Wieso keine Bestseller aus Augsburg?

Bernhard Meuser, neuer Chef des Sankt-Ulrich-Verlages, über seine Pläne. Von Oliver Maksan

Bernhard Meuser, hier bei der Vorstellung des Youcat in Mainz im März. Foto: KNA
Bernhard Meuser, hier bei der Vorstellung des Youcat in Mainz im März. Foto: KNA
Herr Meuser, Sie sind seit gestern Chef des Augsburger St. Ulrich Verlags. Ist es Ihre Aufgabe, dem Verlag den Zahn zu ziehen, den Ihr Vorgänger Voss geschärft hat?

Es ist nicht meine Aufgabe, den St. Ulrich Verlag inhaltlich zu entkernen oder ihn zu einem kraftlosen Gebilde zu machen. Das kann nicht die Aufgabe eines Verlegers sein.

Aber der St. Ulrich Verlag ist ja bisher eindeutig positioniert und im Bistum nicht unumstritten. Das Buchhandelsmagazin „Buchmarkt“ sprach kürzlich von „aggressiv konservativ“.

Wenn da etwas dran sein sollte, kann das natürlich nicht die Ausrichtung sein. Gegen eine kirchentreue, konservative Positionierung ist nichts zu sagen. Im Gegenteil. Aber wir dürfen nicht meinen, das erste Attribut des Evangeliums sei das Wort „konservativ“. Jesus selbst hat kein Iota am Gesetz ändern wollen, aber gleichzeitig war er auf eine aufregende Weise modern, und die Zeitgenossen haben das entstehende Christentum als aufregendes, anstößiges Neuheitserlebnis wahrgenommen. Und das ist genau der Punkt. Wir müssen heute in einer alternden konsumistischen Gesellschaft als eine neue, überraschend offensive Bewegung wahrgenommen werden. Und das genau der Ansatz, der beim St. Ulrich Verlag in der Zukunft eine Rolle spielen soll.

Aber werden auch weiterhin Bücher erscheinen, die so – über Exorzismus zum Beispiel – sonst nirgends erscheinen?

Klar, ohne dass ich im Einzelnen schon weiß, wie künftige Programme aussehen werden. Selbstbeweihräucherndes Gutmenschentum bekommt auch in Zukunft keine Lobby.

Was hat der Ulrich-Verlag, was der Münchener Pattloch-Verlag nicht hat?

Mein Wechsel nach Augsburg hat auch nicht unwesentlich mit dem Jugendkatechismus und seiner Leitidee Neuevangelisierung zu tun, den ich bei Pattloch verlegt habe. Und das ist ja ein Projekt, das innerhalb von wenigen Wochen nicht nur national, sondern auch international explodiert ist. Kardinal Schönborn sprach vom „gelben Wunder“. Wir haben gerade in Deutschland 105 000 Exemplare verkauft, Übersetzungen in dreiundzwanzig Sprachen sind vereinbart, von denen die meisten noch in diesem Jahr erscheinen werden. In Amerika gibt es etwa eine Universität, die allein vierzigtausend Exemplare geordert hat. Das hat sich also zu einer globalen Sache entwickelt, die die Dimensionen eines säkularen Verlages sprengt. Das heißt, man muss jetzt mit dem Youcat online gehen, man muss die Chancen nutzen, die der Weltjugendtag bietet. Dazu wurde mir in Augsburg durch Bischof Zdarsa in sehr großzügiger Weise eine Möglichkeit geschaffen. Der Bischof von Augsburg war so begeistert von der Idee des Youcat, also eine junge Lernbewegung des Glaubens zu starten, dass er sagte: Das ist genau die integrative Idee, die ich für die Diözese Augsburg brauche. Möchten Sie das nicht in die Strukturen integrieren? Sollten wir das nicht im Grunde auch als Kernidee für unseren katholischen Verlag nutzen? Das fand ich auch. Deshalb bin ich mit großer Freude nach Augsburg gekommen.

Wie wird dieses Youcat-Apostolat aussehen?

Zunächst wird Augsburg der Standort eines internationalen Youcat-Projektes sein, dessen Leiter ich sein werde. Mit diesem Youcat-Projekt wollen internetaffine junge Leute die Lernbewegung des Glaubens voranbringen. Der Verlag kommt hier ins Spiel mit seinen vielen Sparten, für deren Schaffung ich meinem Vorgänger Voss dankbar bin. Infrastruktur für Fernsehen, Radio: Das ist ja alles da. Junge Leute, die für die Neu-Evangelisierung arbeiten wollen, finden in Augsburg alle Instrumente vor, die man braucht.

Aber die Rechte am Youcat bleiben bei Pattloch.

Ja. Der Pattloch-Verlag hat die Buchrechte am Jugendkatechismus. Und es wird jetzt im Herbst ein Jugendgebetbuch erscheinen, das in den Vormerkerzahlen schon jetzt sehr stark ist. Auch daran behält Pattloch die Rechte. Folgeprojekte aber werden nach Augsburg gehen. Aber das Buch ist ja nur ein Teil dieser Initiative Youcat.

Mit Pattloch konnten Sie ja bisher sehr erfolgreich in den Mainstream wirken, mit Autoren wie Lütz, aber auch Kardinal Marx usw. Sehen Sie Möglichkeiten, das beim Ulrich Verlag ähnlich zu machen?

Ja. Natürlich hat der Ulrich-Verlag eine viel stärkere Kirchenanbindung als Pattloch. Wir haben auch nicht den Vertriebsapparat, den die Verlagsgruppe Droemer hat, zu der Pattloch gehört. Aber all das kann man heute teilweise dadurch kompensieren, dass man leuchtkräftige, intelligente Bücher macht. Das Internet sorgt schon für Aufmerksamkeit. Und auch die Mainstream-Presse nimmt solche Bücher wahr. Und so haben auch kleinere Verlage eine Chance, am Markt mit guten Objekten präsent zu sein.

Aber die Zeit der Bestseller ist vorbei, oder?

Wissen Sie, Bestseller kommen nicht über das Marketing oder Vertrieb, sondern Bestseller kommen dadurch, dass die Bücher eine schlagende Idee haben, die sich sofort durchsetzt. Warum sollten keine Bestseller aus Augsburg kommen?