Ausserirdische

Der Papst sollte schon mal „Delegaten für Aliens“ ernennen

Soll die Kirche Außerirdische taufen? Der Papst sagt Ja. Doch ein deutscher Theologe des 19. Jahrhunderts wäre skeptisch.

Unbekanntes Flugobjekt (UFO)
Sind sie schon unter uns? UFO-Sichtungen beflügeln seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Phantasie von Parawissenschaftlern, Literaten und Spinnern. Doch auch Theologen befassten sich mit Außerirdischen. Foto: imago stock&people

Wozu sind wir auf Erden?“ heißt die erste Frage des Katechismus. Doch wie steht es um das Leben und den Ratschluss Gottes für dieses fernab der Erde? Und was, wenn außerirdische Wesen in Kontakt mit dem Menschen treten?

Nun hat selbst der ehemalige US-Präsident Barack H. Obama die Sichtung unbekannter Flugobjekte („UFOs“) durch das US-Militär eingestanden: „Was wahr ist, und ich meine es ernst hier, ist, dass es Bildmaterial und Aufzeichnungen über Objekte am Himmel gibt, von denen wir nicht genau wissen, was sie sind“, so Obama in einer Sendung des Senders CBS.

„UFOs“ gelten gemeinhin als Sache für Spinner, den „promovierten Naturwissenschaftler“ Axel Stoll aus Ost-Berlin oder Experten fürs „Parawissenschaftliche“, denen in den 1990er Jahren vielleicht im seichten Vorabendpropramm der Privaten eine Bühne gegeben wurde (beispielsweise: Bärbel Schäfer, „Ich hatte Kontakt mit Außerirdischen“, 1995) oder als Sache von Science-Fiction-Thrillern. Doch nun soll sogar dem US-Kongress ein Bericht über das Phänomen vorgelegt werden.

Das Phänomen wurde im Kalten Krieg instrumentalisiert

Denn seitdem die „New York Times“ im Dezember 2017 in einer Titelgeschichte enthüllte, dass das Pentagon damals über 20 Millionen Dollar pro Jahr für die Erforschung von „fliegenden Untertassen“ ausgegeben hat, interessieren sich auch Politiker und Militärs dafür, ob es sich hier um ein „Schwarzes Loch“ im Haushalt handelt– oder doch um eine ernste Sache im Interesse der nationalen Sicherheit.

Dabei tat das US-Militär in der Vergangenheit alles, das Phänomen kleinzureden – oder im Falle des „Kalten Krieges“ in der Propaganda gegen die roten Feind im Osten zu instrumentalisieren, der mit Hilfe geheimer deutscher Weltkriegstechnik an der Wunderwaffe für den Sieg des kommunistischen Weltreichs feilt. Aber was an den außergewöhnlichen Phänomenen stets hängen geblieben ist, war ein Rest von Unaufklärbarem, das die Phantasie von Autoren und Verschwörungstheoretikern umso mehr Nahrung gegeben hat.

Aliens? Es gibt keine belastbaren Hinweise

 

Und so wundert es nicht, dass US-Geheimdienstkreise bereits vor der Veröffentlichung ihres Berichts preisgeben, dass sie wohl bislang keine grünen Marsmännchen sichten konnten und es laut „New York Times“ keine wirklich belastbaren Ergebnisse zu geben scheint. Der Großteil der 120 untersuchten „Sichtungen“ der letzten 20 Jahren seien lediglich nicht auf geheime Flüge des Militärs zurückzuführen, nur in fünf Prozent der Fälle habe man keine rationale Erklärung finden können, ob und was genau man dort am nächtlichen Himmel hat beobachten können. Und die sagenumwogenen Berichte von abgestürzten „Flugscheiben“ und dergleichen? – Auch dazu wollen die Schlapphüte nichts in Aussicht stellen.

Doch selbst Papst Franziskus widmete bereits 2014 eine seiner legendären Predigten in der Frühmesse im päpstlichen Gästehaus Santa Marta der Frage: „Wie hält die Kirche es mit Marsmännchen?“ Christen müssten offen sein und dürften nicht die Türen verschließen, die der Heilige Geist öffnet: „Wenn morgen eine Expedition von Marsmännchen käme, zum Beispiel - grün, mit langer Nase und großen Ohren, so wie Kinder sie malen - und eines von ihnen bittet um die Taufe, was würde dann passieren?“, fragte der Papst zum Erstaunen der katholischen Öffentlichkeit.

„Pohle staunt somit, dass gerade der Mensch
auf dem kleinen, abseitigen Gestirn der Erde
auf dem Weg der Inkarnation gerettet worden sei.“

Die Frage ist aber auch für katholische Theologen nicht neu. Bereits der Breslauer Dogmatiker Joseph Pohle (1852-1922) setzte sich in „Die Sternenwelt und ihre Bewohner“ intensiv aus einer naturphilosophischen Perspektive mit dem Thema extraterrestrischen Lebens auseinander. In seinem 1884 bei Bachem erschienen Werk argumentierte der Rheinländer für die Existenz außerirdischen Lebens. Die Vielfalt und die Ordnung des Universums sprächen dafür, wie auch die Schöpfermacht Gottes, die gegen ein steriles, singuläres Sonnensystem, in dem es Leben gäbe, sprächen. Allein die Analogien zwischen der Erde und den Planeten und Sternen, und die Pluralität irdischen Lebens, sprächen für intelligentes Leben abseits der Erde. „Die effektivste Waffe in der Argumentation für viele Welten mit lebenden Wesen ist die volle Analogie zwischen unserer Erde und vielen anderen himmlischen Körpern“, so Pohle weiter.

Weiter spekulierte Pohle, dass außerirdisches Leben möglicherweise im Naturstand verharre, also keinen Sündenfall erlitten habe, und somit die natürliche Glückseligkeit genieße. Es könne weitere Reiche der Gnade geben, sie könne es ebenso nicht geben; ebenso wie Sünde oder auch ihre Abwesenheit. Damit projezierte der Theologe die irdische Erlösungsordnung nicht einfach auf andere Planeten, denn auch wenn diese Welten einen Sündenfall erlitten hätten, müsse Gott sie nicht zwingend auf dem Weg der Inkarnation erlösen, um sie von der Schuld zu erretten. Pohle staunt somit, dass gerade der Mensch auf dem kleinen, abseitigen Gestirn der Erde auf dem Weg der Inkarnation gerettet worden sei.

Wozu Erlösung, wenn sie keine gefallenen Menschen sind?

So stellen auch der vatikanische Astronom Guy Consolmagno SJ und der Priester Paul Mueller in ihrem Buch die Frage, ob Außerirdische zu taufen sind, obwohl sie keine Kinder Adams sind, die der Erlösung durch den „Neuen Adam“, Christus, bedürften.

Doch auch wenn die Visitation der Außerirdischen mit ihren „fliegenden Untertassen“ noch etwas auf sich warten lässt – ihr Kommen wäre gewiss von der Vorsehung Gottes gewollt, mögen die theologischen Fragen auch noch ungeklärt sein. Der Päpstliche Rat für extraterrestrischen Dialog und seine Delegaten dürften jedenfalls dem Papst an einer neuen Kurienreform besonders gefallen.

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