Rom

Radio Vatikan ist wieder da

Neunzig Jahre nach der Gründung der Radioanstalt taucht der untergegangene Name des Senders der Päpste als Label für das Internetradio aus dem Vatikan wieder auf.

Röhrenradio
Eingemottet, jetzt doch wieder aktiviert und aufpoliert: „Radio Vatikan“ war im Zuge der Medienumstrukturierung im Vatikan untergegangen. Pünktlich zum 90. Jahrestag der Gründung, dürfen jetzt die Wortbeiträge für das Internet wieder unter der „Marke“ „Radio Vatikan“ firmieren. Foto: Arnulf Hettrich, imago-images

Das Ende schien 2016 gekommen zu sein: Damals hörte Radio Vatikan auf, eine eigene, „mit dem Heiligen Stuhl verbundene Institution“ zu sein, deren Leitung Papst Pius XI. unmittelbar nach der Einweihung am 12. Februar 1931 dem Jesuitenorden übergeben hatte. Stattdessen wurde der Sender in die vatikanische Superbehörde für Soziale Kommunikation überführt, die heute die Bezeichnung „Dikasterium“ trägt und von dem Laien Paolo Ruffini als Präfekten geleitet wird.

Rückkehr zum 90. 

Unter diesem Dach sollte der Sender mit den anderen vatikanischen Medien – Zeitung, Fernsehen, Onlinedienst, Verlag und Druckhaus – zusammenwachsen. Auch der Name „Radio Vatikan“ verschwand – zunächst: „Vatican News“ hieß das Label, unter dem die Redakteure des Papstsenders weiterarbeiten mussten, eng verzahnt, das war der Plan, mit dem Internetauftritt des Vatikan und dem „Osservatore Romano“, der in diesem Jahr ebenso ein Jubiläum feiert: die Gründung vor 160 Jahren.

Doch mit dem neunzigsten Geburtstag ist der Name „Radio Vatikan“ zurückgekehrt. Sowohl in den offiziellen Würdigungen des Senders durch Verantwortliche und den ehemaligen Direktor Pater Federico Lombardi, wie mit der Ankündigung, dass der Sender des Papstes nun auch als Internetradio zu hören ist, von jedem Computer und Smartphone von überall in der Welt aus. Die Marke „Radio Vatikan“ ist wieder da – und hat sich wirklich globalisiert: Aus 69 Nationen kommen die Mitarbeiter des Senders, der mittlerweile 41 Sprachen spricht.

Die große Zeit des Senders waren die Jahre der Rundfunkansprachen der Pius-Päpste. Es war die Zeit der fast unerreichbaren Missionsgebiete, als die Stimme des Papstes durch den Urwald dröhnte und die Eingeborenen freudig den fremden Klängen lauschten. Es war die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Pius XII. seine oft verklausulierten Botschaften in das Mikrophon von Radio Vatikan sprach. Und auch noch die des Kalten Kriegs und der kommunistischen Regime des Ostblocks, als das Radio der einzige Weg war, um in die abgeschnittenen Ortskirchen zu gelangen. Auch die Berichte über den Verlauf des Zweiten Vatikanischen Konzils waren eine Sternstunde von Radio Vatikan, sogar noch die Informationen über das Attentat auf Johannes Paul II. von 1981.

„Was ihm fehlt, ist ein Alleinstellungsmerkmal,
das es unverzichtbar macht“

Doch unter Benedikt XVI. begann auch für die Berichterstattung aus dem Herzen der Weltkirche die Zeit des Internets. Radio Vatikan verlor sein Informationsmonopol. Blogger, Onlinedienste, Internetmedien durchforsteten vatikanische Interna bis in die Verästelungen – und unter Franziskus kamen die Sozialen Medien hinzu. Wer dem Papst heute folgen will, macht nicht das Radio an, sondern liest die Tweets von Franziskus.

Im Zuge der Reform der vatikanischen Medienarbeit, die mit dem Umbau der kurialen Finanzverwaltung einherging und schneller als die eigentliche Kurienreform angegangen wurde, war Radio Vatikan immer ein Sorgenkind: Es ist kostenintensiv, die Zahl der Mitarbeiter ist für vatikanische Einrichtungen hoch und die Satelliten, die das Programm in die letzten Winkel der Erde befördern, gibt es auch nicht umsonst. Dafür erwirtschaftet Radio Vatikan keine Einnahmen. Es ist ein reiner Zuschussbetrieb. So wie der Pressesaal des Vatikans, der seine Anbindung an das vatikanische Staatssekretariat de facto verloren hat und heute ebenfalls eine Abteilung des Medien-Dikasteriums ist. Zudem ist das Radio kein Hort der Exklusivität.

Der Sender muss sein Bestehen rechtfertigen

Die letzte Sensationsmeldung aus dem Vatikan, die Ankündigung vom Rücktritt von Benedikt XVI. vor neun Jahren, hat eine Redakteurin der Nachrichtenagentur ANSA verbreitet, nicht Radio Vatikan. Wichtige Ernennungen gibt der Pressesaal bekannt – und wenn ein neuer Papst gewählt wird, umlagern Fernsehstationen aus aller Welt das Ofenrohr der Sixtinischen Kapelle und die Loggia des Petersdoms. Dann übernehmen die Internetredakteure, die Blogger und privaten Facebook-Nutzer die Kommentierung und Einordnung der Ereignisse. Radio Vatikan hat den Umbau der päpstlichen Medien überlebt. Was ihm fehlt, ist ein Alleinstellungsmerkmal, das es unverzichtbar macht.

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