Berlin

"Bayern ohne Blasmusik"

Hätte auch in Ungarn spielen können: Schauspieler Simon Schwarz über den Film "Leberkäsjunkie".

Garcías Filmtipp: „Leberkäsjunkie“
Pathologe Günter (Michael Ostrowski, links) klärt Rudi (Simon Schwarz, Mitte) und Franz (Sebastian Bezzel) samt Baby Paul (Luis Sosnowski) auf, was es mit der aufgefundenen Leiche auf sich hat. Foto: Constantin / Bernd Schuller

Herr Schwarz: „Leberkäsjunkie“ ist vor allem ein Rita-Falk-Film. Wie würden Sie einen solchen Film beschreiben?

„Leberkäsjunkie“ ist der sechste Teil der Rita-Falk-Verfilmungen. Die Verfilmung eines Bestseller-Romans macht es für uns in der Vermarktung einfacher, gar keine Frage. Die Drehbücher sind allerdings eigenständig, die Vorlage wird immer etwas abgeändert – mit großer Unterstützung von Rita Falk, die zwar nicht an den Drehbüchern mitschreibt, aber seit vielen Jahren sie goutiert. Wir haben in erster Linie eine Komödie, obwohl es auch um einen Kriminalfall geht. Für mich als Schauspieler ist es egal, ob ich in einer Komödie oder einem Drama mitspiele. Als Schauspieler geht es immer um die Ernsthaftigkeit der Figur und um die Ernsthaftigkeit der Situation. Ich würde den Film eher als schwarze Kriminalkomödie charakterisieren. „Leberkäsjunkie“ ist aber auch eine Buddy-Komödie. Der Film lebt von der Freundschaft zwischen Eberhofer und Birkenberger. Wir begleiten sie durch ihre Höhen und Tiefen.

Wie ist die Beziehung zwischen dem Dorfpolizisten Franz Eberhofer und dem inzwischen als Privatdetektiv arbeitenden Rudi Birkenberger?

Franz Eberhofer hat in Niederkaltenkirchen einen riesigen Kosmos von Freunden und Familie, den wir inzwischen kennen. Dann gibt es diese Figur, Rudi Birkenberger. Er sitzt in München, aber die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit. Rudi Birkenberger muss immer wieder in diesen Kosmos hinein, den er aber kaum berührt. Denn er hat immer eigentlich nur mit Oma und Papa Eberhofer zu tun. Franz Eberhofer wird aus seinem Kosmos gerissen, um mit seinem Freund Birkenberger den Fall zu lösen. Nicht nur Franz rettet Rudi das Leben, auch Rudi rettet Franz oft. Es ist eine klassische Konstellation, aber anders erzählt als etwa Bud Spender und Terence Hill. Denn sie haben auch eine Hassliebe zueinander. Rudi ist ein sehr einsamer Mensch, der in München sehr bescheiden lebt, weil er als Privatdetektiv nicht viel verdient.

In diesen geschlossenen Kosmos kommen auch neue Figuren, zum Beispiel die Mooshammerin, die von Eva Mattes verkörpert wird. Wie kam es dazu, dass Eva Mattes hier mitspielte?

Wir freuen uns jedes Jahr wahnsinnig zu sehen, wer neu dazu kommt. Bei Eva Mattes ist es aber auch etwas Besonderes, weil sie dreizehn Jahre lang zusammen mit Sebastian Bezzel den Bodensee-Tatort gemacht hat. Bei einigen davon hat Regisseur Ed Herzog Regie geführt. Die beiden sind auch privat befreundet. Sebastian Bezzel und ich haben auch eine sehr enge Freundschaft, die auch die gegenseitigen Familien vereint. Eva Mattes wollte schon immer mit uns drehen, weil sie die Filme kannte. Obwohl ich sie persönlich noch nicht kannte, hatte ich – als wir zum ersten Mal zusammenstanden – den Eindruck einer Familienzusammenführung. Als sei sie eine Schwester, die nach der Geburt getrennt wurde.

Sie sagten, es gehe nicht in erster Linie um den Kriminalfall. Aber es geht auch um Mord ...

Natürlich geht es auch um den Mordfall. Und der ist nicht so lustig. Später geht es auch noch um Rassismus – eben sehr ernste Themen. Es ist natürlich jedem überlassen, wie ernst er es nimmt, aber ich glaube schon, dass im Film ruhigere und ernstere Töne sind. Der Mordfall ist dramaturgisch wichtig, um die Geschichte stringent voranzutreiben.

Wie bayrisch ist „Leberkäsjunkie“? Sind die Figuren überzeichnet?

Mit jedem Film gehen wir 14 Tage auf Kinotour. Dabei sehen wir viele kleinere und größere Städte, lernen viele Leute kennen. Häufig kommen die Leute in Tracht. Aber wir haben das im Film nicht. Wir erzählen kein Oberbayern mit Blasmusik und Trachten. Der Film spielt in Niederbayern, einem industriell geprägten Landesabschnitt – mit Automobilindustrie, Atomkraftwerken ... Es entspricht nicht dem Bild, das viele Menschen von Bayern haben, so mit Balkonblumen. Von der Tristesse her könnte man es mit Manchester oder Liverpool vergleichen. Trotzdem hat man den Eindruck, es sei etwas bayrisch Lustiges. Die Figuren sind vielleicht etwas überzeichnet, wir wissen aber unter anderem wegen des Ibiza-Videos, dass das Leben oft noch extremer ist. Wir würden uns nicht trauen, so stark zu überzeichnen, wie es das Leben manchmal tut.

Das ist also eine ganz andere Welt als die, in der die Filme von Marcus H. Rosenmüller angesiedelt sind?

Ja, genau. Denn er erzählt ein ganz anderes Bayern. Wir haben diese Tristesse, aber ich glaube, dass unsere Figuren eine archaische Zeichnung haben. Es gibt einen Metzer, einen Dorfpolizisten... Diese Konstellationen könnten in Brandenburg, in Ostfriesland... oder genauso gut in Spanien, Italien oder Ungarn vorkommen. Es ist nach Bayern gesetzt, könnte aber auch woanders spielen.

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Über den Film

„Leberkäsjunkie“ wird Dorfpolizist Franz Eberhofer einmal genannt, weil er sich über die Anweisung des Arztes: „Viel Gemüse und keine Leberkässemmeln mehr!“ hinwegsetzt. Aber der Eberhofer Franz muss sich nicht nur mit dem Cholesterinspiegel plagen.

Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff), die sich von ihm halbwegs getrennt hat, muss für eine Prüfung lernen, und parkt kurzerhand den kleinen gemeinsamen Sohn Paul bei Franz. Und da brennt es auf dem benachbarten Mooshammerhof.

Zunächst bricht Eberhofer nicht in Unruhe aus. Als jedoch die Leiche einer attraktiven Münchnerin entdeckt wird, und alles auf Mord hindeutet, muss er etwas tun.

Zum Kreis der Verdächtigen gehören die Mutter des Opfers, Frau Grimm (Anica Dobra), ein schwules Paar (Robert Stadlober, Manuel Rubey) sowie das lokale Fußballidol Buengo (Castro Dokyi Affum). Der selbst ernannte Münchner Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) eilt dem Eberhofer zu Hilfe, um ihn bei den Ermittlungen zu beraten. Inzwischen hat sich die ruppige Mooshammer Liesl (Eva Mattes) bei den Eberhofers einquartiert.

Rita Falk siedelt ihre Provinzkrimis um Franz, Papa und Oma Eberhofer im (fiktiven) Niederkaltenkirchen an, wobei laut der Autorin Frontenhausen im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau der Ort mit den meisten Ähnlichkeiten mit der fiktiven Kleinstadt sein soll. In Frontenhausen trägt der in den Verfilmungen prominent zu sehende Kreisverkehr denn auch offiziell den Namen Franz-Eberhofer-Kreisel.

Von den Romanen, die teilweise Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste belegten, sind bereits ab 2013 („Dampfnudelblues“) mit derselben Besetzung in den Hauptrollen und stets unter der Regie von Ed Herzog fünf verfilmt worden. Nun folgt mit „Leberkäsejunkie“ der sechste Film, der auf einer Rita-Falk-Vorlage basiert. Über den jeweiligen Kriminalfall hinaus geht es dabei um die Welt von Franz Eberhofer, um seine Beziehung zu Papa (Eisi Gulp) und Oma (Ilse Neubauer), zur Freundin Susi und natürlich auch zu seinem Ex-Kollegen Rudi Birkenberger. Obwohl die Krimis auch woanders spielen könnten, trägt der Eberhofer-Kosmos ganz deutliche Züge der niederbayerischen Provinz. J.G.