Würzburg

Abschied nehmen muss nicht schwer sein

Humorvoller, leicht melancholischer Familienfilm mit universellem Charakter: „The Farewell“.

Garcías Filmtipp: "The Farewell"
Billi (Awkwafina, rechts) erlebt ein wahres Wechselbad der Gefühle, als sie von ihrer geliebten, schwerkranken Oma (Zhao Shuzhen) Abschied nehmen soll. Denn auf Wunsch der Familie muss sie ihr ihren wahren Gesundheitszustand verheimlichen. Foto: dcm

„Der Film beruht auf einer wahren Lüge“, heißt es zu Beginn von Lulu Wangs Spielfilm „The Farewell“. Die darin erzählte Story hat sich also so oder ähnlich wirklich zugetragen. Die Lüge aber besteht in dem Vorwand, den die Familie von Nai Nai (Zhao Shuzhen) findet, um der alten Dame in China einen Besuch abzustatten, nachdem ihr Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wurde – was sie aber nach dem Willen der Familie nicht wissen darf.

Warmherziger Familienfilm mit fein gezeichneten Charakteren

Deshalb schiebt die Familie die Hochzeit eines Enkels mit seiner japanischen Braut vor, damit sich die Familie des ältesten Sohnes aus den Vereinigten Staaten und die des jüngsten Sohnes aus Japan ein letztes Mal um Nai Nai zusammenschart. Im Mittelpunkt des Filmes steht aber Nai Nais Enkelin Billi (Awkwafina) als Alter Ego der Regisseurin, deren Sicht „The Farewell“ übernimmt.

Regisseurin Lulu Wang gelingt ein warmherziger Familienfilm. Die fein gezeichneten Charaktere – allen voran die Oma und die Enkelin – spiegeln die Schwierigkeit wider, gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Kulturen zu leben. Zhao Shuzhen gelingt, eine charmante Oma darzustellen, die alle Familienmitglieder mit ihrem Humor für sich einnimmt, und alle Streitigkeiten beizulegen vermag. Die junge amerikanisch-chinesische Schauspielerin Awkwafina verkörpert glaubwürdig eine Billi, die zwischen Wut über die Lüge und der Liebe zur Oma hin- und hergerissen ist.

Ein Höhepunkt des Filmjahres

Mit einem genau austarierten Humor, der nie ins Flache kippt, schafft es Lulu Wang, den Zuschauer nicht nur zu unterhalten, sondern sich auch in einer der Figuren wiederzufinden, ihn zum Nachdenken über die Bedeutung der Familie zu bewegen.

In Wangs Film spielt die Musik von Alex Weston darüber hinaus eine zentrale Rolle: Von einer A-Capella-Version von Beethovens Klaviersonate Nr. 8 (Pathétique) bis hin zu „Senza di te“ von Fredo Viola (einer neuen Version von „Without You” von Harry Nilsson) und „Come Healing“ (Elayna Boynton), die sich hervorragend in die Handlung einfügen. „The Farewell“ ist ohne Zweifel ein Höhepunkt des Filmjahres.

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