Würzburg

Tagesposting: Politischer Moralismus spielt mit Voodoo Science

Es wirkt, als würden Politik und Gesellschaft zunehmend von Strömungen und Gefühlen geleitet, die rational oder wissenschaftlich mit dem Verstand nicht zu erklären sind. „Verrückte Aktivisten“ bestimmen die Richtung. Medien und Politik lassen sich von ihnen treiben.

Greta Thunberg und  Luisa Marie Neubauer (l.)
Luisa Neubauer ist bereits dadurch aufgefallen, dass sie gerne einen starken Staat hätte, der Klimaziele gegenüber den Bürgern konsequent durchsetze - zur Not mit Zwang. Für Norbert Bolz auch ein Grund genug, die Schulstreiker als demokratiebedrohende zu empfinden und als übergr... Foto: Jochen Eckel via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Wenn man sich von den Philosophen etwas wünschen dürfte, wäre es eine Kritik der politischen Urteilskraft. Die Schwierigkeit liegt darin, dass man politische Urteile nicht beweisen kann, sondern sie können sich nur bewähren. Denn es gibt keine Tatsachen im Politischen. Deshalb hat Max Weber Augenmaß und Verantwortung gefordert. Und tatsächlich war die Geschichte der Bundesrepublik bis zur Jahrtausendwende durch einen verantwortungsbewussten Reformismus geprägt.  

Davon kann heute nicht mehr die Rede sein. Mit einer simplen Fünf-vor-zwölf-Rhetorik will die politisch-mediale Elite in allen Lebensbereichen einen radikalen Wandel herbeiführen – mit dem Versprechen, dass man Deutschland bald nicht wiedererkennen wird. Man denke nur an die Energiepolitik ohne Atom und Kohle, die Auflösung der nationalstaatlichen Souveränität in Europa, die grenzenlose Massenmigration und die Kulturrevolution durch „Gendern“ und „Politische Korrektheit“. Wer hier nicht mitkommt, den nimmt der Staat gerne bei der Hand.

„Je schwächer der gesunde Menschenverstand,
desto stärker die Gesinnung.“

Und wer sich weigert, sieht sich von den Gesinnungspolizisten in die rechte Ecke der ewig Gestrigen gestellt. Das Syndrom des politischen Moralismus kann man auf die Formel bringen: Je schwächer der gesunde Menschenverstand, desto stärker die Gesinnung. Und wo Gefühle statt Argumente die Debatten bestimmen, kommt es ganz unvermeidlich zur Verteufelung der Andersdenkenden. Der politische Moralist sieht in politischen Gegner einen Unmenschen. So wird die Exkommunikation wieder aktuell – als sozialer Boykott.

Man muss wohl von einer Pseudomorphose der Demokratie sprechen. Die formalen Strukturen bestehen noch, aber es ist längst ein neuer Geist eingezogen. Und gerade die Aktivisten sehen in der Demokratie ein Auslaufmodell. Das gilt nicht nur für die übergriffigen Klimanotstands-Aktivisten, sondern auch für die Propagandisten des permanenten Ausnahmezustands der Pandemie. Das gilt vor allem aber für den globalen Paternalismus der Davos-Menschen, die – wie manche befürchten – mit einem „Great Reset“ im Schatten von Corona eine Weltrevolution von oben planen. Kleine Minderheiten bestimmen die Tagesordnung. Es gab schon immer Aktivisten mit verrückten Forderungen, aber das Neue ist, dass Politik und Medien ihnen nach dem Mund reden.

Ein okkultischer Schwindel

Die „woken“ Schüler, Studenten und Professoren, machen denjenigen, die in unseren Bildungsanstalten noch ihre fünf Sinne zusammen haben, das Leben zur Hölle. Gender Studies, Critical Whiteness Studies und ähnliche Erfindungen des „Dekonstruktivismus“ sind ein okkultistischer Schwindel, mit dem Salonbolschewisten vor einem alles ertragenden Publikum zaubern – oder wie die Amerikaner sagen: Voodoo Science. Alle Ideologien, die heute als progressiv gelten, haben der Wahrheit den Krieg erklärt. Mit ihrem Angriff auf Kultur, Geschmack und Intelligenzwollen die Taliban des Westens die letzten Reste von Geist und Geschichte tilgen: als Bilderstürmer und Denkmalsstürzer. Gäbe es das Buch nicht schon, so hätte „Der Untergang des Abendlandes“ wohl das Zeug zu einem Bestseller.

 

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