„Was ist meine Kultur?“

Ohne Gesicht herrscht Unfreiheit und Entmenschlichung: „Hart aber fair“ diskutierte über die Burka. Von Alexander Riebel

Umfassender Freispruch für Islamgegner Wilders
Die Vollverschleierung verhindert Gespräche in Freiheit und Offenheit. Foto: dpa
Umfassender Freispruch für Islamgegner Wilders
Die Vollverschleierung verhindert Gespräche in Freiheit und Offenheit. Foto: dpa

Für die Vertreter eines fundamentalistischen Islam sind die nicht-Muslime Ungläubige und damit minderwertig. Die Burka, die in Deutschland trotz aller Integrationsangebote getragen wird, ist so auch ein Zeichen dieses Überlegenheitsgefühls. Die Kandidaten in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ haben es sich am Montagabend schwer gemacht. Sie haben mit dem Frauenbild, mit der Entmenschlichung durch die Burka und mit dem fundamentalistischen Islam argumentiert – so die Stellvertretende Parteivorsitzende der CDU, Landes- und Fraktionsvorsitzende Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner. Es muss ja niemand in diese deutsche Gesellschaft kommen, sagte sie. Auch „Welt“-Korrespondent Dirk Schümer überzeugte mit seiner Auffassung, er frage nicht nach den Motiven der Burka-Träger, sondern danach: „Was ist meine Kultur?“ Er zitierte den französischen Philosophen Levinas, der den Holocaust überlebt habe, und für den das „Du“ im Mittelpunkt seiner Gedanken gestanden habe. Dieses „Du“ gebe es aber bei Burka-Trägern nicht, weil sie nicht zeigten, was sie denken und tun. „Ich fühle mich ausgegrenzt“, sagte Schümer. Er machte auch ganz klar, was er meinte, indem er sich wahrend der Diskussion eine Mütze über das Gesicht zog und erklärte: „Wir können auch alle so hier sitzen, das ist doch nicht schön.“

Die Diskussion war wie erwartet mit Emotionen geführt, so dass Moderator Frank Plasberg häufig bremsend dazwischengehen musste. Aber es gab auch ganz nüchterne Bemerkungen wie die des Rechtsanwalts und Publizisten Michael Friedmann, der es für erstaunlich hält, dass nicht auch Männer Burka tragen. Religiöse oder persönliche Gründe für die Burka seien ihm egal, letztlich gehe es um Freiwilligkeit. Er sei nicht für ein Gesetz, aber man müsse sich fragen, wie man sich in der Gesellschaft begegnen wolle. Für Claudia Roth von Bündnis 90/Grüne ist die Burka-Frage nur ein Randproblem – es geh um die Beseitigung der Verschiedenheit der Religionen; das Selbstbestimmungsrecht der Frau entscheide allein darüber. Plasberg wies sie darauf hin, dass nicht nur 86 Prozent der Deutschen gegen die Vollverschleierung sind, sondern auch 79 Prozent der grünen Wähler. Also könne es sich nicht um ein Randproblem handeln.

Trauriger Höhepunkt der Sendung war die Vorstellung der österreichischen Konvertitin Monika B.; sie war zuvor katholisch und wechselte zum Islam. Anfangs sei sie nicht vollverschleiert gewesen, aber sie sei als Landesverräterin denunziert worden und habe sich dann für den Gesichtsschleier entschieden. Ihr Mann, Muslim, sei gegen diese Verschleierung, was den ganzen Relativismus dieser Art zu denken zeigte. Sie sagte auch, es passe nicht zum Islam, einen lockeren Umgang mit einem Mann zu haben, diese Beziehung sollte neutraler sein. Ein Burka-Verbot hält sie für diktatorisch. Plasberg jedenfalls fand ihre Verschleierung unheimlich.

Dass ein Team der Sendung in verschieden Städten, so auch in Bad Godesberg, auf Burka-Suche ging, um deren Häufigkeit zu zählen, beweist allerdings gar nichts. Eine bloß zufällige Aktion, die kein Beleg für die wirkliche Zahl ist. Auch konnte auf Nachfrage in Ministerien diese Frage nach der Zahl nicht beantwortet werden. Auch die Muslimin unter den Diskutierenden, Buchautorin Khola Maryam Hübsch, konnte durch ihre Relativierungen nicht zur Wahrheitsfrage beitragen. Auch sie empfindet bei der Burka Unbehagen, aber auch Peepshows oder Gemany's next Topmodel machten die Frau zum Objekt. Sie wollte den Zwang durch eine andere Kultur nicht wahrhaben. Ganz richtig wies auch Friedmann darauf hin, dass man Japaner nicht einen Händedruck aufnötigen würde, der in dem Land nicht üblich ist. Es ist, das klang mehrmals an, schlicht eine Frage der Höflichkeit, wie man sich in einem Gastland verhält. Aber da ist ja noch das Überlegenheitsgefühl vieler Muslime.