Würzburg

Tagesposting: Mit keinem Wort dabei

Corona hat die Zeitgeist-Kirche sprachlos gemacht. Sie hat sich selbst isoliert und wird nicht vermisst. Ist diese Krise der Tod der Kirche?

Das Ende der Kirche?
Die am Zeitgeist orientierte Kirche hat sich in der Corona-Krise selbstverschuldet überflüssig machen lassen. Vermisst wird sie nicht. Foto: Sven Hoppe (dpa)

Pfingsten gilt als Geburtsstunde der Kirche. Ist Corona ihr Tod? Klar, grundsätzlich gilt, was Jesus dem Apostel Petrus sagte: Die Pforten der Hölle werden die Gemeinde niemals überwinden (Matthäus 16, 18). Keine leere Versprechung: Seit 2000 Jahren hat die Christenheit alle Diktaturen, Ideologien und Verfolgungen überstanden. Im Gegenteil: Sie ist daran gewachsen, im Glauben gereift. Feindschaft wurde zum Echtheitstest. Heute jammert eine satte Wohlstandskirche, wenn ein paar Steuermillionen wegbrechen. Doch die Institution braucht keine Feinde von außen, ihre Religionsbeamten regeln das von innen selbst: Nach der Selbstsäkularisierung folgt nun die Selbstmarginalisierung, die Selbstverzwergung eines Unternehmens, das seit Pfingsten mit einer großen Botschaft die weite Welt evangelisierte. Das ist so, als würde BMW eine Fußgängerpartei gründen. Aus Unternehmern der frohen Botschaft sind Unterlasser mit Klageliedern geworden. Man brauche jetzt eine Reichensteuer, man müsse Verschwörungstheoretikern und Klimaleugnern entgegentreten.

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Der Autor ist TV-Moderator und Bestseller-Autor. Foto: Archiv

Aber warum feiern wir Himmelfahrt oder Pfingsten? Wer weiß das noch?! Pfingsten ging es um die Jesus-Botschaft, und die konnte dank des Heiligen Geistes jeder verstehen. Doch „Corona“ hat die Zeitgeist-Kirche sprachlos gemacht. „Ausgerechnet in größter Not verriegeln Kirchen die Türen“ (FAZ). „Kirche hat Ihre Autorität verloren“ (SZ). „Kirche rangiert hinter Baumärkten“ (WELT). Wenn heute Helden der Krise gefeiert werden, sind Pfarrer mit keinem Wort dabei. In den Merkel-Pressekonferenzen wurde Kirche nur auf ausdrückliche Nachfrage erwähnt. Vor 2000 Jahren hieß es selbst von den größten Feinden: Die ersten Christen hatten „Gnade bei dem ganzen Volk“ (Apg 2, 47). Warum? Weil sie ihren Glauben überzeugend lebten und den Herrscher im Himmel und nicht die Mächtigen auf Erden lobten.

„Die Führungs-Funktionäre werden vor
der Geschichte nicht geradestehen können“

Es gibt viele Ehrenamtliche, die sich zu Corona-Zeiten mit ideenreichen Videos oder Besuchen unter Balkonen krummgelegt haben. Die Führungs-Funktionäre werden vor der Geschichte nicht geradestehen können. Sie hätten im März sofort reklamieren müssen: Wir sind wie Pflegepersonal oder Feuerwehrleute systemrelevant. Wir ernennen „Corona-Pfarrer“ am Beispiel der Notfallseelsorger, die sofort Gesundheitstest und Schutzkleidung bekommen und jederzeit Zutritt zu Alten- und Pflegeheimen haben. Wir halten Gottesdienste gegen die Pandemie der Einsamkeit, wir gehen zu den Menschen, um das Virus gebrochener Herzen mit der Heilkraft des Evangeliums zu bekämpfen. Genau daran ist die 91-jährige Mutter meines Hüft-Operateurs gestorben. Und die Mutter (92) der Sängerin Gaby Baginsky nahm in einem kirchlichen Altenheim lebensbedrohende 20 Kilo ab. Kein Besuch! Totalisolation! Es ist die Institution Kirche, die sich selbstverschuldet isoliert hat und nicht mehr wahrgenommen oder vermisst wird. Während doch am historischen Pfingsten die Türen weit aufgerissen wurden, um die lebensrettende frohe Botschaft von Jesus Christus in alle Welt zu tragen. Gott sei Dank! Rückzug wird mit dem Entzug von Sympathie und dem Auszug von Mitgliedern bestraft. Christen erschreckt nicht Corvid 19, sie ermutigt Psalm 91.

Tagesposting: Der Senat und der Humor Gottes
Der Autor ist TV-Moderator und Bestseller-Autor. Foto: Archiv

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