Paris

Positive Diskriminierung sorgt für „Diversität“ an der Pariser Oper

Ein vom neuen Direktor der Pariser Oper in Auftrag gegebener Bericht empfiehlt mehr „Diversität“ bei der Auswahl der Künstler und des Repertoires. Angekündigt wurden verschiedene Maßnahmen, vor allem die positive Diskriminierung. Die Dozentin einer Pariser Universität beklagt diese Entscheidungen.

Debatte um Pariser Oper
An der Pariser Oper soll in Zukunft eine "multikulturelle Politik" umgesetzt werden, meint eine Dozentin für Bühnenkunst an der Universität Paris-Diderot. Foto: Christian Böhmer (dpa)

Isabelle Barbéris ist Dozentin für Bühnenkunst an der Universität Paris-Diderot. In einem Gespräch mit der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ stellt sie die Inhalte einer Untersuchung mit dem Titel „Bericht über die Diversität an der Opéra National de Paris“ vor, die vom neuen Direktor der Pariser Oper, dem Deutschen Alexander Neef, in Auftrag gegeben wurde. Neef sei, den Worten Barbéris‘ zufolge, zwar guten Willens – er sei jedoch zunächst deshalb ausgewählt worden, „um eine multikulturelle Politik umzusetzen“.

Pariser Oper: Ultra-links und dekolonial

Monetäre Gründe – Barbéris spricht von einem „finanziellen Beinahe-Konkurs“ der Oper - hätten zudem dazu geführt, dass sich die Oper „ultra-links“ und dekolonial aufstelle. Doch dieses „dekoloniale Marketing“ sei nur ein „Ablenkungsmanöver“. Damit möchte man zu verstehen geben, „dass sich die Oper – ohne Kosten – modernisiert, denn die Ideologie kostet nichts. Sie ermöglicht, die wirtschaftliche Krise und die des kreativen Schaffens auf vermeintlich tugendhafte Weise zu verschleiern. Die dekoloniale Ultralinke ist doch noch immer der beste Verbündete des Ultraliberalismus“.

Der Bericht spreche Empfehlungen auf drei verschiedenen Ebenen aus. Zunächst im dramaturgischen Bereich: „Zum Preis von Vereinfachungen, die oftmals weder Fälschungen noch Verzerrungen vermeiden, wird die Gesamtheit des Repertoires mit der Aufforderung auf die Anklagebank gebracht, Libretti und Partituren mit Hilfe dessen zu inszenieren, was man dekoloniale Pinzetten nennen könnte“. Beklagenswert sei hierbei auch der geringe Stellenwert, der bei den Anhörungen zur Anfertigung der Untersuchung Kunstwissenschaftlern zugewiesen wurde. In der Zeitschrift „Marianne“ äußert sich Barbéris zudem darüber, wie die im Bericht als „von vornherein suspekte“ Kostümierung der darstellenden Künstler präsentiert werde – „in totaler Unkenntnis der Vielfalt der Praktiken und der Geschichte der Darstellung, der Verkleidung oder auch der Schminke“. Auch „die Unkenntnis der Schmink-Praxis beim Tanz ist eklatant: Die Verfasser des Berichts wissen offenbar nicht, dass sich alle Balletttänzer – in erster Linie die ‚Weißen‘ – die Haut weiß pudern, um unter dem Rampenlicht nicht zu glänzen“. Darüber hinaus heißt es in dem Bericht, dass „die überwiegende Mehrheit [des Repertoires] rassistische und sexistische Elemente enthält“. Feierlich betone er: „Man wird sich nicht mehr schminken, um einen Schwarzen oder einen Asiaten zu spielen“. 

Mit positiver Diskriminierung experimentieren

Ein weiterer anvisierter Bereich befasse sich, so Barbéris im Figaro, mit administrativen Empfehlungen. Dabei gehe es beispielsweise um „die Ernennung von Referenten für ‚Diversity, Equity, Inclusion‘ (DEI) [Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion], basierend auf dem nordamerikanischen, differenzierenden und unternehmerischen Managementmodell“, das sich Strukturen zum Vorbild nehme, die mit positiver Diskriminierung experimentierten.

Der dritte Bereich betreffe die „Selektion“, die Auswahl: „Bei der Einstellung der Künstler, der Eleven und des Personals müsste man die ‚Vielfalt der Hautpigmentierung‘ (sic) bevorzugen. Anders ausgedrückt: Man kommt nie mehr aus der Verkürzung ‚Vielfalt ‘ = ‚sichtbare Vielfalt ‘ heraus“. Nunmehr bezeichne „‘die Vielfalt‘ nur noch einen Teil der Menschheit, nämlich die Nicht-Weißen. Dies ist ein Begriff, der nicht mehr auf eine gemischte Struktur der Menschheit verweist, sondern zu einem in Segmente teilenden Begriff geworden ist, wie der Bericht bestätigt. Man hat die Menschheit in zwei Teile geteilt“.  DT/ks

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.