Toronto

Psychologe Jordan Peterson wieder genesen

Der kanadische Psychologe Jordan Peterson meldet sich nach langer Krankheit mit einem Video zurück: Es gehe ihm wieder gut. „Mit Gottes Gnade und Barmherzigkeit“ hoffe er, seine Arbeit erneut aufnehmen zu können.

Jordan Peterson
Wie die kanadische Tageszeitung National Post mitteilte, litt Peterson an einer Abhängigkeit von Benzodiazepinen, der wichtigsten Wirkstoffgruppe unter den Tranquilizern. Foto: Wikicommans/Gage Skidmore

Im vergangenen Jahr war Jordan Peterson überraschend von der Bildfläche verschwunden. Der Psychologie-Professor an der University of Toronto hat sich in verschiedenen Kliniken weltweit wegen seiner Benzodiazepin-Abhängigkeit behandeln lassen. Nun meldet er sich mit einem emotionalen achtminütigen Video wieder ins Leben zurück, wie die britische Webseite The Conservative Woman in ihrem Beitrag „Willkommen zurück, Jordan Peterson – wir brauchen Sie mehr denn je“ hocherfreut mitteilt. Über den Autor des Bestsellers „12 Rules for Life – Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt“ wurde wegen seines Kampfes für freie Meinungsäußerung und den Vorrang der Vernunft vor der Ideologie häufig kontrovers diskutiert.

An "ernsten Gesundheitsstörungen" gelitten

Auch die kanadische Tageszeitung National Post widmet sich der Neuigkeit. Sie erinnert an die Ursache des plötzlichen Verschwindens Petersons, der nun wieder zurück in Toronto ist, nachdem er monatelang wegen seiner Entzugserscheinungen in medizinischer Behandlung war, die mit seiner Abhängigkeit von Benzodiazepinen in Verbindung standen. „Hoffentlich liegt nun vieles davon hinter mir, und ich kann zu etwas Ähnlichem wie einem normalen Leben zurückkehren“, teilt Peterson in seiner Botschaft mit. Darin erklärt er, dass er an „ernsten Gesundheitsstörungen“ gelitten hatte, nachdem er 2016 oder 2017 mit der Einnahme von Tranquilizern vom Benzodiazepin-Typ und Medikamenten wie Valium begonnen hatte, was, wie er feststellte, zu Abhängigkeit und neurologischen Schäden geführt habe. Daraufhin begab er sich auf die Suche nach Spezialisten, die ihm helfen konnten.

Dadurch habe er sich die meiste Zeit des vergangenen Jahres in verschiedenen Kliniken aufgehalten, was ihn von Connecticut nach Russland und Serbien und schließlich wieder zurück nach Toronto geführt hatte. Im Sommer hatte er sich in Belgrad auch noch mit COVID-19 infiziert. Peterson berichtet davon, dass die größte Unterstützung, die er während seiner Behandlung erfuhr, die für ihn „sicherlich die schlimmste Zeit meines Lebens“ gewesen war, von seiner Familie und von Freunden kam. Er sagte, dass ihm seine Familie – seine Frau, sein Sohn und seine Tochter und deren Ehegatten – „enormen Rückhalt“ gab und von unschätzbarem Wert war.

Am Leben und mit Plänen für die Zukunft

„Ich bin am Leben und habe Pläne für die Zukunft“, sagt er „mit leicht gebrochener Stimme, als er über seine Freunde und Familie spricht“. Darüber hinaus dankte er seinen Anhängern in den sozialen Medien. Derzeit arbeite er an seinem nächsten Buch und habe Pläne für eine neue Videoreihe über Exodus, das zweite Buch des Alten Testamentes. 

„Mit Gottes Gnade und Barmherzigkeit“ werde er sich seinen Aufgaben erneut zuwenden und dort weitermachen, wo er aufgehört hatte. Vor seiner Krankheit wich Peterson in Interviews der Frage, ob er an Gott glaube oder Christ sei, stets aus. So antwortete er beispielsweise in einem Interview, dass er nicht sagen könne, ob er an Gott glaube. Damals meinte er, jeder, der wirklich an Gott glaube, müsse ein moralisch vollkommenes Leben führen, was bei ihm nicht der Fall gewesen sei.  DT/ks

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