Würzburg

Der Große Computer sieht Dich

Die ästhetisch ansprechende, spannende Netflix-Serie „Omnipräsenz“ stellt moralische Fragen, die aber oberflächlich behandelt werden.

Garcías Filmtipp: "Omnipräsent"
In einem Überwachungsstaat versucht die junge Nina (Carla Salle) den Mord an ihrem Vater aufzuklären. Dafür muss sie allerdings einige Gesetze brechen. Sie kann aber auf die Hilfe der Stadtbeamtin Judite Almeida (Sandra Corveloni) rechnen. Foto: Netflix

Seit George Orwells 1949 erschienenem Roman „1984“ (Big Brother is watching you) kehrt der Topos eines Überwachungsstaates in Literatur und Film immer wieder, so zuletzt in der Romanverfilmung „The Circle“ (DT vom 07.09.2017).

Drohne verspricht "ein Leben ohne Angst"

Eine neue Version liefert nun die von Pedro Aguilera entwickelte, brasilianische Netflix-Serie „Omnipräsenz“ („Onisciente“), die in einer Großstadt (wohl São Paulo) in nicht näher definierter, aber naher Zukunft angesiedelt ist. „Ein Leben ohne Angst“ verspricht die Entwicklung einer privaten Firma, die von der Stadtverwaltung übernommen wurde: Jeder Einwohner wird von einer winzigen Drohne überwacht, die jedes nur so kleine Vergehen sofort meldet. Die Privatsphäre soll dadurch gewahrt bleiben, dass kein Mensch, sondern nur der Hauptcomputer Zugang zu den Daten erhält.

Im Mittelpunkt der Serie steht die junge Nina (Carla Salle), die als Auszubildende in besagter Firma an der Weiterentwicklung von Drohnen arbeitet. Als ihr Vater Inácio (Marco Antônio Pâmio) offensichtlich ermordet wird, ohne dass seine Drohne das Verbrechen meldete, beginnt sie an der Perfektion des Überwachungssystems zu zweifeln. Um an die Aufnahmen der Drohne seines Vaters heranzukommen, muss Nina selbst das Gesetz brechen. Dabei kann sie auf die spontane Hilfe der Stadtbeamtin Judite Almeida (Sandra Corveloni) rechnen.

Futuristische Welt in ansprechender Weise ausgebreitet

Über die Lösung des Kriminalfalles hinaus hält „Omnipräsenz“ immer inne, um in ästhetisch ansprechender Weise die leicht futuristische Welt vor den Augen des Zuschauers auszubreiten. Die Netflix-Serie konzentriert sich auf die Möglichkeit eines Fehlers in solch einem System. Dessen Konsequenzen sollen wohl Gegenstand einer zweiten Staffel werden. Die tiefgründigeren Fragen, etwa ob eine absolute Sicherheit eine Rundumüberwachung, ob die Aufklärung eines Verbrechens das Begehen anderer Verbrechen rechtfertigt, reißt die Serie zwar an, ohne sich jedoch mit ihnen ernsthaft zu beschäftigen.

„Omnipräsenz“. Creator: Pedro Aguilera, sechsteilige Serie mit insgesamt 270 Minuten. Auf Netflix

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