Wenn das Beiboot gegen den Fischerkahn rumpelt

Ein Blick auf die katholische Bloggerszene in Deutschland – das „Beiboot Petri“. Von Peter Winnemöller

Wer sich die Geschichte der katholischen Bloggerszene in Deutschland ansieht, stößt unweigerlich auf das „Beiboot Petri“. Um ein Blog wie „Beiboot Petri“ zu verstehen, muss tief in die Geschichte katholischer Blogs in Deutschland eintauchen. Der Name ist scheinbar Programm. Das Beiboot wird vom Hauptschiff ausgesetzt, um Sonderaufgaben zu versehen, für die das Schiff zu groß oder zu unbeweglich ist. Katholische Blogs kamen in Deutschland um das Jahr 2005 auf. Zaghaft zunächst, später mit immer mehr Power stiegen sie in den Diskurs ein, denn Papst Benedikt XVI. stand im Fokus einer ungerechten negativen Presse.

Blogger hatte sich der Apologetik und Verteidigung des Papstes verschrieben. Den Papst mittels Faktencheck zu verteidigen war Anspruch des „Beibootes“ von Anfang an. Kritiker sagen, es wäre oft genug ein Bodycheck daraus geworden. Die Besatzung des Bootes hält sich mit den Pseudonymen Cinderella01, Ester und Damasus von Anfang an bedeckt. Schwungvoll ruderten die drei mit ihrem Beiboot im Januar 2012 mitten in die schon aktive Bloggerszene. Als „Beiboot Petri“ war der Name Programm. Man nennt die Kirche umgangssprachlich das Schifflein Petri. Die Beibootbesatzung machte es sich zur Aufgabe, italienische und amerikanische Nachrichten über Ereignisse im Vatikan nach Deutschland zu transportieren. Darunter auch Nachrichten, die damals Deutschland kaum erreichten. Wer in der Bugwelle des Beibootes gegen den Strom schwimmt, findet interessante Zeitdokumente. So beispielsweise einen Bericht über einen Erzbischof Vigano, der sich bitterlich bei Papst Benedikt XVI. über die Ernennung zum Nuntius in den USA beklagt. Das wirft noch mal ein anderes Licht auf die aktuellen Briefe des Erzbischofs.

Auch nach dem Pontifikatswechsel blieb das Beiboot, das manchmal die kämpferische Attitüde einer Fregatte an den Tag legt, auf Kurs. Über die Jahre habe viele Blogs aus der katholischen Szene aufgegeben. Der neue Papst schwamm auf einer Welle der Begeisterung der Medien. Da war nichts zu verteidigen. Die Identifikation mit dem Papst vom anderen Ende der Welt war bei weitem nicht so hoch. Das wirkt nach. Die Zeit rund um den Rücktritt des Papstes und die Sedisvakanz wurde eindrucksvoll dokumentiert. Minutiös sind die letzten Tage des Ratzinger-Pontifikats in Texten, Bildern und Videos im „Beiboot Petri“ erhalten. Die Besatzung rudert auch unter Papst Franziskus munter weiter. Wenn auch das Erschrecken über den Papstrücktritt nie verborgen wurde. Trauer und auch Entsetzen über diesen Schritt zeigen sich an Jahrestagen des Rücktritts immer wieder.

Das Team des Beibootes macht aus seinen Sympathien keinen Hehl. Sie gilt dem Papa emeritus. Sie gilt ganz aktuell Kardinal Müller und seinem Glaubensmanifest. Das Beiboot hält eisern Kurs, mag auch das Schifflein Petri mal schlingern. Dann rumpeln sie im hohen Wellengang der Kirchenpolitik unserer Tage eben mal aneinander. Das Beiboot gibt nicht auf. Seit dem Pontifikatswechsel hat sich die Tendenz noch einmal verstärkt, die Meldungen und Kommentare italienischer und amerikanischer Vatikanisten nach Deutschland zu transportieren. Meldungen von OnePeterFive ebenso wie kernige Hintergründe oder Kommentare von LifeSiteNews finden ihren deutschen Widerhall im Beiboot. Zugleich wird aber auch die Situation der Kirche in Deutschland weiter kritisch bis kämpferisch begleitet. Mag man sich an der rauen Schale des Beibootes reiben oder gelegentlich über den Tonfall ärgern. Gut informiert und klar aufgestellt sind die Autoren dieses Blogs allemal. Dass es ein Teamblog ist, ist sicher ein Teil der Erfolgsgeschichte. Zu hoch ist für einen Einzelnen die Belastung, in der hektischen Medienwelt ein Thema konsequent weiter zu verfolgen. Das geht zu dritt leichter. Da hält man sich gegenseitig bei der Stange. Teamblogs sind derzeit weitaus erfolgreicher als Einzelkämpfer. Und in der Nische ist das Beiboot eine echte Erfolgsgeschichte.