Garcías Filmtipp: "Idioten der Familie"
Jahrelang hat Heli (Jördis Triebel, 2.v.r.) die viel jüngere, geistig behinderte Schwester Ginnie (Lilith Stangenberg) betreut. Die Brüder Frederik (Kai Scheve), Tommie (Hanno Koffler) und Bruno (Florian Stetter) waren meistens abwesend. Foto: Nadja Klier

In einer vom Individualismus geprägten Gesellschaft bleibt für die Solidarität in der (Groß-)Familie kaum Platz. Häufig handeln Spielfilme mal als Komödie, mal als Drama davon, dass ein Vater, eine Mutter im Alter von den eigenen Sprösslingen ins Altersheim abgeschoben werden soll, weil sie oder er den erwachsenen Kindern für deren Selbstverwirklichung im Wege steht.

Die drei Brüder wollen keine Verantwortung für die Schwester übernehmen

Michael Klier, der zusammen mit Karin Aström das Drehbuch zu „Idioten der Familie“ verfasste, Regie führt und den Film produziert, variiert die Ausgangslage insofern, als es hier die geistig behinderte Ginnie (Lilith Stangenberg) ist, die in eine Klinik gebracht werden soll. Die 26-Jährige lebt bei ihrer 40-jährigen Schwester Heli (Jördis Triebel) im Elternhaus am Rande von Berlin. Heli hat sich um das Nesthäkchen der Familie gekümmert, seit die Eltern tot sind. Nun will die Künstlerin aber ein neues Leben beginnen.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film

Ehe Ginnie ins Heim abgeschoben wird, kommen die drei Brüder Frederik (Kai Scheve), Tommie (Hanno Koffler) und Bruno (Florian Stetter) für ein Wochenende zu Besuch. Sie waren Heli nie eine richtige Hilfe, und lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sie keine Verantwortung für die unberechenbare kleine Schwester übernommen wollen.

Eindruck des "gefilmten Theaters"

Dadurch, dass der Film fast ausschließlich in einem Haus und an einem einzigen Wochenende spielt, entsteht der Eindruck, „Idioten der Familie“ sei so etwas wie gefilmtes Theater. Ein Eindruck, den die beobachtende Kamera von Patrick Orth verstärkt. Dadurch wird „Idioten der Familie“ aber auch zu einem Schauspieler-Film, wobei die von Jördis Triebel verkörperte Heli eine Reihe Nuancen aufweist, während die drei Brüder eher klischeehaft gezeichnet sind.

Die Beobachtungen, die Michael Klier insbesondere über die drei Brüder in seinen Film einfließen lässt, machen auch verständlich, warum er den Filmtitel in der Mehrzahl gewählt hat. Denn dieser bezieht sich keineswegs auf die geistig behinderte Ginnie.

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie diese aktuelle Ausgabe der Zeitung hier.