Würzburg

Das geheimnisvolle „Du“ bei Bob Dylan und Reinhard Mey

Wie sich die neuen Alben der Altmeister Bob Dylan und Reinhard Mey mit dem Thema Transzendenz beschäftigen.

Albumveröffentlichung "Rough And Rowdy Ways" von Bob Dylan
Auf seinem neuen Album "Rough And Rowdy Ways" nimmt der US-Singer-Songwriter Bob Dylan das Thema Transzendenz in den Blick. Foto: - (Sony Music)

Mit den aktuellen Alben von Bob Dylan („Rough and rowdy ways“) und Reinhard Mey („Das Haus an der Ampel“) beschäftigt sich im Feuilleton der „Tagespost“ der Musikwissenschaftler und Autor Alexander Pschera - und stößt dabei auf jede Menge Transzendenz.

Das "Du" muss Gott sein

„Der zentrale Song auf Dylans Album, von dem aus sich die Gemütslage des ganzen Werks erschließt, ist ,I‘ve made up my mind to give myself to you'. Wer ist dieses ,Du', das auch in anderen Liedern dieses Werks genannt wird? Verfolgt man das Netz aus theologischen Anspielungen, die sich wie ein dichtes Geflecht über alle Lieder des neuen Werkes zieht, so kann kein Zweifel daran bestehen, dass es sich bei diesem Du um Gott handelt: ,If I had the wings of a snow white dove/I'd preach the gospel, the gospel of love/A love so real, a love so true', singt Dylan, der in diesem Lied ,on his terrace' sitzt, ,lost in the stars'.“ Reinhard Mey

ist aus Sicht Pscheras „alles andere als ein byzantinistisch-spekulativer Theologe. Wir kennen ihn als einen Poeten des Alltags, der Themen wie Freundschaft, Familie, Zärtlichkeit, Nähe und Behutsamkeit in fragile, aber beständige melodische Gebilde gießt, die mittlerweile zum deutschen Liedgut gehören und die meist harmloser wirken, als sie tatsächlich sind. Das ist ja ein grundsätzliches Problem bei Künstlern, die sich nicht kritisch gebärden, sondern die das Positive zu ihrem Gegenstand machen. Aber Mey ficht das zum Glück nicht an. In seinem neuen Album findet er Bilder für die Abrundung des gelebten Lebens – des gelungen gelebten Lebens, dessen natürlich vorhandenen Brüche sich im warmen Wind der Liebe schließen.“ 

Wie ein Künstler das "Du" auf der Bühne erlebt

Und siehe: „Das ,Du' erscheint bei Mey schließlich auch, und zwar in der besonderen Weise, wie es ein Künstler auf der Bühne erlebt. Aus dem Publikum mit seinen ,freundlichen Gesichtern' sticht ein Vater mit seinem behinderten Sohn heraus, der ein Konzert besucht (,Der Vater und das Kind'). Mey macht aus diesem Erlebnis eine Hymne an die grenzenlose, hingebungsvolle Liebe.“

DT/mee

Alexander Pschera über die „letzten“ Alben von Bob Dylan und Reinhard Mey. Lesen Sie den ganzen Text in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe kostenlos hier .