Paris/New York

US-Forscher diskutieren: Sind Insektennamen „rassistisch“?

Können die Namen von Insekten „rassistisch“ sein? Die amerikanische Gesellschaft der Insektenforscher ist davon überzeugt und hat jetzt angekündigt, gebräuchliche „diskriminierende“ Bezeichnungen von Insekten zu ändern.

Diskriminierender Nachtfalter
Laut dem Figaro weist der Verband der Insektenforscher auf seiner Webseite darauf hin, dass jedermann neue Namen für diese Insekten vorschlagen könne, die „den Anforderungen der Diversität, der Gleichheit und der Inklusion“ entsprächen. Foto: Ingo Wagner (dpa)

Wie die französische Tageszeitung „Le Figaro“ berichtet, hat die „American Entomological Society“ beschlossen, einige „abfällige“ Bezeichnungen für Insekten zu streichen, die insbesondere von der Gemeinschaft der Roma als diskriminierend empfunden werden.

Dem Nachtfalter geht es an den Kragen

Damit folgen die Insektenforscher dem Vorbild der Vogelkundler der „American Ornithological Society“ und wollen „diskriminierende“ Bezeichnungen ausmerzen. Vor wenigen Tagen verkündete der Verein der Entomologen der Vereinigten Staaten, Insekten umzubenennen, deren allgemein gebräuchliche Namen für „rassistisch“ oder „abwertend“ gehalten werden könnten. Dabei handle es sich vor allem um den Nachtfalter mit der lateinischen Bezeichnung „Lymantria dispar“, der auf Deutsch „Schwammspinner“, auf Englisch aber „gypsy moth“ (auf Französisch „papillon gitan“) heißt, was den Falter im anglo- und frankophonen Sprachraum zu einem – wörtlich übersetzten - „Zigeunerschmetterling“ machen würde.

Ethel Brooks, Professorin der Frauen-, Gender- und Sexualwissenschaft an der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey ist selbst Roma. Sie halte die Entscheidung der Insektenforscher für revolutionär und meine, dass die Verwendung derartiger Insektennamen „rassistisch“ sei. Schließlich handle es sich um einen Schädling, dessen lateinischer Name Lymantria soviel wie „Zerstörer“ bedeute. Die behaarten Larven der Motte wirkten sich besonders zerstörend auf Wälder aus. Der für diese Nachtfalter gebräuchliche Name „gypsy moth“ solle damit auf ein „angeblich zerstörerisches Verhalten von Zigeuner- und Roma-Bevölkerungsgruppen verweisen“. Auch Vertreter der Ameisenart „Aphaenogaster araneoide“ – die im Englischen als „gypsy ant“ bezeichnet werden – gehören aufgrund dieser „diskriminierenden“ Bezeichnung zu den von der Gemeinschaft der Roma beanstandeten Insekten.

Unter Vergleich mit schädlichen Insekten gelitten

Der New York Times sagte Ethel Brooks in einem Interview, dass sie seit ihrer Kindheit unter dem Vergleich mit schädlichen Insekten gelitten habe: „So nimmt man uns wahr“, erinnerte sie sich. „Wir essen etwas und zerstören die Dinge um uns herum“. Darauf habe man nun seitens des amerikanischen Entomologen-Verbandes reagiert, wie dessen Vorsitzende Michelle Smith gegenüber dem Nachrichtensender CNN betonte: „Wir wollen, dass sich jeder in der Gemeinschaft der Entomologen willkommen fühlt. Wenn wir aber eine Nomenklatur verwenden, die dazu führt, dass sich die Leute ausgeschlossen oder ausgegrenzt fühlen, oder die dazu irgendwie beiträgt, dann gibt es keinen Grund mehr, sie weiter zu verwenden“. 

Laut dem Figaro weist der Verband der Insektenforscher auf seiner Webseite darauf hin, dass jedermann neue Namen für diese Insekten vorschlagen könne, die „den Anforderungen der Diversität, der Gleichheit und der Inklusion“ entsprächen.  DT/ks

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