Wien

J.K. Rowling und das biologische Geschlecht

Aussagen der Harry-Potter-Autorin enthüllen Uneinigkeit in der LGBTQ-Community.

J. K. Rowling
Der Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling wird Transphobie vorgeworfen, weil sie das Vorhandensein des biologischen Geschlechts verteidigt. Foto: Lewis Whyld / Pa Wire (epa)

In der LGBTQ-Community hängt der Haussegen schief und das nicht erst seit den umstrittenen Aussagen der Autorin der Harry Potter-Bücher J.K. Rowling. Doch eines nach dem anderen: Die erste Welle der medialen Empörung gegen die Autorin ereignete sich im Dezember vergangenen Jahres, als sie auf Twitter ihre Unterstützung gegenüber Maya Forstater ausdrückte. Der Steuerexpertin wurden ihre Aussagen „Männer können keine Frauen werden. Ich glaube nicht, dass Frausein eine Frage von weiblichen Gefühlen ist“ zum Verhängnis – sie wurde gekündigt. Frau Forstater brachte ihren Fall zu Gericht, doch vergebens. Sie verlor mit der Begründung, dass ihre Aussagen transphob seien. Anfang Juni erregte J.K. Rowling erneut die Gemüter mit ihrem Twitter-Eintrag, wo sie das Vorhandensein des biologischen Geschlechts verteidigte. Durch ihre Aussage fühlten sich Vertreter der Gendertheorie provoziert. Es folgte ein regelrechter Shitstorm gegen Rowling. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie „Trans-Personen durch ihren Hass buchstäblich tötet“. Mehrfach wurde dazu aufgerufen, ihre Bücher zu verbrennen. Dabei betont sie in ihren Kommentaren, dass sie Transgender-Personen jegliche Rechte zuschreibt und mit ihnen mitfühlt. Trotzdem wurde die preisgekrönte Autorin als TERF beschimpft, was übersetzt „Trans-Personen ausschließende, radikale Feministin“ bedeutet.

Streitfrage Geschlecht: biologisch oder sozial?

Dieser Ausdruck bringt die zunehmende Kluft zwischen den Vertretern der Queer-Theorie, die die Zweigeschlechtlichkeit auf das soziale Geschlecht reduziert, und den Befürwortern des biologischen Geschlechts innerhalb der LGBTQ-Community auf den Punkt. Zu letzterer Gruppe gehören oft Feministen und Lesben. In Schottland beispielsweise soll ein Gesetz verabschiedet werden, welches es Transgender-Personen massiv vereinfachen würde, das Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde ändern zu lassen. Feministen befürchten, dass dies dem Missbrauch Tür und Tor öffnet und biologische Frauen benachteiligt. Die Sicherheit von Frauen könnte durch die Einführung von, zum Beispiel, genderneutralen Toiletten gefährdet werden.

Diese Einwände werden von J.K. Rowling geteilt und das nicht ohne Grund: Sie erlebte in ihrer ersten Ehe Gewalt und sexuelle Übergriffe am eigenen Körper, unter deren psychischen Folgen sie bis heute leidet. Seitdem ist es ihr ein Anliegen, für die Millionen von Frauen mit ähnlichen Geschichten einzustehen, wie sie in einem Essay, den sie auf ihrer Homepage veröffentlichte, mitteilte.

Unterstützung erhält die Autorin von der lesbischen Journalistin Julia Diana Robertson, die auf ihrer Plattform „The Velvet Chronicle“ mit der Gendertheorie hart ins Gericht geht und diese als Ideologie bezeichnet. Sie berichtet von dem zunehmenden Phänomen, dass insbesondere Mädchen, die für eine Zeit als Transgender-Mann lebten, oft Hormone zu sich nahmen oder sich Operationen unterzogen, nach einigen Jahren den Wunsch verspürten, wieder ihr biologisches Geschlecht anzunehmen. Robertson kritisiert, dass sich die Gendertheorie auf männliche und weibliche Stereotypen versteift und nicht-geschlechtskonformes Verhalten von Kindern und Jugendlichen als Geschlechtsidentitätsstörung pathologisiert.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .