München

Tagesposting: Das weggelegte „C“ bringt der CSU keinen Segen

Die Wandlung des Markus Söder: Innerhalb kurzer Zeit hat sich der bayerische Ministerpräsident vom Hoffnungsträger christlicher und konservativer Bürger, vom Verteidiger abendländischer Werte, zu einem angepassten, wie der Rest des Mainstreams redenden, die Grünen als Koalitionspartner umwerbenden und ehrgeizige Ambitionen zeigenden „Bundespolitiker“ gewandelt. Wird diese opportunistisch wirkende Metamorphose Segen bringen?

Claudia Roth und Markus Söder 2007
Neckisch: Schon 2007 flogen sich die Herzen zu: Claudia Roth (Grüne) und Markus Söder (CSU) während eines Empfangs des Bayerischen Landtagspräsidenten. 2021 buhlt der derzeit amtierende bayerische Ministerpräsident um eine Koalition zwischen Schwarz und Grün auf Bundesebene. Dafü... Foto: imago/Lindenthaler

„Da vom ,C‘ ja nicht mehr viel übrig ist, gehts jetzt anders himmelwärts!“ mailte mir eine Kollegin nach der traditionellen Klausur der CSU. Einer der Beschlüsse grenzt an Gaga oder Größenwahn: ein Weltraumbahnhof für Satelliten in der Nordsee. Nein, es war nicht der 1. April oder „Fastnacht in Franken“, als das „zukunftsweisende Projekt“ der staunenden Weltöffentlichkeit präsentiert wurde. Ich weiß nicht, was Corona mit Hirnen macht, aber ich habe eine Ahnung davon, was – biblisch gesagt – „zur Zeit oder zur Unzeit“ stattfindet.

Während rings herum das normale Leben zum Erliegen kommt, eine Pleite-Lawine rollt, Impfstoff-LKW heiße Luft statt tiefgekühltes Serum transportieren, Alte ungeschützt und ungetröstet sterben müssen und Kinder in die Verhaltensstörung getrieben werden, befasst sich die Christlich(!)-Soziale(!)-Union mit einem Weltraumbahnhof. Eine Partei, die noch vor Jahren als letztes Bollwerk gegen all das stand, was „die da in Berlin“ dem wehrlosen Bürger überstülpen wollen.

„Wenn das „C“ unter den Wanderdünen
des Zeitgeistes verschwunden ist,
braucht man Ersatzdrogen, um Polit-Karrieren zu sichern“

Beispielsweise „Asyltourismus.“ Auf München war immer Verlass, sei es gegen Gender, Islamisierung oder „Ehe für alle“. Ging es um das Kreuz oder das Leben ungeborener Kinder: die CSU war zur Stelle. Meine Eltern wählten die westfälische CDU, weil es den bayerischen „Franz Josef“ gab. Und als der Markus das Ruder übernahm, startete er mit dem „Kreuzerlass“ und widerstand zunächst allen Anfeindungen, selbst denen der klerikalen Kreuzleugner vom Tempelberg. Auch als Herr Marx noch zu meinen glaubte, „der Begriff Abendland hat etwas Ausgrenzendes“, gab es noch ein Mucken und Zucken in der CSU-Spitze.

Doch dann ging es im Affenzahn auf die Rutschbahn Richtung Nordsee mit Zwischenstopp Berlin: Das mit dem Kreuz in den Amtsstuben sei ein Fehler gewesen, die „Ehe für alle“ etwas ganz Tolles, die Grünen echt sympathisch. Und Klima-Greta wurde zur Göttin in einer Partei, die Gott offenbar verloren hat. Der einstige Anwalt der Pendler hat sich in CO2-freier Luft aufgelöst. Die Benzinpreise explodieren. Man könnte noch unzählige Themen nennen. Und das alles in rasendem Tempo.

Im Schatten von „Corona“ wird die Abrissbirne gegen die Fundamente von Ethik und Werten geschwungen — wie drohende Drohnen vom parteieigenen Nordsee-Bahnhof. Wissen die Christen in der Union nicht mehr, was auf dem Spiel steht? Wird dem schnellen (Umfrage-)Erfolg auch der letzte Markenkern für das Linsengericht einer Grünen-Koalition geopfert? Selbst Wirtschafts-Laien wissen: Das führt langfristig in die Pleite.

Und jeder Christ weiß: Darauf ruht kein Segen. Aber die Kollegin oben hat ja recht: Wenn das „C“ unter den Wanderdünen des Zeitgeistes verschwunden ist, braucht man Ersatzdrogen, um Polit-Karrieren zu sichern. Unvergessen: Ich lud einen der prominentesten CSU-Politiker in meine Sonntagssendung. Antwort: „An dem Tag haben wir im Wahlkreis die Segnung der Felder. Wenn ich da nicht dabei bin, brauche ich erst gar nicht wieder zu kandidieren.....“ Das war erst vor knapp zehn Jahren. Da blickte man noch himmelwärts.

 

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