Paris

Die Geister der Gottspielerei?

Natürliche Entstehung oder Laborunfall, Big Pharma, Zwangsimpfung und Sedierung? Zwischen Verschwörung und Vertuschung: Covid-19 wirft weiterhin viele Fragen auf – auch für die Katholiken in Frankreich.

Corona in Frankreich
Der Mundschutz bleibt en vogue: Eine Bronzestatue vor dem Pariser Eiffelturm. Foto: dpa

Der Ausbruch des neuen Coronavirus wird auf der einen Seite von Geheimnissen und Vertuschungsversuchen begleitet, während auf der anderen Seite biotechnologische Allmachtsphantasien auf wilde Verschwörungstheorien treffen. Offiziell beteuern sowohl chinesische als auch westliche Virologen mehrheitlich, dass das Virus natürlich entstanden und von der Fledermaus über einen noch zu identifizierenden Zwischenwirt auf den Menschen übergesprungen sei. Diese grundsätzlich mögliche These kann jedoch weder die Frage beantworten, weshalb das neue Coronavirus zu 96 Prozent mit dem Fledermausgenom RaTG13 übereinstimmt, das die Virologin Shi Zhengli vom Wuhan Institute for Virology (WIV) 2013 in Höhlen der 1000 Kilometer von Wuhan entfernten Provinz Yunnan entdeckte, noch, welcher Zwischenwirt es nach Wuhan brachte.

Plausibler erscheint deshalb die immer öfter auch von renommierten Virologen geäußerte Meinung, wonach das Auftreten des neuen Coronavirus das Resultat eines Laborunfalls in Wuhan ist. Der französische Virologe, AIDS-Entdecker und Medizinnobelpreisträger Luc Montagnier verweist auf HIV-Stämme und Stämme des Malaria-Erregers im Virus, die nicht Folge einer natürlichen Mutation sein könnten. Er geht davon aus, dass das Virus beim Versuch, einen AIDS-Impfstoff zu finden, geschaffen wurde. In das P4-Labor, das der französische Staat zwischen 2003 und 2017 in Wuhan aufbaute, seien auch US-Forschungsgelder geflossen und vielleicht auch US-Technologien, so Montagnier. Ein Blick auf die Homepage des WIV verrät, dass das Labor tatsächlich Partnerschaften mit zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen aus dem Pharmabereich weltweit unterhält. Der renommierte russische Mikrobiologe Petr Chumakov glaubt ebenfalls nicht an ein natürliches Virus und erklärte, dass die Virologen in Wuhan „völlig verrückte Dinge“ in ihrem Labor machten, um die Pathognizität von Viren zu studieren.

Sollte bei der biotechnologischen Gottspielerei etwas schiefgelaufen sein?

Die Aussagen beider Wissenschaftler decken sich mit Fakten: 2008 berichtete Shi Zhengli im „Journal of Virology“, wie man mit HIV-Genmaterial die Aminosäuresequenz 310–518 beim Spike-Protein des Fledermaus-Coronavirus so verändern kann, dass sich die Viren an die menschlichen ACE2-Rezeptoren andocken können. 2011 waren chinesische, amerikanische und australische Virologen in Höhlen der Provinz Yunnan, um Fledermäuse zu fangen und ihre Viren zu studieren. In dem Fachblatt „Nature“ berichteten sie 2013 darüber, dass es ihnen gelungen sei, einen SARS-ähnlichen Virus zu isolieren, der ohne Zwischenwirt an die menschlichen ACE2-Rezeptoren andocken könne. Ab 2014 wurde das WIV Projektpartner der US-Nonprofit Organisation EcoHealthAlliance, die unter anderem von der Gates Foundation Gelder erhält, ihre Projekte jedoch vom staatlichen National Institute for Health (NIH) finanzieren lässt. Im Rahmen dieser Partnerschaft veröffentlichte 2015 ein Team von Virologen um Ralph Baric von der University of North Carolina in Chapel Hill und Shi Zhengli einen Bericht in der Zeitschrift „Nature Medicine“ über die Schaffung eines chimären Virus, das sich aus einem Oberflächenprotein eines Fledermausvirus, SHC014, und dem Rückgrat eines SARS-Virus zusammensetze.

Nach dieser Veröffentlichung verfügte das NIH ein Moratorium für die „gain of function“ (das heißt: Studien zur Verstärkung der Pathogenizität und der Ansteckung)-Forschung an Viren, das im Dezember 2017 aufgehoben wurde. Bis 2019 flossen so 3, 7 Millionen Dollar an das WIV. Im gleichen Jahr genehmigte Anthony Fauci, der Direktor des NIH, der EcoHealthAlliance ein weiteres 3, 7 Millionen Dollar-Projekt mit dem WIV für „gain of function“-Projekte.

Sollte bei der biotechnologischen Gottspielerei nun etwas schiefgelaufen sein? Die kategorische Zurückweisung des Laborunfall-Szenarios durch die meisten offiziellen Institutionen, die mit dem WIV zusammenarbeiten, könnte ein Hinweis darauf sein, dass nicht nur China Dreck am Stecken hat, sondern die weltweite Biotechnologie- und Pharmaforschungsbranche. Während des Kalten Kriegs gewährten die osteuropäischen Kommunisten gegen Devisen westlichen Pharmakonzernen das Recht, an Osteuropäern Medikamentenversuche und medizinische Experimente durchzuführen.

Kontrollchips aus Nanopartikeln im Impfstoff?

Sollten westliche Forschungseinrichtungen und „Big Pharma“ heute von fehlenden bioethischen Grenzen und Gesetzen in China profitieren, um dort für vergleichsweise wenig Geld das zu tun, was sie aus ethischen Gründen zu Hause nicht tun dürfen? Dies ist eine These, keine Behauptung, die aber in einer Welt, in der Profit alles und Gott nichts ist, eher bedacht werden sollte als krude Verschwörungstheorien. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der gottlose Mensch selbst bestraft durch die Geister, die er rief, aber dann nicht mehr los wird.

Zu diesen bösen Geistern, die sich ganz dynamisch der neuen Lage anpassen, könnten die unterschiedlichsten Akteure gehören. Oligarchische Philanthropen wie Bill Gates träumen davon, der Menschheit über eine noch zu erfindende Covid-19-Impfung einen Kontrollchip aus Nanopartikeln unter die Haut zu pflanzen und damit das Bevölkerungsreduzierungsprogramm zu perfektionieren. „Big Pharma“ lässt sich durch die Aussicht auf finanzielle Gewinne zu noch mehr biotechnologischer Gottspielerei hinreißen.

 „Die Zeit in der ,Wüste' sehen viele Katholiken
als eine Reinigung an, die sie lehrt, welch großes,
und durchaus nicht selbstverständliches
Geschenk die Kommunion ist“

Auch in Europa geschehen im Schatten der sanitären Krise bemerkenswerte Dinge. In Frankreich beispielsweise berichten laut der Lebensrechtsorganisation „Alliance Vita“ Altenpfleger, dass Bewohnern von Seniorenheimen im Falle einer Covid-19-Infektion keine Behandlung angeboten wird, sondern die Ärzte dazu angehalten sind, sie sofort zu sedieren. Gesundheitsminister Veran erließ zu diesem Zweck am 28.März das Dekret 2020-360, das mindestens bis zum 11. Mai gültig bleibt: Hausärzte bekommen die Möglichkeit, Covid-19-kranken Senioren sofort das bei Atemwegsentzündungen kontraindizierte, da tödliche Sedativum Rivotril zu spritzen – die Kosten übernehmen die Krankenkassen zu 100 Prozent, während die gewöhnliche Kostenrückerstattungsquote bei 65 Prozent liegt. Der Verband „Junge Ärzte“ klagte erfolglos gegen das Dekret. Zudem wurde die Frist der medikamentösen Abtreibung von sieben auf neun Wochen verlängert, und Abtreibungen durch Absaugen sind nun jenseits der rechtlichen 12 Wochen-Grenze möglich. Selbst kleine Spitzel nutzen die Quarantäne, um der Polizei vermeintliche „heimliche Messen“ zu melden – die sich jedoch bisher jedes Mmal als „Fehlalarm“ erwiesen: Die Priester feierten die Messen mit ihrer YouTube-Gemeinde.

Auch wenn die Heilige Messe vielen Katholiken fehlt, wissen alle, dass sie das Opfer bringen sollten, um nicht die Krankenhäuser noch stärker zu überlasten, denn Überlastung bedeutet, dass die Ärzte ein Triage durchführen müssen und insbesondere die Schwächsten dann ausgesondert werden. In der Ile de France und im Osten Frankreichs kennt jeder Covid-19-Kranke oder Verstorbene. Laien starten deshalb Gebetsinitiativen, und gegenwärtig läuft eine Unterschriftenaktion, damit die Bischöfe Frankreich dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen. Frauen helfen durch das Nähen von Masken und Kitteln dem Pflegepersonal, welches dem Coronavirus schutzlos ausgeliefert ist. Viele Priester riskieren ihre Gesundheit, indem sie Covid-19-Kranken die Kommunion nach Hause bringen und sie versehen. Zu den Krankenhäusern bekommen sie jedoch keinen Zutritt. In vielen Kirchen hören sie regelmäßig die Beichte und fahren durch ihre Stadt, um die Häuser der Gläubigen zu segnen. Die Zeit in der „Wüste“ sehen viele Katholiken als eine Reinigung an, die sie lehrt, welch großes, und durchaus nicht selbstverständliches Geschenk die Kommunion ist.

Die Autorin lebt und arbeitet in Frankreich. Sie hat Chinesisch und moderne Chinastudien studiert.

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